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25.04.2008

Darf Hoffenheim wirklich aufsteigen?

Bleibt bloß weg!

Text: Helmut Schümann  Bild: Imago

Warum gibt es das Experiment TSG Hoffenheim in der 2. Bundesliga? Weil ein Mann mit einem Vermögen in Oligarchenqualität Lust dazu hatte. Mehr nicht. Unser Autor Helmut Schümann meint: Im Oberhaus hat der Klub nichts zu suchen.

Darf Hoffenheim wirklich aufsteigen? - Bleibt bloß weg!


Dietmar Hopp hat das Geld, sich bessere Fußballer zu kaufen als die Konkurrenz sie hat; er hat auch das Geld, einen begabten Trainer zu engagieren, sogar einen mit einer fußballerischen Vision; und er hat auch die Möglichkeiten, alles andere zu kopieren, was einen großen Fußballklub ausmacht. Zu kopieren, wohlgemerkt, mehr nicht.



Was allerdings auch Dietmar Hopp in allen Ehren nicht kann, und so viel kitschige Fußballromantik muss dann doch schon sein, er kann nirgendwo Seele kaufen. Mag ja sein, dass der moderne Fußballbetrieb im Kern ein kaltes Business ist, im Herzen aber ist er es nicht. Überall dort, wo dieser schöne Umstand negiert worden ist, scheiterten die betriebswirtschaftlichen Businesspläne. Borussia Dortmund mochte nicht mehr Bergmann sein, jetzt kämpfen sie dort mühsam ums Mittelmaß. Bayer Leverkusen? Auf der Ebene ihres geldgebenden Konzerns sind sie nie angekommen. Der FC Schalke 04 ist gerade dabei, mit seinen Mischkalkulationen den Titel der Herzen zu verspielen. Man kann diese Liste ganz leicht fortsetzen. Und ist es nicht bezeichnend, dass der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichste Klub in Deutschland, der FC Bayern München, gerade der Klub ist, bei dem es menschelt bis zum Gehtnichtmehr? (Noch. Man wird sehen, was kommt, wenn Klinsmann die Macht übernimmt).

Die TSG 1899 Hoffenheim ist ein regionales Event

Das Tröstliche an der TSG Hoffenheim ist doch: Dergleichen Kunstgebilde sind immer noch in überschaubarer Zeit zusammengekracht. Weil es – Achtung, jetzt kommt nochmal Kitsch – einfach an der Liebe fehlt. Ohne die, wie schön, geht auch im Fußball nichts. Es ist derzeit in Hoffenheim und um Hoffenheim herum gewiss hip, zur TSG zu gehen, und es ist für die Fanschar gewiss auch ganz lustig, den anderen mal zurufen zu können, dass man sie mit ihrem Geld zusch... Aber das ist von sehr begrenzter Komik, und auch nur so lange attraktiv, wie es stimmt und erfolgreich ist. Die TSG 1899 Hoffenheim ist ein regionales Event, und das Publikum genau darauf aus.

Aber wenn die Party mal kippt, und das wird sie, dann wird sich die Hipness schnell verflüchtigen in und um Hoffenheim herum. Weil nicht mal das Geld von Dietmar Hopp ausreicht, um all die Ballacks, Messis, Ribérys nach Hoffenheim zu locken, die der Verein jetzt braucht. Weil ein Event nur Event bleibt, wenn es immer noch schöner, toller und größer wird als im Vorjahr.

Wenn der VfL Bochum also einmal zu Gast ist und womöglich noch 2:1 gewinnt nach einem taktisch klugen aber unattraktiven Spiel, und die Hipness weg ist, dann können sie in Hoffenheim nicht einmal auf den Reiz des Underdogs setzen. Weil sie niemals Underdog waren, sondern nur Dorfverein. Der mal eben dafür gebraucht wurde, um einem seiner Mitglieder, nein, nicht das Profil zu schärfen, das hat Dietmar Hopp nicht nötig. Aber einen Kindheitstraum zu erfüllen. Das ist zu wenig Fundament für einen Bundesligisten.





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Kommentare

  • User
  • 25.04.2008 14:27:22 xxlhonk

    Wie haben denn all die "Traditionsvereine" angefangen?
    Gleich mit gaaaaaannnnnnnnnnzzzzzzzz viel Tradition und einer riesen Schar an Fans?
    Ist mir neu.
    Und wenn Du schon Anlehnungen an die Tradition nimmst:
    Wo sind denn all die Traditionsvereine mit ihren riesen Fangemeinden geblieben (Waldhof Mannheim, Fortuna Düsseldorf u.ä.)?
    Oder wo steuern die emotinalgeführten Vereine denn hin, Beispiel Kaiserslautern?

    Und wenn Du dir die Wirtschaft als Orientierungspunkt vornimmst, dann frage ich Dich dazu:
    Wer kannte vor 10 Jahren die heute bekannteste und teuerste (Firmen-Marke) der Welt?
    Und es ist nicht Coca-Cola, BMW oder Microsoft die ich meine, sondern ein dahergelaufener Haufen junger Typen, die sich einen Traum erfüllt haben. Und zwar mit einem Haufen Geld von sehr reichen Menschen.
    Es ist Google.
    Warum soll Hoffenheim es also nicht schaffen, vordergründig durch ihre attraktive Spielweise, Fans zu finden und langfristig an sich zu binden?
    Und wer sagt denn, dass die sich im ersten Jahr gleich die riesen namen kaufen wollen/müssen.
    Da steckt so viel Potential in Mannschaft und Trainer, dass da punktuelle Verstärkungen völlig ausreichen, die Mannschaft in Liga 1 zu etablieren.

    Also, nicht immer alles auf Tradition ziehen und schieben.
    Für Tradition (und ich bin seit 35 Jahren HSV Fan) kann ich mir nichts kaufen.
    Schon gar keine schönen Spiele und die will ich sehen. Lieber noch als ein schnödes, ergebnisorientiertes 1:0.
    Und wie der HSV momentan spielt, das ist nicht emotinal, sondern langweilig
     und vergrault junge Fans, die sich einen Verein suchen (wollen) eher, als das es sie an sich bindet.

  • User
  • 01.05.2008 17:34:19 Fink

    Zumal ist der "am meisten menschelnde" Verein in Deutschland, Bayern München, meiner Meinung nach nicht gerade im Aufwind.
    Wenn man so viel Geld für Spieler ausgibt und dann u.a. fast am FC Getafe, Zenit St. Petersburg, dem FC Aberdeen und Wacker Burghausen scheitert, sich aber gleichzeitig schon als zukünftiger Championsleaguefinal-Aspirant sieht, dann liegt das auch an machtkämpfenden und "menschelnden" Möchtegernpatriarchen wie Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge und co.
    Hier verderben zuviele konservative Köche den Brei, was auch den Fans nichtgerade zugute kommt.

  • User
  • 02.05.2008 12:45:33 gelsenkirchen

    "fast" an zenit st. petersburg scheitern??? hehehehehe...

  • User
  • 20.05.2008 18:48:48 tomtomHH

    Fair play, auch wenn es um den TSG Hoffenheim geht!

    Ach... zwei Herzen schlagen in meiner Brust beim TSG Hoffenheim 1899. Da laufen die Gedanken: Kunstverein, keine Tradition, keine Fans, nichts Gewachsenes, reicher Mäzen sucht sich ein Spielzeug, Kohle siegt über Tradition und so weiter und so weiter. Aber so einfach ist es nun doch nicht, will man 1899 ehrlich bewerten. Insofern habe ich mich auch über diesen Beitrag geärgert, weil er so gnadenlos undifferenziert ist und der Anschein von Neid zu spüren ist. Aber der Reihe nach:

    Du sagst: TSG Hoffenheim sei ein Kunstgebilde, kein Traditionsverein!

    TSG Hoffenheim wurde 1899 gegründet als Turnverein und dann 1945 mit der Fußballabteilung fusioniert. Also gerade mal 36 jünger als die traditions¬reiche 1909 gegründete Borussia aus Dortmund, genauso alt wie Wolfsburg, älter als Rostock oder Cottbus. Wann fängt denn Tradition bei dir überhaupt an?

    Erfolgreich waren sie nicht so sehr. Zunächst. Das stimmt! Aber das sind ver¬meintliche Traditionsvereine leider schon lange nicht mehr, siehe SG Union So¬lingen, Hessen Kassel, Fortuna Köln .... Hoffenheim spielt 1991 noch in der Be¬zirksliga und steigt fortan immer weiter auf. 2006 spielte Hoffenheim schon 6 Jahre in der Regionalliga Süd, erst dann kommt Ralf Rangnick und mit ihm viel mediale Öffentlichkeit. Was ist bis dato daran künstlich?

    Du sagst: Hoop könne keine Seele kaufen? Es fehle an Liebe!

    Aha... also bleiben wir mal bei deinem - wie du sagst - „Kitsch“. Fängt Liebe erst dann an, wenn man 100.000 Mitglieder hat? 6000 zählen nicht? Komische Defi¬nition. Gibt es Liebe nur in den oberen Ligen? Als ich die Hoffenheimer nach Dortmund haben fahren sehen, hab ich schon Spaß, Freude und Leidenschaft in einer Fernsehübertragung gesehen, ohne das Wort Liebe weiter zu belasten. Diese von dir glorifizierte Liebe sehe ich ehrlicherweise bei mancher Auswärts¬fahrt meines geliebten HSV unter den Hamburgern auch nicht zwangläufig.


    Was hast du gegen Dietmar Hopps Kindheitsträume?

    Kurzer Exkurs SAP und Dietmar Hopp:

    Dietmar Hopp ist nicht Roman Abramowitsch, der aus Russland kommt, schon sehr sonderbar an seine Kohle herangekommen ist und sich einen wirt¬schaftlich angeschlagenen Verein in einer der wichtigsten europäischen Großstädte kauft und fortan einen auf wichtig macht. Abramowitsch erweckt tatsächlich den Anschein, dass man mit Geld alles machen könne.
    Herr Hopp ist hingegen eine deutsche Erfolgsgeschichte 1. Grades. Der hat mal ganz klein angefangen, nichts geerbt. Er ist auch nicht durch dubiose nationale Verhältnisse an Kohle und Macht gelangt. Mitnichten! Der hatte einfach mit sei¬nen vier Mitgründern innovative Ideen und Mut. Null Angestellte bei der Gründung von SAP im Jahre 1972! Doch es passte ganz viel zusammen. Mit ein paar Leuten angefangen, ist er heute der drittgrößte Softwarehersteller der Welt mit über 43.000 Mitarbeitern. Das ist der Hammer! Man kennt die Geschichte von Apple oder Microsoft, aber die deutsche Erfolgsgeschichte von SAP ist relativ un¬bekannt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Jungs von SAP nicht in dieser Art zur Schau stellen wie es Steve Jobs oder Bill Gates machen.

    Und was machen die Gründer von SAP mit ihrer Kohle? Die spenden aktuell mal 200 Millionen Euro (!) für die Uni Karlsruhe, oder Dietmar Hopp im Jahre 99 mal 10 Millionen DM für die Alder aus Mannheim, weil sie pleite sind. Zudem gründet Dietmar Hopp 1995 mit 4 Milliarden seines EIGENEN Geldes eine der größten gemeinnützigen europäischen Stiftungen, die es je gab. Ziele: Jugendsport, sozi¬ale Einrichtungen, Medizin etc. Dietmar Hopp und die Mitgründer sind Mäzene, über die man sich nur freuen kann. Die zahlen auch ihre Steuern in Deutschland. Zum Glück gibt es auch Superreiche, die ihrer Verantwortung dennoch gerecht werden.
    Ist das angekommen?! Oder geht dir nur darum, dass derjenige schon deshalb ein dummer Bonze ist, weil er Erfolg und Kohle hat?


    Du sagst: Hoffenheim kopiere, was einen großen Verein ausmache!

    Aha, wieder so ein gut klingendes Schlagwort. Zum Fußballspielen braucht man bestimmte Voraussetzungen: Mannschaft, Stadion, medizinische Abteilung, Mar¬keting, etc. Das braucht 1899 wie auch die Bayern. Was heißt da kopieren? Schaut man sich genau an, was da in Hoffenheim passiert, würde ich als letztes von Kopieren reden. Gerade Ralf Rangnick ist dafür bekannt neue Wege zu ge¬hen, gerade was den Bereich Taktik angeht. Da ist er in Deutschland sogar ein Vorreiter! Und wie wir aktuell beim HSV hören, der wichtigste Angestellte des Vereins.
    Ralf Rangnick setzt nicht auf Mauertaktik, sondern lehrt offensiven, schnellen Fußball. Danach wird auch die Einkaufspolitik gestaltet.

    Bernhard Peters, ein sehr erfolgreicher Hockeytrainer der deutschen Herren, mehrfach Weltmeister und Europameister, Wunschkandidat von Jürgen Klins¬mann für die deutsche Nationalmannschaft als Sportdirektor, arbeitet in Hoffen¬heim seit 2006 als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung! Bernhard Pe¬ters wurde im DFB auch deshalb abgelehnt, weil man meinte, dass seine Metho¬den aus dem Hockey nicht zum Fußball passen würden.

    Was kopiert Hoffenheim?! Auch wenn es schwer fällt: Hoffenheim ist das innova¬tivste Projekt im deutschen Fußball. Tief durchatmen! Innovationen kommen meist aus überschaubaren, kleineren Organisationen, denn dafür sind die großen oft zu träge, zu festgefahren oder zu bürokratisch.


    Noch ein Letztes, obwohl noch viel mehr gesagt werden könnte. Dietmar Hoop hat in Hoffenheim als Junge selbst gekickt. Der hat da gelebt, den Dietmar kennt man dort! Warum sollte jemand, der nun sehr reich geworden ist, sein Geld nicht auch dort lassen, wo seine Wurzeln sind. Ich finde, das hat Anstand und verdient Respekt. Hoffenheim hat nun mal das Glück, dass der gute alte Dietmar richtig Kohle hat. Was glaubst du, was Corny Littman – Präsident des FC St. Pauli - in seinen Verein stecken würde, wenn er mit seinen gestrichen 6 Milliarden Vermö¬gen, zu den reichsten Menschen der Welt gehörte? Aus Spaß könnte er noch den FC Bayern kaufen und den Hoeness entlassen, damit der FC St. Pauli hoffentlich bald wieder in der 1. Liga spielt. Kohle spielt da keine Rolle.

    Dietmar Hopp hätte es leichter haben können, ginge es ihm um einen deutschen Abramowitsch. Er hätte schnell einen „traditionsreichen“ Verein gefunden, der ihn mit Handkuss genommen hätte. Und dann ganz schnell 1. Liga und der Glamour des internationalen Fußballs. Stattdessen will man in Hoffenheim etwas anderes. Dort experimentiert man mit klugem Fußballsachverstand. Die seriöse Einkaufs¬politik deutet an, dass es um Konzepte geht, die man dauerhaft verwirklicht haben will, und eben nicht um den kurzfristigen Erfolg. So schafft man ein starkes Fundament für viele Jahre.

    Man baut eine Truppe auf, die uns vermutlich mit offensivem, erfrischendem Fußball begeistern wird. Jedenfalls die, die Spaß am Fußball haben wollen. Der TSG Hoffenheim 1899 ist ein Team, das auf sich aufmerksam gemacht hat, egal, ob es schon in diesem Jahr aufsteigen wird oder nicht. 1899 kommt in die 1. Liga, früher oder später. Und ohne groß Prophet sein zu müssen: Man wird sich auch nicht damit begnügen, nur um den Klassenerhalt zu spielen. Topspiel der Woche: 1899 – FC Bayern. Unser Fußballherz wird sich dran gewöhnen (müssen).


    Antwort ist schon 3 Wochen alt. Da ich den Kommentar als zu lang empfand, hab ich ihn der Redaktion so geschickt, aber keine Reaktion. Daher quetsche ich den hier rein. Mit Grüßen aus Hamburg

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