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15.04.2008

Was denkst du, Schatz?

»Die Spieler sind wie Huren«

Text: Benjamin Apitius  Bild: Imago

Wie nach jedem Bundesliga-Wochenende diskutieren wir mit Bundesliga-Dinosaurier Dieter Schatzschneider die Fragen der Stunde: Warum wurde Slomka entlassen? Müsste Müller nicht auch gehen? Und sind die Spieler an allem schuld?

Was denkst du, Schatz? - »Die Spieler sind wie Huren«


Herr Schatzschneider, nun ist es also passiert: Mirko Slomka wurde am Sonntag vom Schalker Vorstand entlassen.

Das ist schade, ne? (stöhnt) Ich habe mir das nach dem Spiel in Bremen schon gedacht, als die Mannschaft dem Mirko wirklich keinen guten Dienst erwiesen hat. Das war ja Fußball ohne Gegenwehr! Und dann dieses Heuchlerische von Kuranyi und Jones, die nun beide sagen, sie würden einen guten Trainer verlieren. Ich denke, die Mannschaft hätte das verhindern können. Die Spieler tragen eine große Hauptschuld, dass der Mirko Slomka auf seine letzten Tagen noch rausgeschmissen wurde. Am Saisonende wäre er sowieso reif gewesen - dass es so schnell gekommen ist, liegt allein an der Klatsche in Bremen.



Sie sagten, der Umgang mit Mirko Slomka erinnere Sie an alte Schalker Zeiten. Sie wussten also schon, wie es mit Slomka enden würde?

Auf Schalke wurde damals alle zwei Wochen der Trainer oder der Manager gewechselt. Zu meiner Zeit hieß der Präsident noch Dr. Fenne. Es gab damals große Diskussionen um den Rudi Aussauer, warum nicht Manni Burgsmüller sondern der Dieter Schatzschneider geholt wurde. Alles öffentlich! Rudi Assauer und ich auf der einen Seite, Dr. Fenne und Burgsmüller auf der anderen. Die haben sich am Zeug geflickt ohne Ende – bis es dann mit dem Trainer zusammen ein Acht-Augen-Gespäch gab. Bei diesem Treffen habe ich dem Dr. Fenne gesagt: »Du, Junge, pass auf: Wenn du Probleme mit mir hast, dann sag mir das direkt – aber lass den Manager aus dem Spiel.« Und das, was jetzt wieder auf Schalke passiert, sind wirklich alte Zeiten: Alle wissen es schon, und keiner sagt was.

Hätte Mirko Slomka von sich aus zurücktreten sollen?

Für einen Rücktritt hätte ich den Grund nicht gesehen. Da hat doch eine Mannschaft mit ihrem Trainer das erfolgreichste Schalker Jahr gespielt! Für mich ist wirklich nur so verwunderlich, dass die Mannschaft ohne Gegenwehr ... (überlegt) Die ersten drei Kopfbälle hätten doch sogar wir beide gemacht! (lacht) Bisschen hochspringen und das Ding eindichten - da war ja nie einer in der Nähe! Ich habe immer gedacht, die Mannschaft sei so fair zum Mirko, dass sie versucht, das bis zum Ende der Saison gemeinsam durchzuziehen.

Also muss man der Mannschaft nach dem 1:5 in Bremen einen Vorwurf machen, gegen ihren Trainer gespielt zu haben?

Man muss! Man muss! Ganz früher hat man im Fußball immer gesagt: »Die Spieler sind wie die Huren, die immer da sind, wo die Kohle ist.« Und dann diese Ausreden von den einzelnen Spielern. Das ist doch alles Qutasch!

Andreas Müller warf Slomka vor, die Mannschaft entwickle sich unter seiner Führung fußballerisch nicht weiter. Das liegt nun aber auch an den Spielern, die Müller als Manager des Klubs verpflichtete.

Diese Einkaufspolitik haben natürlich beide zu verantworten - und mit gehangen, mit gefangen! Warum ist ein Mirko Slomka für diese Misere plötzlich allein verantwortlich? Ich hätte gedacht, dass sich der Müller seiner Verantwortung bewusst ist – und dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit dem Mirko zu gehen. Das hat einen ganz bitteren Beigeschmack, was der Müller da getan hat bzw. nicht getan hat.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Schalker Mannschaft unter Mirko Slomka?

Die Defensive stand. Da konnte eigentlich nichts passieren. In der Offensive lag der Hund begraben. Es fehlen Schalke einfach die Leute, die ein Spiel mit ihrer Klasse allein entscheiden können. So musste der Mirko immer in Führung gehen – erst dann konnte er taktisch 100 Prozent ausschöpfen. Und auf dem Weg nach vorne waren einfach wenig Leute, die die Qualität hatten, um die Ziele des Vereins und von Andreas Müller zu erreichen.


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