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Stimmung in München immer schlechter

Warten auf die Blaskapelle

Text: Fabian Jonas  Bild: Imago

Warten auf die Blaskapelle

Es hätte ein entspannter Abend werden können bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern auf dem Münchner Nockerberg. Der Verein präsentierte wie immer glänzende Zahlen: neuer Rekordumsatz, neuer Rekordgewinn, neuer Rekord im Merchandising. Freilich, die zuletzt getätigten (Rekord-) Investitionen für die runderneuerte Mannschaft waren in den Zahlen noch nicht enthalten, Sorgen machen muss man sich um den Rekordmeister dennoch auch in Zukunft nicht. Zumindest nicht in finanzieller Hinsicht.

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Anders sieht es da schon im Bereich der Fanbetreuung und –kultur aus, denn nachdem zwei Vereinsmitglieder Kritik an der mauen Stimmung in der neuen Arena geäußert hatten, bekam Uli Hoeneß einen Wutanfall, wie man ihn selbst bei ihm noch nicht oft gesehen hat.

Der Grund hierfür: Hoeneß und Karl Heinz Rummenigge waren von einem Anhänger, der zu Beginn seiner Ausführungen laut überlegte, ob er denn noch Fan oder schon Gast oder Kunde sei, „derbleckt“ worden. Diese Form des bayrischen Kabaretts hat in München eine lange Tradition, insbesondere am Nockerberg, wo es für Politiker schon beinahe als Schmach gilt, beim traditionellen Starkbieranstich nicht öffentlich durch den Kakao gezogen zu werden.

Man sei ja schließlich befreundet


Die Repliken von Hoeneß und Rummenigge waren auch deswegen umso erstaunlicher, als Rummenigge zuvor noch ausdrücklich die bayrische Streitkultur gelobt hatte, wenn auch in einem anderen Kontext: nämlich als es um die jüngste Kritik an Trainer Ottmar Hitzfeld gegangen war. Alles nicht so tragisch und schon wieder vergessen. Man sei ja schließlich befreundet.

Dabei hatten zwei Fans des Vereins nur zur Sprache gebracht, was unter den Fans bundesweit schon längst bekannt ist: dass es mit der Stimmung in der Allianz Arena nicht gerade zum Besten bestellt sei. Sicherlich hatte es dabei einige süffisante Seitenhiebe auf die sogenannten VIPs gegeben, die die Logen des Stadions so gewinnbringend füllen. Allerdings hatten beide auch ausdrücklich betont, dass man um die Bedeutung dieser finanzkräftigen Klientel wisse und sich daran gewöhnt habe, dass mit einem Sektglas in der Hand eine La Ola-Welle nur schwierig zu bewerkstelligen sei. Dennoch gäbe es doch noch einige Punkte, die verbesserungswürdig seien. Vielleicht war es ein Fehler, nicht genauer zu erläutern, was gemeint war, dennoch sind die Hauptkritikpunkte schon lange bekannt.

Bereits seit der Eröffnung des Stadions bemühen sich die Fans, meist in Gestalt der fanklubübergeifenden Organisation Club Nr. 12, um eine Reihe von Veränderungen: so wird die Aufteilung der ehemaligen Südkurve des Olympiastadions in Nord- und Südkurve in der Arena in Fröttmaning kritisiert, weil man sich dadurch geschwächt fühlt. Dadurch gibt es in München auch keinen größeren Stehplatzbereich, der ausnahmslos Jahreskartenbesitzern vorbehalten wäre, wie es früher war und in den meisten anderen Stadien der Bundesliga bis heute praktiziert wird. Stattdessen werden auch für die Südkurve Tageskarten an Vereinsmitglieder verkauft, die nur einmal ein Spiel im neuen Stadion sehen wollen und die meisten Fangesänge nicht einmal kennen, geschweige denn mitsingen. Auch die Richtlinien bezüglich Fahnenstocklänge, Trommeln oder Megaphonen, die zu den strengsten der Liga gehören, sind vielen ein Dorn im Auge. Für Aufregung sorgte deswegen vor kurzem die Meldung, dass es den Anhängern des Lokalrivalen 1860 München in Zukunft gestattet sein soll, zumindest zwei große Blockfahnen auf der Tribüne zu schwenken, wohingegen dies den Bayernfans verwehrt bleibt. Die Liste ließe sich noch fortführen.


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1860 München, Bayern München



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Kommentare

  • User
  • 15.11.2007 01:55:31 fireshnake

    Unwahrscheinlich...unwahrscheinlich wie hochnaessig Hoeness und Rummenigge ihren Verein in der Oeffentlichkeit praesentieren. Ich bin keiner von den Schwarz/Weiss-Sehern, die alles an am FC Bayern M. schlecht finden. Aber ich bin immer wieder verdutzt ueber die ungeschickte und teils arrogant-praepotente Selbstgefaelligkeit der zwei Hauptverantwortlichen dieses Vereins. Ein Hoeness hat schon recht, wenn er einem Journalisten mal vorwirft, dass dieser auch einen grossen Anteil an der mit unter hoechstwahrscheinlich verzerrten Realitaetskonstruktion des Fans/der Oeffentlichkeit hat.  Das find ich gut und ist jedem einlaeuchtend, auch dem der nicht Noam Chomsky's Klassiker "Fabricating Consent" gelesen hat. Dazu braucht man nicht der Hellste sein, umzu verstehen, dass Stimmungen/Tendenzen und 'Politik' von den Schreibern gemacht wird.

    Aber mir kommts vor, als waeren die zwei sowas von kritikresistent
    , wie man das haeufig von Lothar Matthaeus her kennt. Man muss sich doch mal als Verantwortlicher fragen, welches ist mein Anteil an der Sache. Wie trage ich dazu bei, indirekt oder direkt, ungewollt bzw. unbewusst. Es ist einfach zu einfach die Schuld bzw. die Verantwortung immer nach Aussen abgeben zu wollen, in Bereiche 'fuer die man ja nichts kann, sondern die anderen'! Aber im selben Atemzug alle Lorbeeren dafuer einklaubt, dass man so und so viel fuer den Erfolg und die Vermarktung des deutschen Fussballs und den juengsten Erfolg des Vereins getan hat.

    Man hat immer Einfluss auf das aktuelle. Nicht immer bewusst, aber es gibt immer ungenutzte Resourcen um aus einem dysfunktionalen System, ein besser funktionierendes zu machen. (Ein kurzer Ausflug in moderne Systemische Organisationsberatung, sorry!) Ausserdem sollte doch solch erfahrenen Maennern wie Hoeness und Rummenigge mittlerweile klar sein, dass ueber abkanzeln und Messer-Wetzerei ueber kurz oder lang die Stimmung, egal wo, innerhalb der ganzen Liga,  der deutschen Nation oder des eigenen Stadions nicht besser wird.
    Aber nein, die Herren benehmen sich nach wie Graf von und zu Rotz.

    Dabei waere es so einfach, einfach mal wuerdigen was die eigenen Fans seit Jahren machen, einfach mal wuerdigen was Werder Bremen trotz kleinerem Stadion, unguenstigerer Infrastruktur und geringeren finanzielleren Mitteln geschafft hat. Einfach mal wuerdigen, dass ein Trainer und ein Team die erste Pflichtspielniederlage erst nach einem halben Jahr erlebt... UND DANN kann man noch immer ein bissl kritisieren, verbessern ect. Aber dass das immer so vermarktungsunguenstig nach Aussen getragen wird. Das erinnert halt nicht zuletzt deshalb auch an den juengst abgeschobenen ex-Ministerpraesidenten der Bayern, den Stoiber Eddi. Ders auch erst geschnallt hat, als ihm die Basis davon lief.

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