Herthas chronisches Transferpech
Dieter Hoeneß, blinder Seher
Text: Alex Raack Bild: Imago

„Es ist schon lange her“, schreibt Italien-Korrespondentin Birgit Schönau in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung, „dass 70.000 Zuschauer in ein italienisches Stadion strömten, um das Debüt eines Spielers zu erleben.“ Die Rede ist von Alexandre Pato, dem 18-jährigen Wunderknaben vom AC Milan. Wieder so ein Über-Talent aus dem unerschöpflichen brasilianischen Spielerreservoir. 22 Millionen Euro hat der Mailänder Traditionsverein für den trickreichen Offensivspieler ausgegeben, auch für italienische Verhältnisse eine ganze Menge Holz.
Bei seinem sensationellen Debüt gegen den SSC Neapel am vergangenen Wochenende hat Pato zumindest einen Teil seiner Ablöse wieder eingespielt: Zwei Treffer und ein hervorragender Auftritt in der Serie A reichten den italienischen Medien, um Pato eine Woche lang mit Lobeshymnen zu überschütten. Im Land des Weltmeisters sind sie derzeit dankbar für jede positive Ablenkung vom innerlich zerrissenen Calcio.
Nun ist es gerade einmal eineinhalb Jahre her, da wurde dem findigen Hertha-Manager Dieter Hoeness der 16-jährige Pato für 3,5 Millionen Euro angeboten. Doch der Berliner Macher musste ablehnen, „wir hatten damals nicht mal eine Million.“ Bitter für den Verein, der in der Vergangenheit schon öfter viel Geld für wenig erfolgreiche Fußballer aus dem Land des Zuckerhuts ausgegeben hat. Ob Alex Alves oder Luizao, sie alle können im Nachhinein plump als Griff ins Klo bezeichnet werden.
Ein Wicht mit fünffacher Wertsteigerung
Nun bleiben Fragen offen, ob es nicht doch sinnvoll gewesen wäre, die nötige Summe für Pato zusammen zu kratzen, selbst mit dem Risiko der Überfinanzierung. Schließlich gilt der junge Brasilianer schon als der neue Maradona, in Brasilien sind sie ganz vernarrt in den abschlussstarken Youngster. Doch: Neue Maradonas gab es schon viele, die meisten blieben nach wenigen Monaten auf der Strecke. Außerdem hätte Hoeness nun beim besten Willen nicht ahnen können, dass der 16-jährige Wicht, der ihm damals angeboten wurde, knapp 20 Monate später mehr als fünffache Wert sein würde. Aus ökonomischer Sicht hat der Berliner Manager alles richtig gemacht, ihm ist zur Abwechslung einmal nichts vorzuwerfen.
Einige Jahre ist es her, da hatte Hoeness ein ähnliches Transferangebot auf dem Tisch liegen: Ein gewisser Ronaldinho hatte unzählige brasilianische Verteidiger mit Knöchelverrenkungen ins Hospiz gedribbelt.
Doch Hoeness wusste es besser: Er entschied sich zielsicher für Marcelinho. Der kickt jetzt in Wolfsburg, nicht in Barcelona.
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Autor Alex Raack betreibt den Blog mit den besten Laktatwerten Deutschlands: 3eckeneinelfer.de www.3eckeneinelfer.de .
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