Kirsten und die Freizeitbolzer
Ein Wochenende mit Ulf
Text: 11FREUNDE Bild: Imago
Der Traum vieler Amateurkicker: einmal ein Wochenende wie die Profis verbringen. Das wurde für den TSV Hacke-Spitze wahr – sie gewannen beim Radeberger Cup 2009 ein Trainingslager in Leverkusen. Mit Ulf Kirsten.

Es war ein kalter Tag Ende Januar, Schnee und Eis beherrschten die Republik. Kein Wetter, bei dem man ohne guten Grund vor die Tür geht. Erst recht nicht, um längere Strecken zu bewältigen. Eine Gruppe junger Männer aus Haßleben bei Erfurt begab sich dennoch auf ihre Reise; fast 400 Kilometer lagen vor den Spielern des TSV Hacke-Spitze, von denen die meisten auch im heimischen Kreisligaklub der SV Olympia Haßleben aktiv sind. Dort heißen die Ziele auf Auswärtsfahrten Tunzenhausen, Kölleda oder Sprötau, aber an diesem Tag ging es – nach Leverkusen.
Der Radeberger Cup ist das größte Hobbyfußball-Turnier in ganz Deutschland und wird in diesem Jahr zum vierten Mal veranstaltet. An den Vorentscheidungen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg sowie dem Finale in Dresden nahmen 2009 insgesamt 570 Mannschaften teil. Nach ihrem knappen Finalsieg im Neunmeterschießen gewannen die Sieger aus Haßleben neben dem obligatorischen Bier- und Pokalpreis auch ein komplettes Fußballwochenende in Leverkusen – Unterkunft, Trainingseinheiten und exklusive Einblicke in das Vereinsumfeld von Bayer 04 inklusive.
»Wir hatten schon gemischte Gefühle im Vorfeld«, berichtet Dominic Kraft, so etwas wie der Pressewart der Mannschaft. Schließlich sollten Trainingseinheiten mit Ulf Kirsten, dem Schirmherrn des RADEBERGER CUP, auf dem Programm stehen, der die U23 von Bayer Leverkusen in der Regionalliga West betreut und auch als Spieler nicht unbedingt dafür bekannt war, sich oder andere zu schonen. »Da gab es dann schon das ein oder andere Lauftraining vorher«, sagt Kraft. Ein Wochenende mit UlfDennis Wendling, sonst Trainer bei Viktoria Köln in der NRW-Liga und an diesem Wochenende Coach der Hobbykicker, traf pünktlich um 9 Uhr auf die etwas müden, aber dennoch hochmotivierten Jungs zur ersten Übungsrunde. Trotz der suboptimalen Vorbereitung merkte man den Hacke-Spitze-Spielern den Spaß am Kicken an, der an diesem Wochenende dann doch deutlich vor den fußballerischen Ambitionen stand. »Naja, mir wurden schließlich ja auch elf weiße Brasilianer versprochen«, lacht Dennis.
Am Nachmittag wurden die Amateurfußballer dann doch wieder etwas nervös, endlich stand das Treffen mit dem ehemaligen Bundesligatorjäger Ulf Kirsten bevor. Doch statt der befürchteten Todesläufe und militärischer Drilleinheiten kam der »Schwatte« mit einem Vorschlag, der für Begeisterung sorgte: Eine verkürzte Trainingseinheit und anschließend das gemeinsame Schauen der Bundesligakonferenz mit Bier, Fachsimpeleien und dem kollektiven Lachen über Bochums rosa Auswärtsfummel. iner, der vor dem Training ohnehin keine Angst hatte, ist Etienne Kämmerer. Er war der traurige Held des Turniers, auf dem Weg zum Titelgewinn verletzte er sich am Knie – Kreuzbandriss. Trotzdem begleitete er die Jungs natürlich auf ihrem Bundesligawochenende, auch wenn er den Trainingseinheiten unter Kirstens Obhut nur als Zuschauer beiwohnen konnte.
»Das Niveau der beim RADEBERGER CUP auflaufenden Mannschaften ist Jahr für Jahr gestiegen, trotzdem ist der Spaß doch immer noch das wichtigste«, erläutert Kirsten. »Klar sieht man in Punkto Schnelligkeit, Tempo, Technik und taktisches Verständnis noch große Unterschiede zu den Profis, trotzdem haben die Jungs die Ernsthaftigkeit der Großen - wenn man mal von den paar Bierchen absieht«, fügt der Schirmherr des Turniers in Gedanken an die abendliche Vorbereitung der Haßlebener an. Ein Wochenende mit UlfNach der letzten Trainingseinheit am Sonntag, die trotz der dritten Halbzeit m Samstagabend noch gemeistert wurde, fand das Wochenendprogramm seinen Höhepunkt: Neben der Stadionführung, die von der Ersatzbank über den Spielertunnel bis zum Pressebereich kaum einen Fleck der BayArena unerforscht ließ, bekamen die Hobbykicker beim Besuch des Leverkusener Heimspiels gegen den SC Freiburg echte Bundesligastimmung im Stadion mit. Damit nicht genug: Ulf Kirsten hatte noch ein ganz besonderes Souvenir für das Haßlebener Vereinsheim parat. Kurzfristig organisierte er ein Trikot mit den Unterschriften des aktuellen Tabellenführers. Alles Extramotivation für eine erfolgreiche Titelverteidigung im nächsten Jahr?
»Das wird schwer, vor allem als amtierender Sieger wird man natürlich immer gejagt«, weiß Kraft. »Da braucht es neben Können auch einiges an Glück – aber nach all den großartigen Erfahrungen an diesem Wochenende werden wir es definitiv wieder versuchen«, verspricht der junge Techniker. Bis dahin heißen die Ziele auf den Wochenendfahrten aber erst einmal wieder Tunzenhausen, Kölleda oder Sprötau.







