Die Geschichte der Fußballfans

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Willi Landgraf im Interview

„Der Tunnel, das Alter, die Fans“

Interview: Johannes Lindenlaub  Bild: Imago

„Der Tunnel, das Alter, die Fans“

Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Landgraf.

Jaja, vielen Dank. 29 bin ich geworden, wissen Sie ja.

Fühlen Sie sich denn wie 39?

Schon. Ich muss ja immer noch bei Schalkes zweiter Mannschaft spielen, das ist ja das Schlimme.

Ist das wirklich so schlimm?

Nein, es macht ja Spaß. Es ist doch super, wenn man mit 39 noch ein bisschen kicken kann.



Vermissen Sie den Tivoli?

Selbstverständlich. Ich kann nur leider so selten hingehen, weil ich selber freitags abends Training habe und am Sonntag spielen muss.

Wie ist es, wenn Sie heute den Tivoli besuchen?

Ich habe eine Dauerkarte auf Lebenszeit. Auf dem Platz, auf dem ich auch früher immer gesessen habe, mitten im H-Block zwischen den Spielerfrauen. (lacht)

Sie haben in ihrer Karriere einige Stadien gesehen. War eins dabei, in dem die Stimmung ähnlich gewesen ist?

Mit dem Tivoli lässt sich nur noch das Millerntor auf St. Pauli vergleichen. In solchen Hallen wie der Allianz-Arena ist auch gute Stimmung, aber der Tivoli hat ein ganz anderes Flair. Ich mag an alten Stadien, dass man auf dem Spielfeld noch den Bratwurstgeruch in der Nase hat.

Den Bratwurstgeruch haben Sie doch auf Schalke jetzt wieder.

Ja, den habe ich jetzt auch wieder, nur ist es natürlich ein Unterschied, ob man vor 1000 Zuschauern spielt oder vor 20000. Das hat sich auf dem Tivoli aber auch erst mit den Jahren gesteigert. Erst waren es etwa 14000, aber durch die Erfolge war das Stadion dann immer bis unters Dach gefüllt.

Am 25.3.1989 liefen Sie als Spieler von Rot-Weiß Essen erstmals durch den langen und engen Spielertunnel des Tivoli und gingen mit 1:3 baden. Können Sie sich noch daran erinnern?

Damals waren noch nicht so viele Zuschauer am Tivoli wie heute. Der Boden war unheimlich tief, man blieb mit den Fußballschuhen im Morast stecken, weil damals noch keine Drainagen gelegt waren. Und ich kannte ja den Spielertunnel noch nicht, da war man dann schon ein bisschen eingeschüchtert.

Ihr letztes Heimspiel absolvierten Sie gegen Freiburg. Sie verloren mit 0:1, doch die Alemannia war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgestiegen. Hat das Ergebnis noch jemanden interessiert?

Nee, eigentlich gar keinen. Es war ja sozusagen Erics (Meijer, die Red.) und mein Abschiedsspiel. Da war die Stimmung nur grandios.

Wie würden Sie den Mythos Tivoli beschreiben?

Kein Problem: Der Tunnel. Das Alter. Und die Fans.

Beim Tivoli wird immer von einer „englischen“ Stadionatmosphäre gesprochen, wegen der steilen Ränge und der fehlenden Laufbahn. Inwieweit beeinflusst das eine Mannschaft?

Man muss sich erst daran gewöhnen, wie die Zuschauer einen nach vorne peitschen. Du bist dazu verdammt, nach vorne zu spielen, denn du bist nah dran und jeder einzelne Zuschauer ist voll dabei. Du hörst jeden Gesang, jeden Ton und jedes einzelne Wort auf dem Platz, weil alles so eng ist. Darum machen sich die Auswärtsmannschaften am Tivoli auch immer in die Hose.



Ergänzung zu Heft #71 10 / 2007


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