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Wenn Bayern-Fans singen

Ein Bus wird kommen

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Die Stimmung in der Arena zu München sei, so hört man immer öfter, ziemlich mau. Vielleicht liegt das auch an den Liedern, die man dort schmettert. Wir sind todesmutig in die Tiefen der bayrischen Sangesfibeln abgetaucht.

Wenn Bayern-Fans singen - Ein Bus wird kommen


Bayern g´winnt

Was schert mi Weib,
was schert mi Kind,
Hauptsach is, dass Bayern g`winnt,
des sog i laud, des is koa Sünd,
Hauptsach is, dass Bayern g`winnt,
uns stört koa Regn und auch koa Wind,
Hauptsach is, dass Bayern g`winnt


Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Herz des FC Bayern nicht in der Stadt München selbst schlägt, dann liefert ihn dieses Lied. Die Fans haben es aus den Tiefen des waldigen Umlandes mitgebracht, wo es wahrscheinlich schon vor der Gründung des Vereins geschmettert wurde. Es klingt nach dem krachledernen »Mir san die lustigen Holzhackerbuam« und dem entsprechenden Selbstvertrauen, das sich aus 1500 Jahren bayrischer Geschichte speist.

Ein Gran dieses Selbstvertrauens soll auch den neu verpflichteten Spielern eingeimpft werden, indem die Verantwortlichen sie vor der Saison in folkloristische Trachten stecken und fotografieren lassen. Nicht nur beim Brasilianer Mazinho, der 1991 kam, erreichte man mit diesem miesen PR-Gag das Gegenteil. Den Fans ist’s egal: Hauptsach is, dass Bayern g`winnt.

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1000 Jahre

Denn seit mehr als 1000 Jahren,
sind wir Bayern ungeschlagen,
so ganz ohne Bayern
kann man nicht durchs Leben gehen.


Ein Lied mit ähnlicher Botschaft wie schon »Bayern g´winnt«. Doch während jenes noch ein subtiles Moment des Hoffens auf einen Sieg in sich trägt und also auch ein Rest Furcht vor dem – wenn auch sehr unwahrscheinliche – Scheitern mitschwingt, erklärt »1000 Jahre« den Triumph des Freistaats im allgemeinen und des FCB im besonderen zum Naturgesetz. Dieses gelte, suggeriert der Text, seit »mehr als 1000 Jahren«, genauer gesagt dem Jahre 907, als Markgraf Luitpold von Bayern in der Schlacht von Pressburg in einer Niederlage gegen die Ungarn fiel. Danach gab's für die Bajuvaren nur noch Kantersiege.

Auf Hochdeutsch gedichtet, gewinnt das Lied an zusätzlicher Wucht. Es hat die Couleur des Hinterweltlerisch-Exotischen abgelegt und lässt erahnen, wie sich Angela Merkel fühlt, wenn die Pfingstochsen aus der CSU-Fraktion zum bundespolitischen Machtspiel ansetzen. Denn es ist nun mal so: »So ganz ohne Bayern kann man nicht durchs Leben gehen.«


Ein Bus wird kommen

Ein Bus wird kommen,
und der bringt euch den Einen,
den ihr so hasst wie keinen,
das ist der FCB.


Lale Andersen sang noch: »Ein Schiff wird kommen / Und das bringt mir den einen / den ich so lieb wie keinen / und der mich glücklich macht«. Als hätten die Bayern-Fans nicht nur eifrig Schnulzen-Funk gehört, sondern sich überdies auch noch Friedrich Nietzsches Diktum von der »Umwertung aller Werte« einverleibt, haben sie den Text radikal ins Gegenteil verkehrt: Aus Liebe wird Hass, aus dem zärtlichen »Einen« wird eine Horde Wildgewordenener, aus einem Schiff wird – ein Bus. Das ist die Postmoderne. Herzlich willkommen!



Ergänzung zu Heft #85 12/2008

Der dressierte Fanblock


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Bayern München


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Kommentare

  • User
  • 25.11.2008 13:08:48 Dahli

    Sobald Fangesänge anfangen argumentativ zu werden, sind es keine Fangesänge mehr. Fangesänge beleidigen den Gegner und stellen den eigenen Verein/die eigene Stadt/das eigene Land als Mittelpunkt und Glaz des Fußballs dar - ohne Argumente.
    Wer will denn bestreiten dass Aachen die schönste Stadt der Welt ist?

  • User
  • 25.11.2008 13:21:00 sgu07

    Alles, was zu dumm ist, um gesprochen zu werden, wird gesungen.

  • User
  • 25.11.2008 15:39:03 zertifikanz

    Exakt der gleiche Artikel war bereits vor Monaten auf der Homepage zu lesen...

  • User
  • 25.11.2008 15:40:45 monssolis

    Aber erst jetzt hat ihm jemand kommentiert, nehme ich an.

  • User
  • 25.11.2008 15:41:19 monssolis

    Was ist das für eine Tastatur?

    Erst "ihm" statt "ihn", dann "hm" statt "ihm". Bitter.

  • User
  • 25.11.2008 17:17:20 mmirwald

    Ohne den kompletten Artikel im Heft gelesen zu haben, zunächst eine eine klare Feststellung: Die Nürnberger Ultras sind einer der hauptgründe, warum der Glubb auch in Liga 2 trotz mehr als enttäuschendem saisonverlauf und spielerischen darbietungen auf unterstem niveau, so viel Unterstützung erfährt (>30k im Schnitt). Nürnberg hatte schon immer sehr treue und leidensfähige fans und zuschauer. Die kommen nicht wegen dem "tollen" Fusball der geboten wird sondern wegen der Stimmung im Stadion, seit Jahren. Was seit dem Umzug der Ultras auf den Oberrang der Nordkurve an Stimmung erzeugt wird, ist oft schon das eintrittsgeld wert. In Abwesenheit von russischen Oligarchen sind die Zuschauereinnahmen die Existenzgrundlage und Lebensversicherung für den Club.
    Fussball lebt von Stimmung im Stadion. Das muss gerade der FC Bayern erfahren, der versucht sein "Produkt Allianz Arena & internationale Superstars" ohne diesen Faktor an Business Kunden zu verkaufen. Stimmung und Atmosphäre ist der einzige Faktor, der einen Stadiobesuch von einem Pay TV Abo unterscheidet, man ist teil einer Masse, die exklusiv in den Genuss der Stimmung im Stadion kommt. Falls man das Bedürfnis hat, kann man sich daran beteiligen, oder eben die Stimmung im Stadion "konsumieren". Bei Besuchen mit dem Club in der Allianz Arena, aber auch bei CL Spielen der Bayern (bei denen ich die Gegner unterstütze) habe ich mir schon oft gedacht, warum schauen sich diese "kunden" das Spiel nicht im Fernsehen an ? Bayern hat keine Stimmung, weil zu viele Konsumenten im Stadion sind. Bayern kann es sich leisten, weil sie nicht auf die Zuschauereinnahmen angewiesen sind. Es gilt: Ultras -> Stimmung -> Stadionerlebnis -> ausverkauftes Haus, unabhängig von sportlichem erfolg -> Zuschauereinnahmen und Sponsorengelder (zahlen mehr, wenn Zielgruppe grösser). -> Überleben und Investitionsmöglichkeiten für Clubs wie Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart, HSV, etc - es lässt sich klar nachvollziehen, wie bei diesen Klubs die entwicklung der Ultraszene mit dem Ansteigen der Zuschauerzahlen korreliert ist. Ultras sorgen dafür, dass sich Stadionbesuch und PayTV unterscheiden. Normale Zuschauer und Business Kunden konsumieren die Stimmung im Stadion, somit sind Ultras (unbewusst) ein Teil des Produktes, das die Vereine verkaufen.

  • User
  • 25.11.2008 19:59:46 Mclusky

    und was hat das mit dem Artikel zu tun?

  • User
  • 25.11.2008 20:38:16 Baden1894

    verklickt würde ich mal sagen. Ich glaube das gehört zur Titelstory vom neuen Heft :D

  • User
  • 26.11.2008 09:11:23 european

    Wer denkt, dass die Lederhosen aus dem "waldigen" Umland von München kommen, der dürfte sich getäuscht haben oder keine Ahnung haben. Und der bayrischen Landbevölkerung Hinterwäldlertum vorzuwerfen ist wie einen Elfmeter ins leere Tore zu schießen. Frägst sich wie weltgewandt der gemeine Saarländer vom Land ist, der Rheinländer oder Sauerländer? Ach, und der Franzose an sich frist den ganzen Tag Weißbrot stangen, säuft Wein dazu und malt Bilder von de Provence.

    Wie können die Bayernfans sich auch jetzt schon an die Allianzarena gewohnt haben, wo sie immer noch unter ihrem positiven FreiOttoOttlAicherOlympiastadiontrauma leiden?

    Ach woast wos, mir is des wurst, miar san miar...

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