Der 11FREUNDE-Floskel-Check (1)
Die Unverdienten
Text: Stefan Wallasch Bild: Imago
Die Rede vom »unverdienten Sieg« ist nicht neu. Ungewöhnlich ist, dass ein Trainer damit die eigene Mannschaft meint. Derweil sich auch immer wieder die Frage stellt, ob es ihn überhaupt gibt: den unverdienten Sieg.
Am letzten Wochenende diktierte Arminen-Trainer Michael Frontzeck den Reportern in die Blöcke, seine Mannschaft habe wohl »unverdient gewonnen«, müsse sich dafür aber »nicht entschuldigen«.
Richtig ist der zweite Teil der Analyse. Niemand sollte sich dafür entschuldigen müssen, gewonnen zu haben. Auch nicht bei unverdienten Siegen? Auch dann nicht. Es gibt keine unverdienten Siege. In der an kuriosen Floskeln nicht eben armen Fußball-Welt ist der unverdiente Sieg vielleicht die kurioseste, gern und oft sprachlich variiert als »bessere Mannschaft, die verloren« habe.
Ein Spiel – und gerade Floskelfreunde sollten das wissen – dauert 90 Minuten; und manchmal noch ein bisschen länger. Haben Sie schon einmal 90 Minuten in einem tristen Wartezimmer gesessen? Oder anderthalb Stunden lang eine volle 2-Liter-Flasche am ausgestreckten Arm gehalten? Wer es in 90 langen Minuten nicht schafft – gegen das hinterher dann als schlechtere Mannschaft deklarierte Team – ein Tor zu schießen, der kann sehr vieles gewesen sein: engagierter, zweikampfstärker, spielfreudiger. Lauffreudiger. Passsicherer. Er kann im Grunde alles gewesen sein, nur eines nicht: besser.
Weil man Scheiße am Fuß hatte, war man heute eben mal nicht besser
Wenn man über Attraktivität, Kreativität oder Kampfgeist sprechen möchte, benenne man das und rede darüber. Wenn man wissen möchte, wer besser war, werfe man einfach einen Blick auf die Anzeigetafel – statt ratlos in die Kameras zu gucken und ungute Floskeln zu erfinden.
Gewiss, gibt so Tage. Man spielt den Gegner schwindlig oder an die Wand oder beides, aber das Ding geht nicht rein. »Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.« (Andreas Brehme) Der Trick besteht allerdings darin, die Dinge dann nicht durcheinander zu bringen. Man war nicht eigentlich besser, hatte aber leider Scheiße am Fuß; sondern weil man Scheiße am Fuß hatte, war man heute eben mal nicht besser. Von zwanzig sensationell herausgespielten Chancen keine reinzumachen, ist: nicht gut. Wenn der Gegner dann aus einer durch einen sensationellen Fehlpass eingeleiteten Chance ein Tor macht, dann ist das: gut. (Im übrigen gehört es andersrum zum besser sein dazu, keine sensationellen Fehlpässe zu spielen.)








