DFB vs. Weinreich
Die Grenze überschritten
Text: Max-Jacob Ost Bild: Imago
Seit Wochen schwelt der Konflikt zwischen dem DFB und dem freien Journalisten Jens Weinreich. Durch das harte Vorgehen des DFB ist aus dem Einzelfall eine Frage über die Grenzen der Meinungsfreiheit geworden.
Seit Monaten führt der Deutsche Fußballbund einen Rechtsstreit mit dem Brandenburger Journalisten Jens Weinreich. Anstoß war ein Kommentar des freien Journalisten zu einem Blogbeitrag über die Entscheidung des Bundeskartellamtes zum Vermarktungsmodell der TV-Rechte. In seinem Kommentar hatte Weinreich das Verhalten von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger beim Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes beschrieben und ihn als »unglaublichen Demagogen« bezeichnet.
Zwanziger fühlte sich dadurch als Volksverhetzer dargestellt. »Beim Stichwort ›Demagoge‹ denke ich an Goebbels«, erklärte er später in einem Interview mit Oliver Fritsch, dem Betreiber des Blogs, in dem Weinreich sich geäußert hatte. Was dem Blogkommentar folgte, war ein wochenlanger Rechtsstreit: Der DFB verlangte von Weinreich durch Unterzeichnung einer einstweiligen Verfügung den Begriff zurückzunehmen. Der Journalist weigerte sich, da er die Deutung des Begriffes »Demagoge« wesentlich weiter fasste, als der DFB-Präsident. Zwei Gerichtsurteile unterstützen diese Auffassung.
Durch eine pikante Begebenheit erhielt die von Seiten Weinreichs öffentlich dokumentierte Auseinandersetzung neuen Schwung: Auf einer Podiumsdiskussion soll Zwanziger verschiedenen Quellen zufolge dem Moderator »demagogische Fragen« vorgeworfen haben. Die Anklage für ein drittes Verfahren gegen Weinreich hat der DFB nun fallen gelassen. In einer Pressemitteilung begründet der Deutsche Fußballbund dieses Umdenken mit zwei »Erklärungen« von Weinreich und dem Chefredakteur des »Gießener Anzeigers«, der über die besagte Podiumsdiskussion berichtet hatte.
In der Pressemitteilung, die laut Weinreich auch per Mail an wichtige Sportfunktionäre versendet wurde, wirft der DFB dem Journalisten eine »seit fast vier Monaten initiierte Kampagne gegen Dr. Theo Zwanziger« vor. DFB-Generalsekretär Niersbach sieht »die Grenzen der Meinungsfreiheit eindeutig überschritten, um die Integrität des DFB-Präsidenten unverantwortlich in Frage zu stellen.« DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch verteidigt das Vorgehen des Fußballbundes: »Wer die Vita und das konsequente Engagement von Theo Zwanziger im Kampf gegen Neo-Nazis kennt, versteht selbstverständlich seine Reaktion. Denn als Demagoge wird ein Volksverhetzer bezeichnet, der sich einer strafbaren Handlung schuldig macht.«
Jens Weinreich hat die gesamte Auseinandersetzung in seinem Blog öffentlich gemacht. Er streitet ab, eine entschuldigende Erklärung beim DFB abgegeben zu haben. In seinem Blog wehrt er sich gegen seiner Meinung nach »18 Lügenkomplexe«, die in der Pressemitteilung enthalten seien. Durch die öffentliche Stellungnahme des DFB, in der unter anderem keines der beiden Urteile zugunsten Weinreichs erwähnt wird, sieht er sich in seiner Existenz als freier Journalist bedroht. »Der Inhalt dieser Mitteilungen lässt mir als Betroffenem mäßige Interpretationsmöglichkeiten: Es geht einzig und allein darum, die Wahrheit zu beugen, mich zu diffamieren, meine Integrität, Kompetenz und Professionalität als Journalist in Frage zu stellen und damit meine wirtschaftliche Existenz als freier Journalist zu gefährden«, schreibt Weinreich in seinem Blog.








