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21.03.2011

Warum die Liga Angst vor Lothar Matthäus hat

Verdammt in alle Ewigkeit?

Text: Tim Jürgens und Philipp Köster  Bild: Imago

Auch mit 50 hat er noch keinen deutschen Spitzenverein. Er, der Weltfußballer, der Rekordnationalspieler. Niemand will Lothar Matthäus. Warum nur? Schon 2007 begaben wir uns auf Spurensuche.

Warum die Liga Angst vor Lothar Matthäus hat - Verdammt in alle Ewigkeit?


Lothar Matthäus sitzt im Hotel Kempinski in Budapest, und im Minutentakt klingelt das Telefon. Oliver Kreuzer, der Manager von Red Bull Salzburg ist dran. Lothar vertröstet ihn auf den Nachmittag, weil er dann frei sprechen kann. »Sportbild«-Chefredakteur Pit Gottschalk ruft durch, kurz darauf auch der ehemalige Manager des »Stanglwirt«, Reinhard Stocker. Er will sich mit Matthäus mal in aller Ruhe treffen, mit Gottschalk trifft sich der Ex-Profi ohnehin am Montag auf der »Sportbild«-Party. Kommenden Samstag ist Matthäus als Experte für den Fernsehsender Premiere unterwegs, am letzten Sonntag saß er im DSF-»Doppelpass«.

Lothar Matthäus hat viel zu tun. Lothar Matthäus hat derzeit keinen Job.



Auch nach der Karriere hat der Rekordnationalspieler keinen Gang zurückgeschaltet. Sein Terminplan quillt über: Ein kleiner Deal auf dem Balkan, eine Spielbeobachtung in Israel, ein bisschen Socializen in der VIP-Etage eines Bundesligisten, ein informelles Telefonat mit einem Vertrauten beim FC Bayern. Matthäus ist immer auf Empfang. Er sagt: »Ich weiß genau, was bei Bayern läuft, wie’s dem Podolski geht, dem Schweini.« Lothar Matthäus ist auch nach der Spielerkarriere das geblieben, was er auf dem Platz schon war: Ein unermüdlicher Hans Dampf in allen Gassen.

Im Juli ist der 46-Jährige mal wieder entlassen worden. Diesmal als Co-Trainer bei Red Bull Salzburg, dem Klub des Brausemillionärs Dietrich Mateschitz. »Unterschiedliche Auffassungen« wurden als Grund für den Rausschmiss genannt, was noch eine höfliche Formulierung für die Differenzen zwischen Matthäus und Chef-Trainer Giovanni Trapattoni war, dessen Taktik er mehr als einmal öffentlich angeprangert hat. Am Ende hatten sie sich nicht mehr viel zu sagen, zu häufig hatte Matthäus – wie es nun einmal seine Art ist – mehr »Freigeist und Spektakel« im Salzburger Spiel gefordert. Außerdem deutete er immer öfter an, über kurz oder lang doch lieber als Cheftrainer arbeiten zu wollen: »Es gibt Rollen, die mir besser liegen.« Am Ende stand Matthäus fast häufiger in der Zeitung als Trapattoni, das konnte so nicht weitergehen. Machtmensch Mateschitz, ein Verehrer des italienischen Feingeistes, ließ schließlich den Weltmeister aus Herzogenaurach wie einen ungezogenen Schulbub in seinem Büro antanzen – und übergab Matthäus seine Papiere.

Der Job in Salzburg war bereits das sechste Engagement in fünf Jahren. Fünf vergebliche Jahre bei dem Versuch, nach einer erfolgreichen Profikarriere auch zu einem Trainer von Weltformat zu werden. Lange hat er es bislang nirgendwo ausgehalten. Zwei Jahre als Nationaltrainer blieb er in Ungarn, ansonsten demissionierte er stets nach spätestens einem Jahr, bei Rapid Wien und bei Partizan Belgrad, beim brasilianischen Klub Atlético Paranaense war schon nach einem Monat Schluss.

Dann kam der Job bei Red Bull Salzburg. Dort sollte Matthäus eigentlich Cheftrainer werden, Franz Beckenbauer hatte den Deal eingefädelt. Doch wenige Tage nach Unterzeichnung des Vertrages wurde plötzlich Trapattoni verpflichtet und Matthäus vor die Nase gesetzt. Beckenbauer rief etwas schlechtgewissig bei seinem Zögling an: »Das war so nicht geplant.« Matthäus wurde beschwichtigt, Trapattoni werde nur eine Art Supervisor spielen. Stattdessen aber durfte der Deutsche nur hin und wieder eine Trainingseinheit leiten.



Aus Heft #70 09 / 2007


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Kommentare

  • User
  • 16.06.2009 14:34:02 Tzaduk

    In der Tat: Ich kenne LM nur als Luftbuchung. Dabei war der uff'm Platz tatsächlich ne Wucht. Aber alles, was danach kam?... Bildzeitungsniveau. Daher danke für diese dezidierte Betrachtung des Herrn Matthäus, das hat ihn in meinen Augen ein bißchen rehabilitiert. Am Ende taugt der sogar was als Trainer?!... Naja, nicht übertreiben... :-)

  • User
  • 16.06.2009 14:51:47 Donaldo

    Das war jetzt mal ein geiler Artikel, wirklich. Ich persönlich halte LM, mag er als Mensch sein, wie er ist, für einen inzwischen ernstzunehmenden Trainer. Gut, in Wien hat er wie die meisten Trainerneulinge auch, Fehler gemacht, aber mit dieser Belgrader Truppe die CL zu spielen, oder mit einer ungarischen B-Elf auswärts der damaligen deutschen Bestbesetzung in den Allerwertesten zu treten…das schaffste als reiner Schiffschaukelbremser nun auch nicht.
    Ich hab’ leicht reden, bin ja kein BuLi-Präsident, aber ich würde LM gerne als Trainer erleben.

    Besser als Klinsmann ist er allemal.

    Oder?

  • User
  • 16.06.2009 15:38:00 GTEvo

    Ja!

  • User
  • 16.06.2009 15:56:37 bavariano

    Lothra Matthäus weiss alles, kann alles, macht alles. So denkt er in völliger Fehleinschätzung von sich selbst. So unfähig er zu Bindungen ist - vierte Ehe in Sicht, die gescheitert ist, bevor sie geschlossen ist - kaum noch alte Freunde, die an seiner Seite sind und denen er einiges verdankt (siehe Beispiel Ruiner), so unfähig ist er auch zu sportlicher Konsequenz und Bindung. Nirgendwo wesentlich länger als ein Jahr beschäftigt, die Begründungen mögen ausfallen wie sie wollen, münden letztlich aber immer in die gleiche Feststellung: die Anderen waren oder sind schuld. Hätte er Geduld gehabt, wäre er Trappatonis Nachfolger geworden. Spätestens seit diesem Zeitpunkt weiss man: Loyalität ist für ihn ein fremdes Wort, was er auch durch seine Klage gegen die wahrlich nicht kleinlichen Bayern bewiesen hat. Das ist das Problem, das jeder mit LM hat, der mit ihm was vor hat.

  • User
  • 16.06.2009 17:35:36 Mr Bojangles

    Loddar würde ich höchstens als Turnbeutelträger einstellen... Aber sicher ist er noch besser als Backwaren-Paule aus Amerika.

  • User
  • 16.06.2009 21:22:53 bobby171

    HmHm, man macht sie ja ohne Risiko über ihn lustig, und er gibt genug Anlaß dazu. Aber charakterlich fällt er doch nicht stark ab gegenüber Daum & Jol. Skibbe, Labbadia und wie sie alle heißen sind mindestens die gleiche Kategorie Dummschwätzer und die finden alle ständig einen Job. Am fußballerischen knowhow fehlt es LM nicht, da herrscht ja sicher Einigkeit. Ich finde, es wäre einen Versuch wert, wenn es scheitert, wird es aber zumindest interessant werden ;-)

  • User
  • 17.06.2009 15:43:18 MarcRamone

    Matthäus sollte ruhig mal als Trainer in die Bundesliga kommen. Ich mochte seine Art früher nie, aber er hat sich etwas verändert. Und in gewisser Weise ist er bewundernswert. Wenn man heute in TV Interviews ihn mal genauer anschaut, stellt man immer noch dieses irre Feuer, diesen Glanz, Willen und Kraft in seinen Augen fest. Der pure Wahnsinn und ich glaube, wenn er beispielsweise bei einem BuLi Verein aus dem Mittelfeld oder unterer Tabellenregion anfängt, dass die ganz schön spurten werden. Der ist eine absolute Respektperson, hat selbst die größten Trainer gehabt und kann unter den verrücktesten Umständne trainieren, wie seine letzten Stationen zeigen.

    Nur diplomatisch handeln bzw. reden kann er nicht. Das ist sein Problem oder davor haben die anderen (Vereine) Angst. Aber letzendlich ist es die Angst vor der (direkten) Wahrheit (oder Meinung von ihm) und seiner Dominanz.

    Lets start the experiment!

  • User
  • 18.06.2009 21:24:17 wojcicki

    Mit welcher Selbstverständlichkeit sich sonst eher gemäßigte Vereinsobere offen gegen Matthäus aussprechen, ist schon beachtlich. Der zieht ja auch den Medienmob an, vorneweg seine Spezies von der BILD, wie Scheiße die Fliegen. Eben grad ConfedCup auf DSF gucken wollen, was siehste ..: Lothar mit seinem wandelnden Brustimplantat beim Kamelefüttern in Dubai. Ein zum Himmel schreiender Darstellungsdrang. Und dieses ewige Nachkarten. Das will sich wohl freiwillig zur Zeit keiner antun. Ich bleib dabei, der ist in einem allgemein stabilen Vereinsgefüge als nicht gebrauchsfähig zu betrachten. Aber interessant wäre es allemal ...

  • User
  • 19.06.2009 04:42:54 El Buitre

    Du machst einen Fehler, den ich dir nicht verzeihe, werter Pole: Du wertest das Außenbild bzw. das durch Dritte veröffentlichende Bild eines Fußballlehrers mit seiner Leistungsfähigkeit ab. Ob er nun für diese Bilder verantwortlich ist oder einfach zu blöd ist damit umzugehen, es sagt, meiner Meinung nach, nichts über sein Können als Trainer aus. So sehe ich das.
    Mit Medien umzugehen ist heutzutage sehr schwierig geworden, es ist im Auge der schnell wechselnden Tendenz, der schnelllebigen und dem immerzu Schlagzeilen getriebenem Boulevard geradezu unmöglich einen allgemein ansprechenden Ruf zu bilden. Wie schnell schlägt heutzutage die Welle ein, wenn die Ergebnisse fehlen?

  • User
  • 19.06.2009 08:55:20 wojcicki

    El, nun laß uns wieder lieb haben, verzeih mir doch!
    Obwohl ich durchaus damit sympathisiere, daß sich Lothar bei seinen Stationen wie in Israel auch weniger bekannten Herausforderungen stellt, habe ich seine trainerischen Fähigkeiten nicht bewertet, da ich mir darüber kein Urteil bilden kann. Für seine image- und meinungsbildende Außendarstellung ist er aber schon selbst verantwortlich, sowas kann kein Verein gebrauchen. Wenn er das nicht geregelt kriegt oder mit Brunos Presseberater zusammenarbeiten will, gilt Dieter Nuhrs Motto: Einfach mal die Fresse halten!

  • User
  • 20.06.2009 18:40:53 El Buitre

    Nun, wennde dieses Maßstab ansetzen willst, bitteschön. Aber da wirste dich wohl über fast jeden Kicker aufregen können, die entweder gar keine Meinung haben oder sich aus ersichtlichen Gründen nicht trauen, diese öffentlich zu äußern.
    Ich versteh nur nicht, warum sich so viele an einem LM austoben wollen. Der tut doch letztlich keinem was. Das sieht mit Flachpfeifen ala Jogi Löw, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und co. ganz anders aus.

  • User
  • 04.12.2010 01:39:26 Rafael Thunderfart

    Pflippen sagt bis heute: »Der größte Fehler seiner Karriere. Lothar hätte bei Inter immer gespielt.«

    Na...

    Im Sommer 1992 fällte die UEFA eine Entscheidung, die in mancher Hinsicht die Bosman-Regelung vorwegnahm: Vereine durften weiterhin nicht mehr als 3 Ausländer pro Spiel einsetzen, aber sie durften von da an doppelt so viele unter Vertrag haben.
    Diese Regelung war unter dem Einfluß der üblichen Verdächtigen zustandegekommen. Schon an der Durchsetzung des Champions League-Formats hatten Berlusconi und Tapie großen Anteil gehabt.

    Ein halbes Jahr nach Beginn der Spielzeit 1992/93 war der charismatische Gullit, der bei Milan einen ähnlichen Status gehabt hatte wie Matthäus bei Inter, zur Randfigur geworden.
    Den Van Basten haben sie, nachdem er sich verletzt hatte, noch anderthalb Jahre mit durchgeschleppt - weil er nicht spielte. Die anderen Beiden, Gullit und Rijkaard, wurden 1993 abgeschoben. Capello wollte sein defensives Konzept durchsetzen, und dabei standen ihm die Holländer im Weg. Um seine Vorstellungen durchzusetzen, hat Capello die Denkmäler seines Vorgängers geschleift. Beide hatten am Gewinn der Meisterschaft 1991/92 großen Anteil gehabt, und in eine Formkrise war keiner von beiden geraten. Sie mußten gehen, weil sie den Offensivfußball der Ära Sacchi ikonisch verkörperten.

    Genauso wie Gullit und Rijkaard wäre es Matthäus ergangen, wenn er nicht selber die Segel gestrichen hätte. Inter hatte 91/92 eine schwere Krise zu bestehen. Als im Sommer `92 der Spanier Luis Suarez das Kommando übernahm, forderte er in der allerersten Pressekonferenz: "Die 3 Deutschen müssen weg".

    Solche Personalpolitik ist im Fußball gang und gäbe. Manche großen Trainer sind notorisch dafür, sich bei jedem Club, den sie übernehmen, erst einmal mit den Superstars zu überwerfen. Weisweiler hat in Gladbach Netzer demontiert, in Köln Overath, und kaum in Barcelona, legte er sich mit dem großen Cruyff an, dessen Hausmacht er freilich unterschätzt hatte; und so mußte, statt Cruyff, Weisweiler seine Koffer packen.

    Also: Lothar hätte bei Inter NICHT "immer gespielt".
    Wenn das einer weiß, dann ein Spielerberater.

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