25 Dinge über Finanzkrisen
»Where’s your hotel gone?«
Text: Philipp Köster Bild: Imago
Zack, ist die Weltwirtschaftskrise da. Höchste Zeit also für Geschichten über verschleppte Insolvenzen, windige Retter aus dem Morgenland, und einen Army-Einkleider, der Manchester United vor der Pleite rettet.
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Über prominente Unterstützung freut sich jeder Pleiteklub, auch wenn sie so überraschend kommt wie die Sympathiebekundungen des bisweilen desorientierten Rocksängers Pete Doherty. Der hatte als Sohn eines britischen Soldaten seine Jugend am Niederrhein verbracht und gab nun zur Uerdinger Finanzkrise zu Protokoll: »Das ist ein netter kleiner Betrieb.« Ein Soli-Konzert konnte aber gerade noch verhindert werden.
2
Es sage keiner, Spendenaktionen des Fußvolks brächten nur Kleckerbeträge ein. Der FSV Oppach in der Nähe von Zittau wurde durch die Spenden von nur vier Mitgliedern gerettet. Im Einzelnen: Max Fischer gab eine Million, Willi Vietze, Emil Salwesky und Ignaz Liebscher jeweils 500000 Mark. Die Höhe der Zuwendungen relativiert sich durch das Jahr der Spende. 1923 war das, es handelte sich um Reichsmark und Deutschland ächzte unter der Inflation.
3
Hierzulande sind auch Deutsche Meister nicht vor dem Aus durch Bankschulden gefeit. Der erste Deutsche Meister VfB Leipzig schlitterte gleich zweimal in die Insolvenz. 2004 war dann tatsächlich komplett Schluss, mit filmreifen Dialogen vorm Amtsgericht. Ex-Präsident Bauernschmidt etwa wollte 855000 Euro vom Pleite-Klub, der Insolvenzverwalter bot 50000 Euro an: »Einverstanden?« – »Nein!« – »Dann gibt’s gar nix!« Gab es tatsächlich nicht, der VfB wurde aufgelöst, der Nachfolgeverein Lokomotive Leipzig musste in der Kreisklasse neu anfangen.
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Schlauer stellte sich da der FC Gütersloh im Jahre 1999 an. Mit stolzen sieben Millionen Mark Schulden ging der Regionalligist spektakulär pleite, entschied sich allerdings gegen den langen Marsch durch die Kreisligen. Stattdessen fanden pfiffige Vereinsjuristen eine Lücke in der Satzung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen. Der neu gegründete Klub, sehr zukunftsorientiert FC Gütersloh 2000 genannt, durfte in der Oberliga weiterkicken, war aber sämtliche Schulden los. Peter Zwegat hätte seine Freude an den Ostwestfalen gehabt.
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Was früher nach einem monumentalen Schuldenberg aussah, kommt heute beinahe niedlich daher. Blau-Weiß 90 Berlin kickte in der Saison 1986/87 in der Ersten Liga, stieg allerdings sofort wieder ab und wurde durchgereicht. Mittlerweile heißt der Klub SV Blau-Weiß und kickt in der Berliner Bezirksliga. 2004 kommentierte der damalige Geschäftsstellenleiter Daniel Untermann: »Auf einmal war das ganze Geld weg. Wobei wir mit den Schulden von damals heute ganz oben mitspielen könnten. Das waren nur drei Millionen Mark.«
Aus Heft #87 02/2009








