Ein Lothar Matthäus pirscht sich an
Alte Liebe rostet kaum
Text: Andreas Bock Bild: Imago

Lothar Matthäus hüpft wieder. Und er winkt. Doch nicht um sich bemerkbar zu machen – wir erinnern uns: „Ich dränge mich nicht auf“, verriet der Rekordnationalspieler unlängst den Kollegen Tim Jürgens und Philipp Köster –, nein, Lothar ist einfach gut drauf. Er ist im Gespräch, dort, wo er immer sein wollte. Ganz plötzlich und unerwartet. Und da stört es ihn auch nicht weiter, dass Uli Hoeneß seinen Namen nur in einem Zwischen-Tür-und-Angel-Satz erwähnte: Man beschäftige sich beim FC Bayern mit dem Thema Matthäus, nuschelte der Bayern-Manager. Doch Halbsatz hin oder her, de facto scheint sich die Tür an der Säbener Straße für Lothar Matthäus endlich zu öffnen. Auch wenn bislang nur der kleine Finger durch den Spalt passt.
Matthäus ist’s egal, jauchzend versucht er seine ganze Hand hindurchzuquetschen. Zu bitter sind ihm die zähen Zeiten der Anbiederung in Erinnerung, jene Tage, an denen Lothar als verkleideter Trainingskiebitz hinter dem Zaun am Trainingsgelände umher schlich und später nicht mal in den VIP-Bereich des P1 geladen wurde. Jetzt soll’s schnell gehen, er ist so weit wie noch nie zuvor – immerhin krabbelt er bereits durch das Vorzimmer des FCB, linst auf die massive Tür von Uli Hoeneß und ruft in die Welt: „Ein Angebot der Bayern kann man nicht ablehnen. Bayern ist was Besonderes, wie die Nummer 10 bei Brasilien.“
Doch: Gemach, Gemach, bloß nichts überstürzen! Ist dem Braten wirklich zu trauen? Bis dato waren sie sich spinnefeind, der Lothar und der Uli. Nicht allzu lang ist es her, da polterte der Manager des FC Bayern noch: „Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird er nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion.“ Und nun sollen sie beste Freunde sein?
Sie wissen, was er letzten Sommer getan hat
So weit würde selbst Matthäus nicht denken, doch das Verhältnis sei inzwischen „sehr gut“, sagt er. Bei den Bayern wisse man, „was ich in den letzten Jahren gemacht habe“. Richtig, das wissen sie, doch genau das war in der Vergangenheit sein Verhängnis: Geschasst als Salzburger Trainer-Sidekick, gefühlte zehn Minuten beim brasilianischen Erstligisten Atlético Paranaense an der Linie, inklusive 30-tägiger Sperre wegen Schiedsrichterbeleidigung. Dazwischen ein Engagement als Coach der RTL2-Mannschaft „Borussia Banana“ – es gibt bessere Referenzen.
So war es stets verständlich, dass die Fans verschiedener deutscher Fußballvereine auf die Barrikaden gingen und drohten, sich in der Vereinsbettwäsche zu erdrosseln, sobald nur der Name Lothar Matthäus im Regionalanzeiger auftauchte. „Verdammt in alle Ewigkeit?“, fragte ein Magazin für Fußball-Kultur zuletzt. Es schien ganz so.
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