11 interessante Beobachtungen zum Spieltag
Ich Tarzan, Du Jane!
Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago

1.
Selbst wenn sich alles um uns herum ins Gegenteil verkehrt, die Flüsse aufwärts fließen, die Uhren rückwärts laufen, die Sonne im Westen aufgeht und Nelson Valdez die Torjägerkanone gewinnt – auf eines wird dennoch Verlass sein: Gerhard Delling entscheidet sich immer für das platteste Wortspiel.

2.
Johnny Weissmüller wird sich vor Freude im Grab umgedreht haben, als Diego Klimowicz dem legendären Satz „Ich Tarzan, Du Jane“ eine Reminiszenz erwies. Nach seinem Siegtreffer für den BVB raunte der Edeljoker im exakt gleichen Tonfall: „Ich drin, mach Tor.“
3.
Dass man Vernichtungsschmerz mit erotischen Visionen bekämpfen kann, eröffnete uns Premiere-Sexperte Fritz von Thurn und Taxis. Nachdem Bayerns Lucio einen Ball mit voller Wucht ins Skrotum bekommen hatte, sprach er fachmännisch: „Er muss jetzt einfach an etwas Schönes denken!“
4.
Vielleicht hätte das auch die Höllenqual des Frankfurters Sotirios Kyrgiakos gemildert, die er nach Diegos an Brutalität nicht mehr zu überbietendem Rempler durchlitten haben muss. Gute Besserung, armes Abwehr-Monster!
5.
Werder-Coach Thomas Schaaf war offenbar nicht bewusst, welche Gräueltat sein Spielmacher begangen hatte, denn er regte sich über den folgenden Platzverweis auf wie einst der greise Nachbar in der „Allianz“-Reklame, der sich um seine Kirschen betrogen fühlt.
6.
Nur die Betroffenen selbst wissen, wie es sich anfühlt, Arminia-Bielefeld-Ultra zu sein. Wer Ähnliches empfinden möchte, ohne sich gleich mit den Ostwestfalen solidarisieren zu müssen, der kann ja mal in voller Leder-Montur mit 2 km/h auf einem Chopper-Fahrrad durch die Fußgängerzone einer Kleinstadt fahren.
7.
Unwahrscheinlich, dass er aus diesem Selbstversuch ein ähnlich aufgeblasenes Selbstverwertgefühl ziehen wird wie einst der HSV-Profi Jimmy Hartwig, der uns über den 4:3-Sieg bei den Bayern im Jahre 1982 erzählte: „Wir sind in der Woche danach mit so breiter Brust durch die Straßen gelaufen, dass die Fußgänger vor Angst die Straßenseite gewechselt haben.“
8.
Das Anrennen der Herthaner auf das Tor des VfL Wolfsburg und die Art, wie sie dabei immer wieder an sich selbst scheiterten, ließ uns an jenen Satz denken, mit dem am Zaun lehnende Opas früher über untalentierte D-Jugendliche richteten: „Der trifft aus drei Metern keinen Möbelwagen.“
9.
Analog dazu fand sich im ARD-Videotext der ebenso schräge wie wahre Satz: „Im zweiten Durchgang war Raffael einmal chancenreich.“
10.
Wer sich jemals gefragt hat, an welch raubeinige Klientel sich der Aufruf „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ wohl wenden mag, der an vielen Fahrgeschäften auf Jahrmärkten zu lesen ist, dürfte nach dem Auftritt des KSC-Verteidigers Maik Franz gegen Stuttgart einer Antwort bedeutend näher gekommen sein.
11.
Weil Franz seinen Kontrahenten Mario Gomez immer wieder auf die Matte geschickt hatte, stritt sich VfB-Manager Horst Heldt aufgebracht mit dem vierten Unparteiischen. Sehr zum Missfallen Armin Vehs: Er herrschte Heldt an und verwies ihn schließlich auf seinen Platz. Dieser setzte sich, sichtlich beleidigt, und schien fortan in sich hinein zu schmollen. Wie der Konflikt wohl ausgegangen sein mag? Vielleicht steht Veh noch jetzt in den Katakomben des Gottlieb-Daimler-Stadions und spricht durch die von innen verschlossene Tür: „Horst, ich bitte Dich! So mach doch auf!“







