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Willi Landgraf im Interview

„Man gewöhnt sich an alles“

Interview: oliver zeyen  Bild: Imago

„Man gewöhnt sich an alles“

Herr Landgraf, was schmerzt Sie denn persönlich mehr? Die verpasste Meisterschaft von Schalke oder der Abstieg von Alemannia Aachen?

Beides tut natürlich weh. Schalke schmerzt, weil ich selbst dort spiele, im Verein viele Freunde gefunden habe und hier alle so sehnsüchtig auf den Titel warten. Als ehemaliger Aachener ist es aber mindestens genauso bitter, den Verein nach einem Jahr wieder absteigen zu sehen.



Die Abstiege von Aachen und Mainz lassen den Schluss zu, dass man ohne großen Geldgeber in der Bundesliga gar nicht mehr überleben kann.

Stimmt. Der Erfolg eines Vereins definiert sich hauptsächlich über seine Einnahmen. Viele Leute gehen heute ins Stadion, um den Tag im VIP-Bereich zu genießen, um sich bedienen zu lassen. Wenn ich einen Sponsor in eine Loge einlade, und es ihm dort gefällt, dann springt am Ende auch etwas für mich dabei raus. Ohne Sponsoren und VIP-Logen geht es heute nicht mehr.

Als Fan wird man während eines Spiels mit einer Reihe lautstarker Werbe-Einblendungen torpediert. Wie viel davon kommt bei den Profis auf dem Rasen an?

In den deutschen Stadien nimmst du das als Spieler gar nicht wahr. In Spanien sind die da viel brutaler. Ich kann mich noch gut an das UEFA-Cup-Spiel von Aachen in Sevilla erinnern. Da dachten wir Spieler zwischendurch, wir stehen in einer Diskothek. Man gewöhnt sich aber an alles, auch an das ständige »bling« von der Anzeigetafel.

Würden Sie lieber vor einem ruhigeren Sitzplatz-Publikum spielen, wenn dafür der Erfolg stimmt?

Gute Frage. Wahrscheinlich eher nicht. Auf die wahren Fans kannst du nicht verzichten, genauso wenig wie auf die Zuschauer mit dem dicken Portemonnaie. Das ist heute einfach so, damit müssen wir leben.

Die Erwartungshaltung seitens der Medien ist gerade bei großen Vereinen immens hoch. Wie gut kommen die jüngeren Spieler damit zurecht?

Wenn ich Manuel Neuer ansehe, der meiner Meinung nach Deutschlands neuer Nationaltorhüter wird, kann ich nur staunen, wie souverän er in seinen jungen Jahren damit umgeht. Viel hängt vom Spieler selbst ab.

Wird das Bundesligageschäft immer mehr zur Charakterfrage?

Der Charakter ist entscheidend. Als Profi stehst unter ständiger Beobachtung. Ich kann mich noch daran erinnern, wie es früher war, als die Spiele noch nicht live übertragen wurden. Da konntest du den gegnerischen Trainer an der Seite beschimpfen, und kein Mensch hat es interessiert. Wenn ich mal mit Werner Lorant von 1860 München einen Disput hatte, hat das vielleicht eine Kamera mitbekommen – wenn überhaupt! Heute wirst du jede Sekunde beobachtet, damit müssen die jungen Spieler erst mal umgehen können.

Hängt der Markwert eines Spielers immer mehr davon ab, wie er sich vor den Medien inszeniert?

Es ist sehr wichtig, wie man sich bei einem Interview präsentiert. Wenn ich mich gut verkaufe, bekomme ich schneller einen Sponsorenvertrag. Wenn ich dann noch neun, zehn gute Spiele in Serie mache, bin ich ein gefragter Typ.

Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft der Bundesliga?

Ich fände es gut, wenn der Abstand zwischen den Vereinen wieder etwas kleiner wird. Es wäre schön, wenn wieder mehr kleinere Teams den Sprung nach oben schaffen würden.



Ergänzung zu Heft #67 06 / 2007




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Kommentare

  • User
  • 30.05.2007 16:42:52 ollihop

    Und schon wieder ein Artikel aus der Reihe "Früher war doch alles besser!" Das wird wohl langsam zum Motto der 11 Freunde. Es scheint so als würde der bisher zwar übertriebenen aber noch erträgliche Purismus in Arroganz umkippen. "Wahre Fans" - wenn ich das schon lesen muss. Wer soll das denn sein? Wie sehen die aus? Und vorallem was macht denn den "unwahren Fan" aus?

  • User
  • 30.05.2007 16:45:07 saloth sar

    du bist sicher kein wahrer fan!

  • User
  • 30.05.2007 17:04:29 lebowski

    Lieber unwahrer Fan als Ware Fan.

    (Wow! Nennt mich Kant, Plankton, Aristocats oder wie die alle heißen.)

  • User
  • 30.05.2007 17:11:30 lebowski

    Das nimmst Du zurück!

  • User
  • 30.05.2007 17:13:12 Stinkbaer

    Es gibt ja auch noch die "Ware Fan". Das sind die folkloristisch verkleideten Menschen auf den billigen Plätzen, die zwischen der Werbebeschallung (also während des Spiels) den Geräuschpegel mit allerhand eingängigem Liedgut hoch halten müssen, damit man sich auf den Business Seats und den ganzen sonstigen VIP-Dingens auch amüsiert. Die Ware Fan ist also auch Bestandteil des Vereinsvermögens und das hat der Willi doch gut erkannt. Ohne die nämlich keine Sponsoren in den Loungen, kein Geld, kein Erfolg und letztendlich auch keine Fans mehr. Die Karten werden ohne Sponsorengelder dann natürlich teurer, noch weniger Leute gehen hin und schließlich ist der Verein kaputt. Der Lohn für´s singen ist also das billige Stehplatzticket und somit wissen wir also, dass jeder jeden braucht. Eine runde Sache ist das und der Willi einer der hellsichtigen, die uns das in einem kleinen Interview mal so eben mitteilen.
    Vielleicht steht dann ja im Heft noch, was den wahren vom unwahren Fan unterscheidet...

  • User
  • 30.05.2007 17:14:21 Stinkbaer

    Scheiße, jetzt mühe ich mich hier ab und der Herr Lebsi verpulvert mein "Ware Fan" zwischenzeitlich einfach so...

  • User
  • 30.05.2007 17:14:29 Haensgen vom Deich

    Vor allem wenn man bedenkt, dass Köln, Gladbach, Lautern oder 1860 nächste Saison in Liga 2 rumdümpeln und mit Karlsruhe und Cottbus zwei finanziell nicht gutgestellte Mannschaften in der ersten Liga kicken.

    Und zum Thema wahrer Fan: es ist ein leidiges. Ob arm oder reich, Sitzplatz, Stehplatz, Fernseher, Radio oder Zeitung. Ist doch alles scheiß egal. Das Herz hängt am Verein, wie und wo ist doch wohl mal Ketchup mit Tomatensoße.

  • User
  • 30.05.2007 17:15:59 Stinkbaer

    Da hatter Recht, der Deichmann, mit der Herzenssache.

  • User
  • 30.05.2007 17:20:16 lebowski

    Nicht verpulvert, Stinki, aufn Punkt war dit. Wie es sich für einen anständigen Philantrophen gehört!

  • User
  • 30.05.2007 17:23:46 Stinkbaer

    Jepp, das klingt jetzt wirklich nach Delling.

  • User
  • 30.05.2007 17:47:51 vfl4ever

    Irgendwo muss ich Ollihop auch Recht geben. Vorn aufm Titel noch groß Manni Breuckmann gegen die Kommerzialisierung, aber in der Rubrik "Ehrenamt" wird die Seite schwatzgelb.de dafür gelobt, dass "ohne das übliche Einbahnstraßen-Gemecker über die Kommerzialisierung" analysiert wird.

    Ja wat denn nu?

  • User
  • 31.05.2007 13:36:32 Ignorey

    scheiß auf "fans"!!! echt ma.... keiner würde über sich sagen er/sie sei kein wahrer fan... und eine schublade für jeden einzelnen aufmachen,.... unsinnig....

    haltet es mit der begrifflichkeit mit der antike... da saß das "Volk" auf der Tribüne in der "Arena" (hiermit ist der Begriff Stadion tot und retrospektiv ad absurdum geführt worden) und dieses "Volk" ist in der "Arena" das Publikum mit unterschiedlichen Präferenzen. Der eine ist öfter da, der andere seltener... bei sympatisieren mit einer mannschaft oder wollen sich gut unterhalten lassen...

    ehrlich... jede diskussion über wahr und unwahr ist dreck...

  • User
  • 31.05.2007 13:54:57 lebowski

    Wenn er's doch sagt!

  • User
  • 31.05.2007 14:34:03 Stinkbaer

    Na also, dann wäre das also auch geklärt. Die Welt kann doch so einfach sein.

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