Die Geschichte der Fußballfans

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18.03.2008

Was denkst du, Schatz?

»Diego sehe ich in Barcelona«

Text: Benjamin Apitius  Bild: Imago

Wie nach jedem Bundesliga-Wochenende rauchten wir eine Kippe mit dem Urgestein Dieter Schatzschneider und erörterten die brennendsten Fragen: Geht Diego? Ist Wolfsburg die neue Kraft? Und wer ist härter: Maik Franz oder Lothar Wölk?

Was denkst du, Schatz? - »Diego sehe ich in Barcelona«


Herr Schatzschneider, der VFL Wolfsburg steht in der Rückrundentabelle an erster Stelle. Wie ordnen Sie die Leistung der Niedersachsen ein?

Da kommt etwas ganz Starkes auf die Bundesliga zu. Diese Mannschaft spielt taktisch und körperlich auf höchstem Niveau. Und was wir jetzt erleben, ist erst der Anfang. Ich glaube, dass der Felix momentan nur hinschaut, auf wen er sich in der nächsten Saison verlassen kann. Das wird ganz dramatisch! Er wird sich noch einmal richtig verstärken wollen, dass der Verein nächstes Jahr den ganz großen Ritt machen kann und um die Meisterschaft mitspielt. In Wolfsburg ist eine Menge Geld, das auch in die Mannschaft investiert wird. Ich würde es ja auch so machen, wenn ich dort Trainer wäre.



Werder Bremen muss dagegen zittern, dass ein Spieler nicht die Mannschaft verlässt. Glauben Sie, Diego wird dem Ruf der Ferne folgen?


Ich denke ja. Der Diego will den ganz großen Fußball erleben, in der Champions League spielen. Bremen müsste einfach immer komplett sein, wenn sie um die Meisterschaft mitspielen wollen - mit Frings, mit einem guten Borowski und so weiter. Er wird nach Spanien gehen.

In der brasilianischen Nationalmannschaft wusste Diego noch nicht richtig zu glänzen. Wird er in einer großen Mannschaft wie Real Madrid zurecht kommen?

Ich würde ihn am liebsten bei Barcelona sehen. Ich habe die Spanier zuletzt in Bremen gesehen, und das war schon ziemlich perfekter Fußball: jeder in Bewegung, jeder wollte sofort wieder den Ball haben, wir Fußballer sagen immer: »Spielen und gehen«. Ich denke, wenn er ins Ausland gehen möchte, dann zu Barcelona, das ist sein Spiel - nur direkt, auf ganz hohem Niveau.

Hatte Sie früher auch solche Millionenangebote?

Damals war schon `ne Million viel Geld. Und von denen, die sich diese Million leisten konnten, hatte ich auch Angebote. Aber das Ausland war für mich gar nicht so interessant, ich hatte ja Angebote von allen großen Klubs aus Deutschland: Bayern, Hamburg, Stuttgart etc. Ich bin schließlich zum HSV gegangen, und das war ja damals der Verein in Europa, die hatten gerade den Europapokal der Landesmeister gewonnen.

Das Ausland war für Sie als Fußballer also nie ein Thema?


Ich war ja im Ausland. Ich war ein Jahr in Österreich. Aber das war... (überlegt) Da habe ich eigentlich schon so ausgesehen wie ich jetzt aussehe. (lacht) Fußball hat da eben einen sehr geringen Stellenwert, Volkssport Nummer eins ist Skifahren. Aber als ich dann beim Grazer AK war, sind auch wieder mehr Leute zu den Spielen gekommen - bis das Statdion wieder voll war. Da bin ich schon stolz drauf. Ich war einer der Vorreiter, die nach Österreich gegangen sind. Später kam ja auch ein Klaus Augenthaler dazu.

Herr Schatzschneider, in diesen Tagen suchen die Hamburger einen neuen Trainer. Slaven Bilic ist ein heißer Kandidat für den Posten. Wäre er der Aufgabe beim HSV gewachsen?

Das kann man dann sehen, wenn er da ist. Der HSV ist nicht die kroatische Nationalmannschaft - das sind für einen Trainer zwei ganz unterschiedliche Dinge. Eins wird sich sofort ändern, wenn du Vereinstrainer bist: Du hast plötzlich elf Freunde, die spielen, und elf Feinde, die nicht spielen. Bei der Nationalmannschaft hast du immer zwanzig Freunde - die sind überhaupt froh, dass sie nur dabei sind. Das sieht man ja auch umgekehrt bei Ottmar Hitzfeld: Der geht auch nur in die Schweiz, weil er sich nicht mehr jeden Tag diesen Stress antuen will, sondern nur noch alle vier Wochen. Ich sage immer: »Wenn du als Vereinstrainer magenkrank bist, kannst du als Nationaltrainer wieder gesund werden.« (lacht) Und auf umgekehrtem Wege natürlich krank werden! Deswegen bin ich ja auch so gespannt auf den Klinsmann, ob der das hinkriegt.

Sie waren selbst ein gefürchteter Mittelstürmer. Wären Sie vor Maik Franz auf die Knie gegangen?

Er ist ein großartiger Provokateur auf dem Platz! Aber man muss auch sagen: Maik Franz ist nicht der Erfinder dieser Sachen. Da sind damals ganz andere Dinger gelaufen! (lacht) Den Gegenspieler am Hinterkopf streicheln und ihm dabei das Ohr umdrehen - oder vorne über die Stirn fahren und ihm dabei einen Finger ins Auge drücken. Wer als Mittelstürmer auf diese Schiene einsteigt, hat schon verloren! Wenn du nicht dein eigenes Ding machst, bist du genau da, wo er dich haben wollte. Es ist sicherlich ein Mittel, einen Stürmer auszuschalten, aber auf Dauer wird das nicht klappen. Da kommt dann mal einer, so ist das ganze Leben, der ist besser als du, stärker als du, noch abgewichster - und dann wird auch der Franz seine Lehrstunde bekommen.


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