Was denkst du, Schatz?
»Doll ist noch zu sehr Spieler«
Text: Benjamin Apitius Bild: Imago
Wie nach jedem Bundesliga-Spieltag sprachen wir mit dem Urgestein Dieter Schatzschneider und stellten die brennendsten Fragen: Was ist nur mit dem BVB los? Ist bei Kuranyi der Knoten geplatzt? Und bleiben die Bayern nun auf ewig Meiser?
Herr Schatzschneider, was hat Sie am vergangen Spieltag so richtig geärgert?
Ich war bei dem Spiel in Dortmund gegen Hannover 96. Ich will kein Prophet sein, aber wenn die so weiterspielen, dann macht der Thomas am Samstag sein letztes Spiel als Trainer von Borussia Dortmund. Ich dachte eigentlich, die Spieler strengen sich besonders an, weil jeder im Pokalfinale dabei sein will, aber das war gar nichts. Kein Wille, keine Laufbereitschaft - nichts. Liebe Dortmunder, nicht böse sein, aber das war so, als wenn es nach Vorschrift gemacht worden wäre. Nach der Reibe in München dachte ich ja noch, die schonen sich für 96. (lacht) Das schönste war ja, als die Spieler am Ende in die Südkurve liefen, um sich bei den Fans zu bedanken - und die Leute auf der Tribüne riefen nur: »Haut ab! Haut ab!« (lacht) Das war köstlich.
Wie hat sich in Ihren Augen der Trainer Thomas Doll seit seinem Engagement beim Hamburger SV entwickelt?
Ach, der Thomas hat viel über die Hamburger Zeit nachgedacht, und er wollte raus aus dieser Schublade, dass er zu weich ist - aber das ist er, da kann er noch so eine finstere Miene auflegen oder so tun als ob. Er einfach noch zu sehr Spieler.
In Hannover wird bereits mit Hochdruck an einem Team für nächste Saison gearbeitet. Ist Jan Schlaudraff ein guter Kandidat für die »Roten«?
Er lebt von der Schnelligkeit, ist ein frecher Junge - ich denke mal, dass das eine gute Wahl ist.
Nun hat Hannover 96 schon sehr viele Stürmer im Kader. Wie wird es mit Vahid Hashemian weitergehen? Und wird Thomas Brdaric noch einmal zurückkommen?
Es wäre natürlich schön, wenn der Thomas das noch einmal packen würde, aber hier in Hannover glaubt da keiner mehr dran. Bei Hashemian dagegen mehren sich nach dem starken Spiel gegen Frankfurt die Stimmen, dass er bleiben soll, aber ich kann davor immer nur warnen: Wenn einer zwei Jahre lang nichts gemacht hat und die Beine plötzlich Flügel kriegen, nur weil es um einen neuen Vertrag geht, dann sollte man von einer Weiterverpflichtung Abstand nehmen. Unbedingt!
Jiri Stajner hat seinen Vertrag dagegen verlängert.
Stajner ist ein Gott in Hannover! Was wäre der Fußball langweilig ohne diese Stajners dieser Welt! (lacht) Ich brauche unbedingt solche Typen! Man ärgert sich natürlich auch - aber ich sage immer: Lieber über einen Spieler extrem ärgern und extrem freuen, als wenn man einen Spieler nur gleichgültig betrachtet. Und der Stajner schwankt wirklich zwischen Kreis- und Weltklasse - aber seit Wochen nur noch Weltklasse.
Welcher Mannschaft könnte einer wie Sie derzeit helfen?
Nürnberg! Das wäre eine Mannschaft, in der ich gerne spielen würde, weil die ein Riesenpotenzial haben. Da spielen rechts und links Leute, die können dir den Ball immer auf Kopf oder Fuß vorlegen, das wäre was für mich. Aber es wird mir Angst und Bange, wenn ich sehe, was da gerade passiert. Das sieht ja so aus, als würden die wirklich absteigen - und das wäre traurig. Die müssen Punkte holen! Wenn die Sonntag in Wolfsburg verlieren, dann ist es schon fast zu Ende.
Schalke 04 hat »einen wie Sie«: Kevin Kuranyi. Darf man jetzt eigentlich in jedem Spiel von dem Nationalstürmer vier Tore erwarten?
Warum nicht schon vorher? Muss immer erst ein Trainer gehen, dass ein Stürmer seine volle Stärke ausspielt? Das hat immer einen bitteren Beigeschmack. Aber man muss natürlich auch vor Kuranyi den Hut ziehen. Der hat von uns allen - von mir auch - immer nur Schelte gekriegt, und jetzt vier Tore in einem Spiel - das ist schon sensationell gut! Aber warum erst, wenn der Slomka schon weg ist?





