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18.03.2009

Der 11FREUNDE-Floskel-Check (1)

Die Unverdienten

Text: Stefan Wallasch  Bild: Imago

Die Rede vom »unverdienten Sieg« ist nicht neu. Ungewöhnlich ist, dass ein Trainer damit die eigene Mannschaft meint. Derweil sich auch immer wieder die Frage stellt, ob es ihn überhaupt gibt: den unverdienten Sieg.

Der 11FREUNDE-Floskel-Check (1) - Die Unverdienten


Am letzten Wochenende diktierte Arminen-Trainer Michael Frontzeck den Reportern in die Blöcke, seine Mannschaft habe wohl »unverdient gewonnen«, müsse sich dafür aber »nicht entschuldigen«.



Richtig ist der zweite Teil der Analyse. Niemand sollte sich dafür entschuldigen müssen, gewonnen zu haben. Auch nicht bei unverdienten Siegen? Auch dann nicht. Es gibt keine unverdienten Siege. In der an kuriosen Floskeln nicht eben armen Fußball-Welt ist der unverdiente Sieg vielleicht die kurioseste, gern und oft sprachlich variiert als »bessere Mannschaft, die verloren« habe.

Ein Spiel – und gerade Floskelfreunde sollten das wissen – dauert 90 Minuten; und manchmal noch ein bisschen länger. Haben Sie schon einmal 90 Minuten in einem tristen Wartezimmer gesessen? Oder anderthalb Stunden lang eine volle 2-Liter-Flasche am ausgestreckten Arm gehalten? Wer es in 90 langen Minuten nicht schafft – gegen das hinterher dann als schlechtere Mannschaft deklarierte Team – ein Tor zu schießen, der kann sehr vieles gewesen sein: engagierter, zweikampfstärker, spielfreudiger. Lauffreudiger. Passsicherer. Er kann im Grunde alles gewesen sein, nur eines nicht: besser.

Weil man Scheiße am Fuß hatte, war man heute eben mal nicht besser

Wenn man über Attraktivität, Kreativität oder Kampfgeist sprechen möchte, benenne man das und rede darüber. Wenn man wissen möchte, wer besser war, werfe man einfach einen Blick auf die Anzeigetafel – statt ratlos in die Kameras zu gucken und ungute Floskeln zu erfinden.

Gewiss, gibt so Tage. Man spielt den Gegner schwindlig oder an die Wand oder beides, aber das Ding geht nicht rein. »Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.« (Andreas Brehme) Der Trick besteht allerdings darin, die Dinge dann nicht durcheinander zu bringen. Man war nicht eigentlich besser, hatte aber leider Scheiße am Fuß; sondern weil man Scheiße am Fuß hatte, war man heute eben mal nicht besser. Von zwanzig sensationell herausgespielten Chancen keine reinzumachen, ist: nicht gut. Wenn der Gegner dann aus einer durch einen sensationellen Fehlpass eingeleiteten Chance ein Tor macht, dann ist das: gut. (Im übrigen gehört es andersrum zum besser sein dazu, keine sensationellen Fehlpässe zu spielen.)


weiterlesen [1] [2]





Kommentare

  • User
  • 18.03.2009 10:57:07 Teuton1c

    Grundsätzlich würde ich die Aussage sogar unterstützen, dass die Siegermannschaft irgendwas richtig gemacht haben muss. Aber gerade der Vergleich zu anderen Sportarten entlarvt doch das Problem und rechtfertigt nicht die Argumentation des Autors! Beim Basketball gibt es pro Spiel eher 70 Treffer, als beim Fußball 2,4x. Beim Sprinten kommt es kaum auf Glück an. Beim Tennis gibt es auch unzählige einzeln gewertete Spielzüge. Und beim Fußball zählt eben nur das Tor. Damit nimmt natürlich auch der Faktor Glück enorm zu. Solange der Autor von verdient und unverdient gesprochen hat, war die These vollkommen richtig. Aber man sollte die Kritik nicht auf die Rede von besseren oder schlechteren Teams ausweiten. Ich kann Hin- und Rückspiel gegen eine Mannschaft verlieren und am Ende doch in der Tabelle vor ihr stehen. Wer ist denn jetzt besser?

  • User
  • 18.03.2009 11:29:35 ColePorter

    "engagierter, zweikampfstärker, spielfreudiger. Lauffreudiger. Passicherer." Für mich sind das alles Kriterien für die Qualität einer Mannschaft und damit auch für die Frage, welche Mannschaft auf dem Platz "besser" war.

    Allerdings stimme ich dem Autor im letzten Satz zu.
    "Wer es nicht schafft zu gewinnen, der hat es auch nicht verdient."

    Eine Mannschaft ohne Siegeswillen (und dem nötigen Quentchen Glück) wird nie in den oberen Tabellenregionen zu finden sein...

  • User
  • 18.03.2009 12:10:55 Stehkragen

    Irgendwo liegt das Besser sein doch im Auge des Betrachters...

    Je nach dem was für eine Vorstellung der Betrachter vom Fußball hat beurteilt dieser doch das "bessere Team" anders.
    Wer auf Kampf und Schlamschlacht steht der mag vielleicht den FCB fast immer als schlechteres Team sehen - und dennoch gewinnen Sie oft. Denn ob 3-4 gelungene Einzelleistungen die Gerechtferigung sind, sich als "bessere Manschaft" zu bezeichnen, sei mal so dahin gestellt! Und das sag ich als Bayernfan...

    Irgendwo kommt man bei dem Thema eh auf keinen grünen Zweig!
    Also was solls

  • User
  • 18.03.2009 12:26:24 wojcicki

    Das ist doch ein eindeutiges Plädoyer für Effizienzfußball!

    Blanke Zahlen gegenübergstellt (Quelle. wahretabelle.de):

    Laufende Saison: Karsruhe - Hertha BSC - Höchstwert - Tiefstwert

    Ballbesitz in % 51,8 - 47,6 - 56,3 (München) - 43,9 (Cottbus)
    Chancen 119 - 115 - 190 (München) - 90 (Cottbus)
    Torschüsse 337 - 273 - 448 (München) - 266 (Cottbus)


    Ballbesitz ist schön, Großschancen toll, one-touch spektakulär, ohne Tore aber wertlos!
    Alle Mannschaften, die Spielführung und -anteile dem Gegner überlassen, scheinen augenscheinlich schlechter zu sein. Aber warum spielen Teams wie zur zeit Hertha oder damals Chelsea unter Mourinho (fiel mir gerade so ein) solchen Fußball? Warum lecken sich Hunde die Eier? Weil sie´s können! Weil sie sich darauf verlassen können, mit Wenigem etwas anfangen zu können und andererseits trotz mangelnder Spieldominanz kaum Tore zuzulassen. Das ist nicht attraktiv, auch für den eigenen Fan meistens nicht, aber effizient.

    Wer sich nach der Saison etwas auf den Briefbogen setzen darf, hat alles richtig gemacht. Wer zweimal verdient den Meister geschlagen hat, hat auch einiges richtig gemacht, aber halt mit Blick auf einen länger dauernden Wettbewerb nicht alles. Er ist nicht besser!

    Fußball ist kein Glücksspiel. Und kein Schönheitswettbewerb, auch wenn´s dann mehr Spaß macht! Das Ziel ist es, mehr Tore als der gegener zu schießen. Wer das schafft, gewinnt! Wer gewinnt, hat´s verdient!
    Schöner gibt´s nicht, besser schon!

  • User
  • 18.03.2009 13:32:39 UrmelAusmEis

    Ich nehme an, dass der Artikel ganz bewusst den Schiedsrichter ausklammert. Ist wohl besser so, denn mit der "Gerechtigkeit" der Entscheidungen steht und fällt die These.

    So war der 4:2-Sieg Paderborns gegen den HSV im DFB-Pokal 2004 unbestreitbar unverdient.

  • User
  • 18.03.2009 13:37:33 bobby171

    VERDIENT hatte an dem Spiel vor allem der Schiri, aber unverdient!

  • User
  • 18.03.2009 16:44:48 AbteilungAttacke

    Ach, das mit dem Schiedsrichter stimmt so nu auch nicht, denn auch da gilt, was der Autor gesagt hat: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und auch wenn der Schiedsrichter blind und dumm ist, wenn man WIRKLICH ach-so-überlegen ist, kann/muß man auch solche Spiele gewinnen. Zu dieser Aussage stehe ich umso mehr, als dass ich jahrelang Unparteiischer in einer Sportart spielen durfte, wo deutlich weniger Zeit zum Herbeiführen von Punkten zur Verfügung steht - und dort war es nicht anders. Wenn es dann mal um ein oder zwei Punkte ging, hatte der vermeindlich Benachteiligte genug Zeit vorher, ausreichend Punkte/Teffer/Tore anzusammeln. Nicht zuletzt dafür ist die Spielzeit ja da.
    Eine Fehlentscheidung ist dabei wie das Vorbeischießen einer sogenannten "100%" Torchance - nicht umsonst gilt in so gut wie jeder Sportart die Entscheidung des Schiedsrichters/Unparteiischen als Tatsachenentscheidung.

    Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel (o.g. Pokalspiel mag dazugehören), von gekauften Schiedsrichtern ganz zu schweigen. Darum wär ich für die beschränkte Einführung des Videobeweises.
    Aber so oder so muß es schon deutlicher als 1:3 oder gar 1:2 ausgehen, ehe ein Schiedsrichter allein ein Spiel "verpfiffen" hat.
    Da hilft ausnahmsweise mal eine Anedokte von Thomas Helmer, der während eines Spiels einen Schiedsrichter fragte, was dieser wieder für eine schlechte Schiedsrichterleistung abliefer würde. Die Antwort den Schiedsrichter sinngemäß: "Und was spielst du heute für einen Mist zusammen?"

  • User
  • 18.03.2009 17:05:31 panamanga

    Ich finde auch, dass man sich nicht für "unverdiente Siege" entschuldigen muss... Dann müsste sich ja die deutsche Nationalmannschaft permanent entschuldigen, man denke nur an die EM 08. Und beim FC Bayern wär es dann ja ähnlich.

  • User
  • 18.03.2009 19:29:56 Forellentee

    Vor allem der Vergleich zu anderen Sportarten hinkt gewaltig - man denke nur an den Motorsport, oder andere Sportarten, in welchen das Material oft den Ausschlag gibt...

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