Farbenblindheit im Fußball
»Nimm dat gelbe Ding da wech!«
Text: Alex Raack Bild: Imago
Das haben die Urväter nicht gewollt, als sie den Tuschkasten rausholten: Seit Werder grün ist und Bayern rot, Dortmund gelb und Schalke blau, stellt sich die Welt für die Fans recht eintönig dar. Das führt zu Pannen im Alltag.
John Pettigrew, ein 58-jähriger Klempner aus London hat seit einigen Tagen eine ganz besondere Einstellung zum fußballerischen Farbenspiel. Seit der gute Mann sein, hüstel, hüstel, Liebesspiel etwas auffrischen wollte und sich gleich mal eine Überdosis Viagra in den liebeshungrigen Körper zwängte, sieht Pettigrew seine Umgebung nur noch blau. Er habe schlicht den Packungshinweis der, wie Kenner wissen, in blau gehaltene Erektionspille übersehen, der bei einer Überdosis mögliche Sehstörungen prognostiziert.
Nun rennt der einst schlaffe Klempner erbarmungslos in blau getaucht durch Englands Hauptstadt und jammert: „Ich hatte einfach zu viel Spaß - aber wie gerne würde ich auf allen Sex der Welt verzichten, wenn ich dafür wieder einen roten Briefkasten erkenne.“ Der Knaller (und Grund dafür, dass sich diese Meldung auf dieser Seite wiederfindet) war allerdings erst am Ende seines Statements zu finden. Pettigrew fand das Glück im Unglück: „Wenigstens bin ich Chelsea-Fan!“ Nicht auszudenken, was der arme Kerl sich antun würde, wenn er statt der steinreichen „Blues“ die „Red“ aus Liverpool favorisieren würde!
Ein Dämon, eine Vision?
Auch hierzulande gibt es ähnliche Farb-Anekdoten, die die widersprüchliche Einstellung hart gesottener Fußball-Fans verdeutlichen. Fast schon legendär ist das Gelsenkirchener Ehepaar, das sich am Tag vor dem Derby gegen die verhasste Borussia aus Dortmund zum gemütlichen Kuchenessen im Garten eingefunden hatte. Während sie ihren durch und durch „Königsblauen“ mit Kaffee und Torte verwöhnt, stößt er sich plötzlich hasserfüllt vom Esstisch ab und funkelt barbarisch die schöne Sachertorte an. Ein Dämon, eine Vision? Eine psychotische Wahnvorstellung? Nein! Zähnefletschend gibt der Mann die Antwort: „Nimm dat gelbe Ding da wech!“ Eine gelb-schwarz geringelte Biene hatte sich auf seinem Kuchenteller niedergelassen. dass es der Gelsenkirchener Imkerschaft noch nicht gelungen ist, blaue Insekten zu züchten, bleibt ein Ärgernis.
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