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19.06.2010

Wie wird man Weltmeister, Lilly Andres?

»Es gibt keinen Masterplan«

Interview: Ron Ulrich  Bild: Imago

Lilly Andres hat der Nationalelf etwas voraus: den Weltmeistertitel. Und zwar im Tischfußball. Dabei kam die 26-jährige Berlinerin eher zufällig zu ihrem Hobby. Im Interview spricht sie über Torwarttore und »Long-shot-Lilly«.

Wie wird man Weltmeister, Lilly Andres? - »Es gibt keinen Masterplan«


Frau Andres, sagen Sie uns doch mal, wie man Weltmeister wird.

Da kann man so pauschal gar keine Anweisung geben. Wichtig ist, dass man ehrgeizig bleibt und weiter an sich arbeitet. Aber es gibt keinen Masterplan, das sieht man an meiner Geschichte.

Wieso?

Ich bin in den Tischfußball mehr oder weniger hineingewachsen. Als ich das erste Mal in meinem Leben am Tisch stand, war das reiner Zufall. Ich war vor sechs Jahren mit ein paar Freunden in einem Jugendzentrum in Mainz, und wir wussten nicht so recht, was wir mit dem Abend anfangen sollten.



Und dann stand dort ein Kickertisch.

Ja. Meine Freunde wollten unbedingt spielen, aber ich nicht. Ich habe Tischfußball zu dieser Zeit gehasst. Das war absolut nichts für mich. Letztendlich wurde ich dann überredet mitzuspielen. Was soll ich sagen: Es hat dann doch irgendwie Spaß gemacht

Wie ging es dann weiter?

Schon in den nächsten Tagen bin ich immer in die Kneipe gerannt und habe an meiner Technik gearbeitet. Manchmal stand ich auch allein da. Zu dieser Zeit hatte ich immer einen besonderen Schuss drauf: Ich hab den Ball von links über den Platz in die rechte Ecke geschossen. Daraus entstand mein Spitzname.

Welcher?

Long-shot-Lilly. Jemand bemerkte meinen Stil und erinnerte sich an einen Film aus den Siebzigern, in dem dieser Schuss „»ong shot« genannt wurde.

So trieben Sie Ihre Gegner zur Weißglut.

Der Sprung von der Kneipe zum Verein war dann relativ schnell logisch. Es machte dann auch gar keinen Spaß mehr, weil ich für die Hobbyspieler irgendwann zu gut war. Und für die Gegner war das auch nicht schön.

Wie wurden Sie Nationalspielerin?

Ein Bekannter hat mich zu einem internationalen Turnier mitgenommen. Kurz danach erhielt ich eine Einladung vom Bundestrainer – ohne vorher zu wissen, dass es eine Nationalmannschaft gab.

Und nun sind Sie Weltmeisterin.

So kann es gehen. Man muss dazu sagen, dass es in Deutschland eine gute Basis für den Tischfußball gibt. Im Damen- und Seniorenbereich gehören wir seit Jahren zur Weltspitze.

Zum Abschluss noch die üblichen Fragen: Zählen Torwarttore doppelt, und was tun, wenn der Ball stecken bleibt?

Also: Torwarttore zählen nicht doppelt. Wenn der Ball in einer Hälfte stehen bleibt, wird er von der jeweiligen Ecke eingerollt. Bleibt er in der Mitte stecken, dann bekommt derjenige einen Anstoß, der zuvor angestoßen hatte.

Und bei einer Zu-null-Niederlage krabbelt das Verliererteam unter den Tisch, oder?

Zu-null-Spiele kommen bei den Profis selten vor. Aber ich fände es witzig, wenn man das bei uns machen würde.






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