Die Geschichte der Fußballfans

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Christian Brausch im Interview

BVB-Boykott: „Es gibt nur Verlierer“

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

BVB-Boykott: „Es gibt nur Verlierer“

Herr Brausch, wer hat denn nun den Streit gewonnen?

Niemand. Diese ganze Aktion war von vornherein eine groteske Farce, sowohl der Boykott der Spielern als auch der von den Medien. Es gibt nur Verlierer. Der größte ist der Fan.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb, dass die Boykottaktion der BVB-Profis „unter dem Strich kein gutes Licht auf die gut- bis hochbezahlten Hauptdarsteller des Showgeschäfts Fußball-Bundesliga“ wirft. Die Fans sähen es angeblich genauso. Nun sieht die Realität etwas anders aus, so unterstützt etwa der User „mfoe“ im Forum der Online-Ausgabe der FAZ die Aktion der BVB-Spieler: „...jeder hat ein Recht darauf, Interviews zu verweigern. Wenn eine Menge von Spielern wie in Dortmund in einer sehr heiklen Situation steckt und deshalb für einen Zeitraum keine Interviews geben möchte, sollte man das gefälligst akzeptieren.“ Die Aussage steht stellvertretend für viele Beiträge in BVB-Fanforen. Die Fans können den Boykott der Spieler anscheinend besser nachvollziehen als den der Presse.




Die Fans haben die Perspektive der Spieler, sie haben die Fanbrille auf. Ich glaube nicht, dass solche Aussagen wirklich repräsentativ sind. Hätte man die BVB-Fans beim Boykott der Schalker nach ihrer Meinung gefragt, wären die Spieler sicherlich die Schuldigen gewesen und nicht die Journalisten.

Doch die Fans versuchen sich zumindest in die Lage der Spieler zu versetzen. Sie verstehen die Reaktion der BVB-Profis als emotionale und spontane Handlung: Die Spieler würden so Zusammenhalt demonstrieren. Dieser Argumentation folgend, ist der Boykott keine initiierte Kritik an den Medien gewesen.

Kein Spieler kann mir erzählen, er habe den Boykott mitgemacht, weil er sich auf seinen Beruf konzentrieren oder weil er die Gemeinschaft stärken wollte. Das ist doch ein Witz! Wenn ich Fußballprofi bin, dann bin ich eine Person der Öffentlichkeit, dann gehört es zu meiner Pflicht, mich nach dem Spiel zu äußern. Und ich brauche nicht der Gescheiteste sein, um zu wissen, wer die ganze Schose bezahlt. Das war einfach ein dummes Eigentor. Die Spieler müssen sich doch mal fragen, warum Premiere so hohe Preise für die Rechte bezahlt, warum sechs Reporter nach dem Spiel auf Interviews warten.

Aber es geht doch vornehmlich ums Spiel und nicht um die eine Minute Nonsens danach. Das Fernsehen käme ja auch, wenn sich niemand im Anschluss äußerte. Vielleicht wäre wirklich vielen geholfen, wenn wir dem Vorschlag von Manni Breuckmann im DSF-Doppelpass folgen würden und nach dem Spiel gänzlich auf Interviews verzichteten.

Es geht ja nicht nur um diese Minuten nach dem Spiel, es geht ja auch um die Berichterstattung unter der Woche, um Vorgeschichten, Nachberichte, Interviews, aber auch mal um Themen abseits des Spieltags. Das würde dann auch alles wegfallen. Es dreht sich ja nicht nur um die Frage: „Wieso lief es heute nicht gut?“

„Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen.“ Sicher, es geht nicht nur um diese Phrasen, doch aber vermehrt. Und man fragt sich mithin, ob der gemeine Fan nach 90 Minuten wirklich 30 Minuten „Expertentalk“ braucht, bevor er die Zusammenschnitte der anderen Spiele sieht.

Natürlich zählt in erster Linie das Spiel. Aber die Fans erwarten mittlerweile auch die Emotionen danach. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Mich interessiert das – früher als Fan genauso wie heute aus beruflicher Perspektive. Gewiss kann man auf den Talk im Anschluss eher verzichten als auf das Spiel. Doch in diesen Talks gibt es zwischen den ganzen Phrasendreschern immer wieder Spieler, die auch was zu sagen haben oder sogar mal mit Aussagen überraschen – im positiven Sinne.

Für Sie gehört also die Emotionalität nach dem Spiel dazu. Und gerade Ihre Zeitung, als Printmedium, kann auf solche O-Töne nicht verzichten, alleine weil die Stimmung der bewegten Bilder fehlt. Ein nüchterner Spielbericht – wer will so etwas schon lesen?

So ist es. Der Fan will keinen seitenlangen Spielbericht. Das machen im Ruhrpott ja viele Lokalzeitungen. Unsere Philosophie ist eine andere: Wir wollen den Spieler zu Wort kommen lassen, nah am Geschehen sein. Niemand will die biedere Auflistung von Chancen. Heute ist die Stimme des Spielers viel wichtiger als früher.

Was wohl auch damit zusammenhängt, dass die Spieler stärker in der Öffentlichkeit stehen, der Fan heute deutliche Images der Spieler vor Augen hat und so eine gewisse Erwartungshaltung aufbaut.

Ja, die Profis stehen in bestimmten Ecken. Entweder verfestigen sie ihr Bild oder zerstören es.


weiterlesen [1] [2] [3]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Borussia Dortmund



Kommentare

  • User
  • 06.11.2007 17:04:42 Nietnagel

    wie lächerlich das ganze ist. die leute werden fürs kicken bezahlt nicht fürs quatschen.
    das einzig tragische an der ganzen geschichte war das dolly meinte, er müsse jetzt halt ein bisken mehr mit den medien quatschen. aber wenn man mal an die unsäglichen interviews eines wörnsers denkt oder generell an die floskeln der truppe:
    nach einer niederlage: wir haben geglaubt es würde von selbst gehen.
    nach einem sieg: jetzt müssen wir eine serie starten.
    sicher gehören spielerinterviews irgendwie dazu, man denke allein an toni ailtion, aber wenn die mannschaft sich überlegt hat: wir müssen einfach mal die gosche halten, dann sollte man das einfach akzeptieren. letztlich werden die vereinsoberen den mannen irgendwann druck machen und alles ist beim alten.

    für mehr kindergarten in der deutschen medienlandschaft!

  • User
  • 06.11.2007 17:11:54 calimero

    Dieser Brausch scheint ein echter Idiot zu sein.
    "..., dann tragen zuallererst die Vereine und die Spieler den Schaden davon."
    Ich möchte gar nicht weiter aufzählen, was der Spinner so von sich lässt.
    Ausserdem hat der BVB am Samstag verloren.....
    Der Typ hat sie nicht alle.
    Was ist Reviersport? Und liest das wer von euch ausm Revier?

  • User
  • 06.11.2007 17:35:32 El Buitre

    Naja, ein echter Idiot ist er nicht, ich finde er diskutiert plausibel aus der (subjektiven) Sicht der Journalisten, also der boykottierten. Das Diskutable daran ist die Empfindung, der Spieler sei ein Objekt der Öffentlichkeit und hätte die Pflicht, diese mit Interviews und den dadurch gezeigten Emotionen zu füttern. Das bedient die Tatsache, der Sport an sich ist mittlerweile nur noch zweitrangig, ein Spektakel, die Fans Konsumenten. Aber daran haben alle Schuld und nicht nur die Journalie.

  • User
  • 06.11.2007 17:50:43 calimero

    "Die Fans haben die Perspektive der Spieler, sie haben die Fanbrille auf. Ich glaube nicht, dass solche Aussagen wirklich repräsentativ sind. Hätte man die BVB-Fans beim Boykott der Schalker nach ihrer Meinung gefragt, wären die Spieler sicherlich die Schuldigen gewesen und nicht die Journalisten."
    So ein Schwachsinn, sagt ja wohl alles, das tut einfach nur weh. Was denkt der Typ wer er is? Er, der Journalist! Alle Macht dem Journalismus. "Ich bin echt sauer. Die machne nicht das, was ich will. Das muss echt ein toller Typ sein.
    Ich kann in fast jeder Antwort Schwachsinn entdecken, und ich bin sonst nicht so ein Korinthenkacker.

  • User
  • 06.11.2007 17:55:19 calimero

    Da fehlen natürlich noch """ hinter ..., was ich will.
    Bin jetzt leider gleich weg.

  • User
  • 06.11.2007 18:06:22 El Buitre

    Lass die Presseboykottaktion 5 Wochen länger gehen, den BVB weiter schlecht spielen und jeder BVB-Anhänger wird auf diese Aktion sauer sein und was von geldgeilen Spielern fasseln, die nichts zurückgeben wollen. Die Brille haben diese Fans defintiv auf und 4 Wochen lassen sich verschmerzen, man hofft da wohl gerade auf alles, was dem Team Erfolg bringen könnte.
    Das der Herr Brausch dennoch das Ganze zu einseitig sieht, ist nicht von der Hand zu weisen und liegt wohl in seinem Ärger und seinem Beruf.

  • User
  • 06.11.2007 18:37:31 gelsenkirchen

    @calimero: die REVIERSPORT ist ein Sportmagazin dass sich, wie der name schon vermuten lässt, mit dem sport (hauptsächlich fussball) im ruhrgebiet und randbezirke beschäftigt. erscheint zweimal wöchentlich (sonntags und ich glaube donnerstags) und ist ein ganz gutes magazin, geht natürlich tiefer in den ligen als der kicker. eine zeitlang war sonntags das erste was ich nach dem aufstehen gemacht habe zum kiosk gehen und kippen und reviersport geholt, dann habe ich irgendwann mit dem rauchen aufgehört :D

  • User
  • 07.11.2007 11:03:54 calimero

    Hört sich ganz vernünftig an, im Gegensatz zu dem Eumel:
    "Sicherlich. Das beste Beispiel ist der MSV Duisburg: Hier gab es in den letzten Jahren immer wieder Spieler, die ihre Telefonnummern partout nicht rausrücken wollten. Das waren zumeist die Spieler, die vorher in großen Städten –..... "
    Ist das so? Macht man das so? Wenn ja, ok. Aber sich darüber zu beschweren und den Blättern in Köln odersonst wo den schwarzen Peter zuschieben...

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