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Holger Stanislawski im Interview

„Sehr, sehr viele Modefans“

Interview: Tim Jürgens  Bild: Imago

„Sehr, sehr viele Modefans“

Holger Stanislawski, was macht für Sie den Mythos St. Pauli aus?

Es ist ein über Jahre gewachsenes System aus Menschen, dem Umfeld, dem Stadtteil und dem Fußball, der hier gespielt wird. Das lässt sich nicht in einem Satz erklären. Um den Mythos wirklich aufzusaugen, muss man über Jahre hinweg miterleben, was hier abläuft. Es reicht nicht, nur einmal am Millerntor gewesen zu sein.



Hat sich in den letzten Jahren in St. Pauli etwas verändert?

Für mich gab es einen Einschnitt, als wir 2001 das letzte Mal in die Bundesliga aufstiegen. Wir hatten vorher einen harten Kern von 12-15.000 Zuschauern, die immer kamen, auch in schlechten Zeiten. Als wir aufstiegen, kamen dann sehr, sehr viele Modefans dazu, die sich damit schmückten, eine Dauerkarte zu besitzen.

Woran merkt man so was als Aktiver auf dem Platz?


An der Stimmung und an den Gesichtern auf den Rängen. Andererseits muss sich ein Verein aber auch permanent verändern, denn Stillstand ist Rückschritt.

Inwieweit ist der FC St. Pauli auf seine gewachsene Fanstruktur angewiesen?

Wir leben von den Fans, denn sie sind es, die den Klub zu etwas Außergewöhnlichem machen. Wir sind ein Stadtteilverein und leben mit unseren Anhängern hier. In München oder beim HSV liegt das Stadion außerhalb des Einzugsbereichs. Aber unsere Nähe von Stadion zum Stadtteil, sorgt für eine enge Verbundenheit und ein Engagement der Fans, das es in Deutschland sonst fast gar nicht mehr gibt.

1985 formierte sich auf der Gegengerade ein Block mit Autonomen, die auch linkes politisches Bewusstsein ins Stadion trugen. Haben Sie als Hamburger, bevor Sie 1993 ans Millerntor wechselten, bereits mitbekommen, welcher Geist hier vorherrscht?


Zu der Zeit hab ich mich damit gar nicht beschäftigt, da ich damals noch beim HSV spielte.

Haben Sie nach Ihrem Wechsel zu St. Pauli eine Art Einweisung in die politische Kultur des Stadtteils bekommen, der bis heute in der Mehrheit grün wählt?

Joachim Philipkowski hat mich damals an die Hand genommen. Und dass es hier anders war, als bei anderen Klubs war unübersehbar. Mit 30 Fußballern zusammen zogen wir uns in einer kleinen Turnhallen-Kabine um. Die Nähe zu den Fans war sehr unmittelbar, weil wir uns permanent im Klubheim und bei Fanveranstaltungen über den Weg liefen.

Wie war Ihr erster Eindruck?


Sehr positiv, auch wenn ich mir politisch nie so viele Gedanken gemacht habe. Aber man braucht einige Zeit, um wirklich zu verstehen, wo man sich hier befindet. Für mich ist dieser Prozess bis heute nicht abgeschlossen. Ich lerne auch nach 14 Jahren noch immer neue Dinge dazu, z.B. wenn wir mit dem Team unseren jährlichen Stadtteilrundgang machen oder bei Gesprächen mit Fangruppen. Deswegen nervt es mich regelrecht, wenn Leute nach drei Wochen, die sie hier sind, sagen: „Das ist der tollste Verein.“



Ergänzung zu Heft #74 01 / 2008


weiterlesen [1] [2] [3]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: FC St. Pauli



Kommentare

  • User
  • 19.12.2007 16:50:57 DidiBremen

    Es macht Spaß, im modernen Fussball auch mal ein Interview zu lesen, mit jemanndem, der nicht nur an Gewinnmaximierung denkt, sondern sich auch über die Fans und sein Umfeld zumindest Gedanken macht. Weiter so Stani!

  • User
  • 19.12.2007 21:50:15 FCColonia

    seh ich auch so.
    Aber Stani kann trotzdem noch froh über die FanKultur rund um das Millerntor sein.
    Schaut doch mal die ganzen Retorten Clubs wie Hoppenheim, Wolfsburg usw an. Da wirds mir als Fan so richtig schlecht.

  • User
  • 20.12.2007 11:22:42 El Buitre

    Als Fan von Köln?

  • User
  • 16.03.2010 23:47:45 Catilina

    politische Kultur des Stadtteils bekommen, der bis heute in der Mehrheit grün wählt?

    Haha, so toll scheint es um die Bewußtseinsbildung des Viertels ja nicht bestellt zu sein. Dafür gibt es 2 mögliche Erklärungen: Entweder die Leute sind schlicht zu doof, um zu merken, daß die Grünen seit den Tagen Petra Kelly eine ganz andere Partei geworden sind, oder aber es verhält sich so, daß aus den Radikalinskis der 80er Jahre inzwischen laue linksliberale Bionade-Bourgeoisie geworden ist. Der Begriff "politische Kultur", eine typische Ausgeburt der bundesdeutschen linksliberalen Staatsintelligentsija (Habermas), läßt jedenfalls Schlimmes ahnen. Unter echten, hartgesottenen Revoluzzern der alten Schule haben Begriffe wie dieser bestenfalls Heiterkeit ausgelöst.
    Aber so ist der Lauf: politische Kultur, Eßkultur, Wohnkultur - das alles tritt in den Vordergrund, wenn die Streetfighter von einst die Besoldungsstufe A 13 (z.B. Studienrat) erreicht haben.

  • User
  • 17.03.2010 05:07:13 saloth sar

    da scheint einer vom stadtteil st. pauli wirklich ahnung zu haben. DANKE!

  • User
  • 17.03.2010 07:45:13 AntiMöller

    BITTE! (irgendwann musser ja mal heiser werden, der Saloth).

    Schöner, mir aus der Seele sprechender Beitrag vom Caitilina! Bionade-Bougeoisie: herrlich!!

  • User
  • 17.03.2010 07:47:35 saloth sar

    Schöner, mir aus der Seele sprechender Beitrag vom Caitilina! Bionade-Bougeoisie: herrlich!!

    nur leider voellig an der realitaet vorbei!

  • User
  • 17.03.2010 07:51:40 saloth sar

    ach ja, erzaehl mir mehr von deinem hirnscheiss, TROTTEL!

    oder verwechselt da jemand st. pauli mit der schanze? macht nix, deine bloedheit haste ja ausfuehrlich unter beweis gestellt

  • User
  • 17.03.2010 07:53:44 AntiMöller

    Sorry, aber hier bist DU in der Bringschuld.

    (erster Stecher!)

  • User
  • 17.03.2010 07:55:23 AntiMöller

    Im Ernst: ich war Dauergast in den frühen 90ern dort und da ging es schon los, mit dem ganzen Mode-Gedöns. (Oder weshalb war ich wohl dort?)

  • User
  • 17.03.2010 07:56:42 saloth sar

    in was fuer ne bringschuld? und sorry, du hast dich dermassen disqualifiziert, es waere besser du wuerdest dir ne ecke suchen und ...

  • User
  • 17.03.2010 08:04:48 AntiMöller

    Ich unterstütze Caitilinas Text, weil ich das genauso erfahren habe. Und das schon vor langer Zeit. Dein Gebrülle ist nicht erhellend, deshalb Bringschuld.

  • User
  • 17.03.2010 08:07:08 saloth sar

    was catalina so schreibt, mag wunderbar auf die schanze passen, auf st. pauli sieht's halt ein bisschen anderst aus. schrieb ich aber auch schon, scheint aber in dein kleines scheisser hirn nicht reinzugehen!
    geh einfach wieder! such nen anderes forum, wo du deine scheissthesen loswerden kannst!

  • User
  • 17.03.2010 08:18:35 AntiMöller

    Ja, aber wer unterhält Dich dann?

    In tiefer Sorge

  • User
  • 17.03.2010 08:21:30 saloth sar

    du unterhaelst mich nicht, du bist abschaum und ich wuerde es begruessen wenn du dich hier nicht mehr blicken lassen wuerdest!

  • User
  • 17.03.2010 08:32:10 AntiMöller

    Meine Mama hat mir aber gerade versichert, ich sei kein Abschaum. Wem soll ich jetzt glauben? Meiner Mama? Oder meiner MUDDA?

  • User
  • 17.03.2010 08:55:37 unionchemiker

    schlitzauge, du krabbelst seit jahren im busch und willst wissen, wie es auf st.pauli aussieht? alder, wilhelmsaven war 4h luftweg entfernt und für ein ticket hat dir immer das geld gefehlt....

  • User
  • 17.03.2010 08:57:13 saloth sar

    ich wollte nie nach wilhemshaven. und ich war auch hin und wieder in hamburg, seitdem ich in den busch gezogen bin. und habe auch dazu noch kontakte zu menschen die dort wohnen, osthonk

  • User
  • 17.03.2010 09:01:34 unionchemiker

    die können dir viel erzählen...ich schwindel dich doch auch immer voll. nun, ich bin nach ostern in hamburg, geh ich mal auf erkundungstour....

  • User
  • 17.03.2010 09:03:18 saloth sar

    mach ditte!
    du schwindelst mich voll? waere mir neu

  • User
  • 17.03.2010 15:00:28 Catilina

    Seid doch nicht so grob zueinander !

  • User
  • 17.03.2010 17:08:45 Catilina

    Übrigens hab ich nicht behauptet, intimer Kenner des Umfeldes zu sein. Ich hab mich lediglich auf den Passus des Interviews bezogen, in dem es heißt, daß im Stadtteil "noch immer" mehrheitlich grün gewählt werde. Das würde, wenn es stimmte, für die Vermutung sprechen, daß aus dem Viertel eine Hochburg des "moralischen Mittelstands" geworden ist.

    Ganz neu ist die Tendenz nun freilich nicht. Seitdem die erste Generation bundesdeutscher Revoluzzer sich in hippe Schickeria verwandelte, sind mittlerweile 30 Jahre vergangen. Im Bereich der Medien schlug sich diese Entwicklung in dem Erscheinen der von Enzensberger/Salvatore herausgegebenen Zeitschrift Transatlantik nieder, deren Zielgruppe Hans-Magnus Enzensberger mit den Worten charakterisierte, daß sie in Delikatessenläden genauso zuhause sei wie in Buchhandlungen, und nicht irgendeinen Wagen führe, sondern einen ganz bestimmten (=Alfa Romeo); nur daß Enzensberger und Salvatore für ihr Zeitschriftenprojekt*, das in Stil und layout dem New Yorker abgekupfert war, von den Vertretern der reinen Lehre noch ordentlich Schläge bezogen. Trotzdem hatte Enzensberger den richtigen Riecher für eine Entwicklung, die eigentlich erst in der zweiten Hälfte der 80er so richtig in Gang kommen sollte. 1980 jedoch rückten an die Stelle jedes Alt-68ers, der sich in einen "Latte Macchiato liberal" verwandelte, 5 Jüngere nach, die dafür sorgten, daß Politik mehr war als Feuilleton.

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