Die Geschichte der Fußballfans

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10.03.2011

Bayern-Legende Katsche Schwarzenbeck

»Wir haben alle Beatles gehört«

Interview: Maik Großmann  Bild: Imago

Die Achse Maier, Beckenbauer, Müller bescherte dem FC Bayern die größten Erfolge seiner Geschichte. Doch ohne Katsche Schwarzenbeck wäre sie wohl ein klappriges Gestell geblieben. Die Ausputzerlegende über die goldenden Zeiten.

Bayern-Legende Katsche Schwarzenbeck - »Wir haben alle Beatles gehört«


Georg Schwarzenbeck, Sie spielten von 1961 bis 1980 beim FC Bayern. Eine bessere Zeit konnten Sie sich wohl kaum aussuchen.

Ich muss sagen, ich bin mit meinem ganzen Fußballerleben sehr zufrieden. Das war eine sehr erfolgreiche und schöne Zeit. Und natürlich: Das muss uns erstmal eine Mannschaft nachmachen, was wir da erreicht haben.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die 60er Jahre denken?


Der Aufstieg der Bayern, für mich persönlich, dass ich Profi wurde. Und wir haben noch im Grünwalder Stadion gespielt. Da waren die Stadien in der ganzen Bundesliga noch kleiner und auch noch nicht diesem Komfort, der kam dann ja erst 1972 mit dem Olympiastadion. In der ganzen Bundesliga war das noch etwas chaotisch, keine Bodenheizung, noch nicht so viele Zuschauer. Ich kann mich da an Spiele erinnern, da waren im Sechziger Stadion auf der einen Seite im Schatten pures Eis und auf der anderen Seite, wo die Sonne geschienen hat, da ist langsam der Boden aufgetaut. Schließlich wurde in dem Stadion jede Woche gespielt. Erst die Sechziger und dann wieder wir. Da stand man schon mal knöcheltief im Matsch. Das führte zu sehr Kräfte raubenden Spielen, die mitunter sicher auch nicht sonderlich schön anzusehen waren.



Wie haben Sie überhaupt diesen Wettkampf mit den Löwen erlebt? Die durften ja sofort in die Bundesliga und der FC Bayern nicht.

Gut, die waren ja auch die Nummer eins in München, Deutscher Meister, sofort aufgestiegen, hervorragende Mann­schaft im Europapokal. Da waren wir klar die Nummer zwei. Aber das haben wir dann ja noch gut hinbekommen. Wir hatten dann ja die Zeit, alles schön aufzubauen. Und die Bayern haben aber auch immer wesentlich besser und kontinuierlich gewirtschaftet - daher der Erfolg...

Sie haben auch noch gegen Uwe Seeler gespielt.

Ja, bestimmt noch zwei oder drei Spielzeiten. Gleich zu Anfang sozusagen. Ein großartiger Spieler.

Hatten Sie so etwas wie einen Lieblingsgegenspieler?


Heiße Duelle hat es sehr viele gegeben. Ob das ein Klaus Fischer war, Uwe Seeler, Heynckes, Rupp oder ein Wunder in Duisburg. Aber das hat sich immer im Laufe einer Saison irgendwie ausgeglichen. Manch­mal hatte ich eben die bessere Tagesform, manchmal der Gegner.

Und andersrum? Wer lag Ihnen weniger?


Ja, der Klaus Wunder aus Duisburg, der hat mir immer irgendwie Probleme bereitet. Auf den komme ich jetzt, weil wir in Duisburg meistens ganz gut angefangen haben und dann haben wir trotzdem verloren.

Als Sie 1966 zur Mannschaft stießen, war bereits Großes im Gange. Haben Sie das sofort gespürt?


Ja, sicher. Da waren eben schon so Spieler wie Beckenbauer, Maier und Müller. Franz und Sepp waren schon Nationalspieler und hatten gerade eine WM gespielt, und wir jungen Spieler hatten da schon eine Menge Respekt.

Und das war auch die Hackordnung im Team?


Ja, das waren ganz klar der Franz, der Gerd und der Sepp, wobei der Franz über dem Ganzen noch mal drüber gestanden hat. Ich finde so etwas auch völlig richtig, wenn Respektspersonen da sind. Erstmal von der Leistung her, da hat ja alles gestimmt. Es war ja nicht so, dass die einen großen Mund gehabt hätten und nichts dahinter, sondern die haben ja auch Leistung gebracht. Und deswegen war das auch in Ordnung so.

Viele Spieler hatten in den 60ern noch nebenbei einen Beruf. Sie auch?


Es war sogar so, dass wir dem Verein eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen mussten, mein Vater musste da noch unterschreiben, sonst hätte ich keinen Vertrag bekommen. Ich bin gelernter Buchdrucker und musste erst meine Lehre abschließen. Und mein Vater hat es auch erst dann unterschrieben, denn die finanziellen Verhältnisse waren noch nicht so, dass man dann automatisch abgesichert war mit solch einem Vertrag.

Haben Sie denn noch in ihrem Beruf gearbeitet?


Nur noch ein paar Wochen, dann ging das aber nicht mehr wegen der ganzen Trainingslager und der ständigen Mittwoch- und Samstagspiele. Da hab ich mich entscheiden müssen und da hab ich dann also nur noch Fußball gespielt.

Und vom Fußball konnten Sie da auch schon leben?

Naja, irgendwann immer besser. Anfangs hab ich eben noch zu Hause gewohnt, hab kein großes Auto gefahren, und von Vertrag zu Vertrag wurde das dann freilich besser.

Wie muss sich ein Freizeitfußballer das Profitum vorstellen? Dreht man dem Kollegen immer noch die Dusche kalt oder geht es gesitteter zu?

Nein, solche Späße gibt es da natürlich genauso. Ob im Training oder im Trainingslager, gerade der Maier Sepp, da war immer was los, und da haben wir genauso unsere Gaudi gehabt. Bei Bayern war es aber immer so, dass zuerst die Leistung stimmen musste. Da hat der Manager Schwan schon sehr drauf geachtet. Der hat klar vorgegeben: Der FC Bayern will die Nummer eins sein, und mit dem Druck müsst ihr fertig werden! Das hat er uns quasi bei der Vertragsunterzeichnung schon gesagt.


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 27.02.2011 14:13:40 FCBayern1963

    Danke. Dass Du in Madrid so verrückt warst, einfach mal aufs Tor zu
    schießen. Alle wahren Bayernfans sind ewig in deiner Schuld.

  • User
  • 27.02.2011 15:04:42 Yvy

    mein Lieblingsbayernspieler ! Respekt !!!

    ja wie jetzt, war er 1961 schon da oder ist er 1966 zur Mannschaft gestoßen ?

    Oder beides

  • User
  • 27.02.2011 15:17:59 giselher

    Dass Du in Madrid so verrückt warst...

    In Brüssel wars, gegen Madrid. Ansonsten: So isses.

  • User
  • 27.02.2011 17:07:13 Rafael Thunderfart

    Seine und Schwarzenbecks Karriere haben sich länger überschnitten, als 2 oder 3 Spielzeiten. Seeler hat erst 1971 aufgehört (nach einer Blessur auf vereistem Platz).

  • User
  • 28.02.2011 11:22:25 gelsenkirchen

    und wer stones gehört hat flog raus oder was? oder haben etwa die gladbacher stones gehört, weil angeblich wilder und rebellischer? auf jeden fall steht fest: bayern hören beatles!

  • User
  • 28.02.2011 12:27:53 einrudithömmes

    Ja, ein weit verbreiteter Irrtum. Mein Vater hat mir hier frühzeitig die Wahrheit (und nichts als die Wahrheit) erzählt: Stones-Fans haben meistens heimlich Beatles Platten gehört, wegen der Musik!

  • User
  • 28.02.2011 12:32:37 suppenteller

    musikalisch sind die beatles eh wilder, stones machen nur dicke hose, endeten nicht umsonst im stinklangweiligen stadionrock

  • User
  • 28.02.2011 12:41:15 einrudithömmes

    Jerry Lee Lewis "Mean Old Man" - mittlerweile find ich Richards und Wood und Jagger (in der Reihenfolge) musikalisch aber auch wieder so schlecht nich.

  • User
  • 28.02.2011 12:50:28 gelsenkirchen

    naja, wo wären die beatles heute? wahrscheinlich auch stadionrock (mal hypothetisch).
    in den 60ern waren die stones wohl doch die agggressivere, rebellischere kapelle. persönlich gefallen sie mir auch besser: "beggars banquet", "exile on main st." und "sticky fingers" gehören zu den von mir am meisten gehörten alben, auch wenn ich weitaus später das licht der welt erblickte.

    meine mutter hat beide gehört. ihre fulminant gute plattensammlung mit allen schätzen der beat-ära ist mir leider durch die lappen gegangen. könnt ich mich haut noch drüber aufregen.

  • User
  • 28.02.2011 13:04:08 gelsenkirchen

    jau! "revolver", "sgt. pepper" und "rubber soul".
    eh die früheren, diese ganzen langhaarplatten schocken mich nicht so. das ein oder andere gute lied drauf, aber bei weitem nicht mehr so gut wie in der zeit, als sie noch live auftraten.

  • User
  • 28.02.2011 13:15:39 suppenteller

    also wenn man rebellisch mit lauter, aggressiver gleichsetzt, ja dann waren die stones die wildere kombo. ich finde die stones aber eine band der konformistischen rebellion, wie rock es zumeist ist. die deutlich wildere musik, aber eben nicht auf vordergründige rebellion setzend, haben doch die beatles abgeliefert. was da an musikalischer und produktionstechnischer innovation drinsteckt, an der ständigen suche nach dem neuen, dem drang nach vorne (klar, wir sprechen von den späteren beatles, nicht ihrem frühwerk), das ist bis heute großartig. und die stones sind ganz schnell in der ewigen, größtenteils lächerlichen rockpose erstarrt. aber ich bin eigentlich weder ein besonderer fan der beatles noch der stones, habe von beiden vinyls rumstehen und die stones haben in ihren bluesigeren momenten unbestreitbar großes abgeliefert. grandioser sind aber die beatles, so! nur um mal position in diesem tausendfach geführrten battle zu beziehen :-)

  • User
  • 28.02.2011 13:20:55 gelsenkirchen

    tausendfach? MILLIARDENFACH!

    du sprichst di richtigen punkte an: die rhythm-&-blues-geschichte der stones ist wahnsinn, das ist auch der punkt, der mir an ihnen so gefällt.
    die beatles waren einfach immer anderen bands einen schritt voraus durch ihren drang nach innovation.

  • User
  • 28.02.2011 13:22:12 saloth sar

    beide scheisse, ende der diskussion!

  • User
  • 28.02.2011 14:23:28 giselher

    Nutella oder Nuspli?

    Auch eine Gewissensfrage aus der guten alten Zeit.

  • User
  • 28.02.2011 14:40:49 Jim Panse

    Belmandel, isso.

  • User
  • 28.02.2011 15:23:58 Hotte80

    die beatles ham den rock 'n' roll auf den gewissen. isso. da lass ich auch gar nicht mehr mit mir diskutieren, da kann jetzt auch kite kommen von wegen die beatles hätten ja gar nicht...

  • User
  • 28.02.2011 15:25:04 saloth sar

    hotte, ich verweise dich auf meinen post von 13:22:12

  • User
  • 28.02.2011 15:28:24 gelsenkirchen

    Heute 14:40:49 von Jim Panse
    Belmandel, isso.


    jau! das is der hammer, weil NOCH süßer als die anderen beiden.

    bei mir gab's immer nur nutoka von aldi, nix den teuren scheiss! da hat meine mutter auch gar nicht mit sich diskutieren lassen. und aufgetischt wurde das sowieso nur am wochende!

  • User
  • 28.02.2011 15:29:52 Hotte80

    völlig richtig sally. wobei ich bei den stones die scheiben bis "exile on main st." als ausnahme gelten lasse.

  • User
  • 28.02.2011 16:41:10 Jim Panse

    Wääh, die ganzen Billigheimer ham mir garned geschmeckt, dat war alles irgendwie so 'zäh'. Oder einmal im Leben Erdnussbutter probiert, wääh. Naja, wenn die Amis drauf schwörn ...

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