2. Bundesliga: Alemannia Aachen gewinnt Geisterspiel
Text: Daniel Neuhaus Bild: Imago
Gestern war es soweit: Das erste Geisterspiel
im deutschen Fußball fand in Aachen statt. Mit
3:2 besiegte der Gastgeber den 1.FC
Nürnberg und hat sich damit nachträglich die
Herbstmeisterschaft in Liga 2
gesichert.
Das ursprüngliche Spiel hatte am 24.
November für einigen Wirbel gesorgt,
nachdem Aachener Fans Club-Trainer
Wolfgang Wolf mit einem Wurfgeschoss
verletzt hatten. Da Wolf in der Kabine
behandelt werden musste und seine Truppe
ohne die Betreuung ihres Fußballlehrers
orientierungslos und verstört mit 1:0 verloren,
erhoben die Franken folgerichtig Einspruch
gegen die Spielwertung.
Der DFB entschied daraufhin, dass die Partie
nachgeholt werden müsse und zwar unter
Ausschluss der Öffentlichkeit. So kam es also
gestern zu einer Neuansetzung der
besonderen Art: 500 Ordner riegelten das
Stadion hermetisch ab und so waren
tatsächlich nur 200 Journalisten und jeweils
40 Personen der beteiligten Vereine am oder
auf dem Tivoli. Glücklicherweise war
wenigstens das Deutsche Sport Fernsehen
live dabei und so wurden knapp zwei Millionen
Fans Zeuge eines Zweitliga Spitzenspiels vor
Kreisliga Kulisse.
Das Spiel selbst war dank vieler Tore und
noch mehr Chancen weitaus spannender als
die Erstauflage und so stellt sich die Frage,
ob der DFB die Partie nicht lieber auf
neutralem Platz vor Publikum hätte ansetzen
sollen. Das wäre zumindest aus Trainersicht
die bessere Alternative gewesen: „Warum
nicht auf neutralem Platz vor vollen Rängen
nachgeholt wird, kann ich nicht
nachvollziehen. Die Einnahmen hätte man für
einen wohltätigen Zweck verwenden können“,
äußerte sich Nürnbergs Trainer Wolf im
Kicker zum Geisterspiel und ähnlich sah es
auch Aachens Coach Jörg Berger: „ Es hätte
mit Sicherheit auch eine anderen Lösung
geben können.“
Weil der DFB
diese Chance aber nicht nutzte, bleibt der
Geldsegen der Zuschauereinnahmen für
wohltätige Einrichtungen aus. Über das
Geisterspiel gefreut haben dürften sich
dagegen das DSF wegen der hohen
Einschaltquoten und Aachens Kneipiers,
deren Investition in ein TV-Gerät sich gestern
wohl mehr als gelohnt hat.





