Aleksandar Ristić ist zurück
König ohne Macht
Text: Holger Pauler Bild: Imago

Es sind Wahrzeichen und Wegweiser. Wie sonst nur Kirchtürme prägen Flutlichtmasten das Bild der Städte. Ein Relikt aus der Zeit, als der Arena-Chic noch Zukunftsmusik war und die Lampen noch nicht unter Tribünendächern angebracht wurden.
Bereits aus der Entfernung sind die dunkelroten Masten der ehemaligen Krefelder »Grotenburg-Kampfbahn« zu erkennen. »Wir sind natürlich stolz darauf«, sagt Mirco Zurek, Öffentlichkeitsarbeiter des KFC Uerdingen, dem in die Oberliga Nordrhein abgestürzten Bundesligisten. Doch bei aller Schönheit, die Masten werden zur Last. Der Hersteller der zugehörigen Strahler hat vor Jahren die Produktion eingestellt. Seitdem sind die Krefelder auf der Suche nach Ware aus zweiter Hand. »Leider müssen wir dafür in die Schweiz fahren«, sagt Zurek. Der deutsche Markt hat die Auslaufware nicht im Angebot.
»Leider 20 Jahre zu spät«
Auslaufware, Secondhand – die Parallelen zum KFC und seinem Vorgänger Bayer 05 liegen auf der Hand. Und was gibt es Besseres, als sich einen Trainer aus der Zeit des vormodernen Fußballs zu suchen: Aleksandar Ristić, den »Trainerfuchs«. Der Mann, der lange vor Hans Meyer mit hintergründiger Ironie Präsidenten und Journalisten verzweifeln ließ. Seit Sommer trainiert der 63-jährige Bosnier die 1. Mannschaft der Krefelder Vorstädter. »Leider 20 Jahre zu spät«, sagt er. Damals sei Uerdingen noch ein großer Verein gewesen – und er war ein mindestens ebenso großer Trainer.
Ristić hat als Assistent von Branko Zebec und Ernst Happel beim Hamburger SV zahlreiche Titel geholt und später als Chefcoach Mannschaften wie Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Oberhausen mehrfach vor dem Absturz bewahrt. Das ist mehr als vier Jahre her. Seine letzte Trainerstation bei Union Berlin endete vor drei Jahren mit dem Abstieg in die 3. Liga. Seitdem ist es still um Ristić geworden. Jetzt soll er den KFC mindestens auf Rang vier der Oberliga führen. Das würde die Qualifikation für die neue dreigleisige Regionalliga in der nächsten Saison bedeuten. Viertklassigkeit als oberstes Ziel? Das hätten sie sich in Uerdingen vor zehn Jahren auch nicht vorstellen können.
1200 Menschen haben an diesem frühherbstlichen Sonntag im September die Zeitreise in die Krefelder Grotenburg gewagt. Nostalgiker, Gewohnheits-Uerdinger und junge Fans. Sie veranstalten eine Menge Lärm – weil sie sich einig sind: »Ihr und wir für Platz vier«, steht auf einem Spruchband. Die Spieler des KFC Uerdingen berennen derweil das Tor von Germania Dattenfeld. Die Ultras auf der Westtribüne geben alles, die anfangs noch zurückhaltende Haupttribüne läuft zur Höchstleistung auf. Und auch der Grotifant, das wohl älteste und gewalttätigste Maskottchen des deutschen Fußballs (nach einem Übergriff gegen einen Linienrichter beim Spiel gegen den 1. FC Köln wurde der »Mann im Elefantenkostüm« einst mit einem Stadionverbot belegt), bringt sich als Balljunge ein. Das Spiel endet 1:1. Trotzdem wird die Mannschaft mit Applaus verabschiedet.
Aus Heft #71 10 / 2007








