Umstrittene Währungsreform am Millerntor
Die Rechnung ohne Fan gemacht
Text: Bastian Henrichs Bild: Imago

Vergangene Woche, als Hannover 96 zu einem Freundschaftsspiel am Millerntor zu Gast war, bekamen die St.Pauli-Fans irritierende Flugblätter in die Hand gedrückt. Darauf stand, dass ab dem ersten Spiel der Rückrunde am Millerntor ein neues Zahlungsmittel eingeführt werde. An Bier- und Bratwurstständen solle nur noch mit dem „Millerntaler“ bezahlt werden, welchen die Stadionbesucher an separaten Verkaufsstellen erwerben könnten. Dadurch solle die Arbeit der Verkaufskräfte erleichtert und der Service verbessert werden. Ein Taler gleich ein Bier oder eine Bratwurst, so die Rechnung. Dadurch soll das ständige Zählen und Herausgeben von Wechselgeld wegfallen. Was nicht auf den Flyern stand: Außerdem hofft der Verein natürlich auf Mehreinnahmen durch bezahlte aber nicht eingelöste oder zurückgegebene Taler.
Aber die St.Pauli-Fans lassen sich nicht so einfach von der Macht des Marktes überzeugen, wie es auf Schalke, in München oder in Frankfurt der Fall ist. Dort wird bereits seit einiger Zeit auf neue Zahlungsmittel gesetzt. Gewinnorientiertes Marketing wird, so war es auch beim angedachten Verkauf des Stadionnamens, auf St.Pauli nicht akzeptiert. Zumindest nicht solange die Fangemeinde auf der Verliererseite steht.
„Neumodischer Schnickschnack“ und „Firlefanz“
Noch am Tag der Ankündigung quollen die Internetforen der St.Pauli-Anhänger über. Kommentare wie „neumodischer Schnickschnack“ und „Firlefanz“ gipfelten schließlich in einer Online-Petition, die zum Boykott gegen den „Millerntaler“ aufrief. Die trinkfreudigen Astra-Liebhaber wollen zukünftig auf ihr Bier im Stadion verzichten und so dem Präsidenten Corny Littmann deutlich machen, dass die Träger der Totenkopf-Fahnen erst nach ihrer Meinung gefragt werden wollen.
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