Achterbahn der Gefühle
Schaaf in Love
Text: Thorsten Schaar Bild: Imago

Bremen verlor also schon wieder in Barcelona (und kassierte dabei so viele Gegentore wie zuvor in elf Pflichtspielen zusammen), die Stammspieler Tim Wiese und Clemens Fritz verwirkten ihren Einsatz im Halbfinal-Rückspiel (aufgrund von ausgewiesener, selbstverschuldeter Dämlichkeit), und Miroslav Klose zeigte sich zunehmend erschöpft von illegalen Treffen in Airport-Hotels (die SAT.1-Studenten notierten lediglich elf Ballkontakte für ihn). Was alles hätte man Thomas Schaaf fragen können in diesem Moment!
Doch wo waren wir da hereingeraten? Die Kamera zeigte den Werder-Trainer zwar in einem improvisierten Fernsehstudio, aber die Fragestunde fiel heute leider aus. Und wenn man etwas genauer hinschaute, strahlte der als knorrig verschriene Bremer, als hätte sein Team gerade die Champions League gewonnen. Er lauschte offensichtlich belustigt dem Mann, den Sie auch aus erfolgreichen Sendungen kennen wie "Die Comedy-Falle", "Stars am Limit" oder "Nur die Liebe zählt". Kai Pflaume, der Troy McClure des deutschen Privatfernsehens, moderierte den Europapokalabend. Beim Marsch durch die Institutionen ist der umtriebige Ernährer zweier Kinder (Marvin und Leon) jetzt beim Fußball angekommen.
Überraschung für Schaaf
Der einfache Grund für seine Präsenz im Olympiastadion von 1992: Seitdem alle kundigen Fußballzuschauer zum Pay-TV abgewandert sind, hat sich im Free-TV ein Fußballprekariat entwickelt, das rund um das Spiel betreut werden muss. Thomas Schaaf spielte das Spiel in dieser lauen Sommernacht souverän mit, indem er ausdauernd strahlte. Und plötzlich hatten wir im "Cageball-Center" in Düsseldorf eine Vision: Schaaf war gar nicht ins Studio gelockt worden, um über die korrekte Zuordnung bei Standardsituationen zu reden. Der Mann mit dem blonden Oberlippenbartflaum sollte eine ganz andere Mission erfüllen. Kai Pflaume zog plötzlich eine Karteikarte hervor, zumindest auf unserer Großleinwand, und sagte: "Thomas, den wahren Grund, warum Du heute hier stehst, kennen wohl nur wenige der Millionen Fußball-Fans vor dem Bildschirm: Deine alte Jugendliebe Melanie aus Mannheim hat sich vor einigen Wochen in einem rührenden Brief an uns gewandt. Hier ist ihre Video-Botschaft an Dich!" Keine fünf Minuten später hatte Schaaf seinen Ehering abgestreift und achtlos auf dem Stehtisch abgelegt. Er schlüpfte aus seinem ewigen "WERDER"-Kapuzenpullover, legte das grauenhafte Textil einer drallen Mittvierzigerin um den Hals und entschwand aus dem Studio. Dabei würdigte er Ivan de la Peña und Thomas N´Kono keines Blickes.
Kai Pflaume hat derweil bekannt gegeben, welchen Traum er sich als nächsten erfüllen möchte. Der 39-Jährige plant ernsthaft, als Privatier zum Mond zu fliegen. Dass er sich offenbar doch eher in der Tradition von Sigmund Jähn sieht als in der von Jürgen Sparwasser, sollte uns alle hoffen lassen.
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