Warum die Liga Angst vor Lothar Matthäus hat
Verdammt in alle Ewigkeit?
Text: Tim Jürgens und Philipp Köster Bild: Imago
Auch mit 50 hat er noch keinen deutschen Spitzenverein. Er, der Weltfußballer, der Rekordnationalspieler. Niemand will Lothar Matthäus. Warum nur? Schon 2007 begaben wir uns auf Spurensuche.
Lothar Matthäus sitzt im Hotel Kempinski in Budapest, und im Minutentakt klingelt das Telefon. Oliver Kreuzer, der Manager von Red Bull Salzburg ist dran. Lothar vertröstet ihn auf den Nachmittag, weil er dann frei sprechen kann. »Sportbild«-Chefredakteur Pit Gottschalk ruft durch, kurz darauf auch der ehemalige Manager des »Stanglwirt«, Reinhard Stocker. Er will sich mit Matthäus mal in aller Ruhe treffen, mit Gottschalk trifft sich der Ex-Profi ohnehin am Montag auf der »Sportbild«-Party. Kommenden Samstag ist Matthäus als Experte für den Fernsehsender Premiere unterwegs, am letzten Sonntag saß er im DSF-»Doppelpass«.
Lothar Matthäus hat viel zu tun. Lothar Matthäus hat derzeit keinen Job.
Auch nach der Karriere hat der Rekordnationalspieler keinen Gang zurückgeschaltet. Sein Terminplan quillt über: Ein kleiner Deal auf dem Balkan, eine Spielbeobachtung in Israel, ein bisschen Socializen in der VIP-Etage eines Bundesligisten, ein informelles Telefonat mit einem Vertrauten beim FC Bayern. Matthäus ist immer auf Empfang. Er sagt: »Ich weiß genau, was bei Bayern läuft, wie’s dem Podolski geht, dem Schweini.« Lothar Matthäus ist auch nach der Spielerkarriere das geblieben, was er auf dem Platz schon war: Ein unermüdlicher Hans Dampf in allen Gassen.
Im Juli ist der 46-Jährige mal wieder entlassen worden. Diesmal als Co-Trainer bei Red Bull Salzburg, dem Klub des Brausemillionärs Dietrich Mateschitz. »Unterschiedliche Auffassungen« wurden als Grund für den Rausschmiss genannt, was noch eine höfliche Formulierung für die Differenzen zwischen Matthäus und Chef-Trainer Giovanni Trapattoni war, dessen Taktik er mehr als einmal öffentlich angeprangert hat. Am Ende hatten sie sich nicht mehr viel zu sagen, zu häufig hatte Matthäus – wie es nun einmal seine Art ist – mehr »Freigeist und Spektakel« im Salzburger Spiel gefordert. Außerdem deutete er immer öfter an, über kurz oder lang doch lieber als Cheftrainer arbeiten zu wollen: »Es gibt Rollen, die mir besser liegen.« Am Ende stand Matthäus fast häufiger in der Zeitung als Trapattoni, das konnte so nicht weitergehen. Machtmensch Mateschitz, ein Verehrer des italienischen Feingeistes, ließ schließlich den Weltmeister aus Herzogenaurach wie einen ungezogenen Schulbub in seinem Büro antanzen – und übergab Matthäus seine Papiere.
Der Job in Salzburg war bereits das sechste Engagement in fünf Jahren. Fünf vergebliche Jahre bei dem Versuch, nach einer erfolgreichen Profikarriere auch zu einem Trainer von Weltformat zu werden. Lange hat er es bislang nirgendwo ausgehalten. Zwei Jahre als Nationaltrainer blieb er in Ungarn, ansonsten demissionierte er stets nach spätestens einem Jahr, bei Rapid Wien und bei Partizan Belgrad, beim brasilianischen Klub Atlético Paranaense war schon nach einem Monat Schluss.
Dann kam der Job bei Red Bull Salzburg. Dort sollte Matthäus eigentlich Cheftrainer werden, Franz Beckenbauer hatte den Deal eingefädelt. Doch wenige Tage nach Unterzeichnung des Vertrages wurde plötzlich Trapattoni verpflichtet und Matthäus vor die Nase gesetzt. Beckenbauer rief etwas schlechtgewissig bei seinem Zögling an: »Das war so nicht geplant.« Matthäus wurde beschwichtigt, Trapattoni werde nur eine Art Supervisor spielen. Stattdessen aber durfte der Deutsche nur hin und wieder eine Trainingseinheit leiten.
Aus Heft #70 09 / 2007
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