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Malawi – Ägypten 1:0

Ein Traum für einen Abend

Text: Daniel Erk  Bild: Daniel Erk

Das kleine Malawi im Süden Afrikas ist nicht mit Glück gesegnet. Die Mehrheit der Menschen lebt von weniger als einem Dollar am Tag, und die HIV-Infektionsrate beträgt knapp 15 Prozent. Der Fußball bietet eine Fluchtmöglichkeit aus diesem Alltag.

Malawi – Ägypten 1:0 - Ein Traum für einen Abend


WM-Qualifikation, Blantyre, Malawi: Kamuzu Stadium, 14. Juni 2008, 45 000 Zuschauer

Im Stadion in Blantyre, noch heute nach dem einstigen Diktator Kamuzu benannt, bröselt der Beton, die Farbe bröckelt ab und die Damentoiletten bleiben verriegelt. Man habe, wie eine Polizistin schulterzuckend erklärt, den Schlüssel verloren. Seit dem Morgen werden die Schlangen immer länger; am Mittag umfassen sie das halbe Stadion.

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Es ist das Spiel des Jahres. Der Eintritt beträgt 200 Kwacha – 90 Cent. Drinnen verkaufen fliegende Händler Softdrinks, Erdnüsse, Eis und Brötchen, Alkohol ist im Stadion verboten. Das stört die rüpelhaft durch die Sitzreihen tanzenden Jugendlichen wenig; sie sind ohnehin längst betrunken. Ihr Treiben wird verächtlich verfolgt von den mit Maschinengewehren und Pistolen, Messern und Gummiknüppeln bewaffneten Polizisten.

Im vorangegangenen Spiel hatten die roten »Flames« Dschibuti mit 8:1 geschlagen – nun soll der zweimalige Afrikameister Ägypten sein Waterloo erleben. Gleich in der ersten Minute kommen die »Pharaos« vor das malawische Tor, doch die Abwehr steht. Bald knallt ein Schuss der Malawier an die Latte, und das Stadion schreit auf. Ansonsten ist das Publikum ruhig: Viele haben Radiogeräte dabei, um genau mitzubekommen, was passiert. Anzeigentafel und Stadiondurchsagen gibt es nicht.

In der Halbzeit kommt es zu unschönen Szenen: Innerhalb von Sekunden weitet sich eine Rangelei zwischen malawischen Fans zu einer Schlägerei aus; die Polizei greift ein. Mit auf Meterlänge zugeschnittenen Gartenschläuchen schlagen sie auf die Schläger ein.

Nach dem Wiederanpfiff beherrscht Malawi das Spiel, wenn auch nicht zwingend. Die Ägypter wirken genervt, überheblich und lustlos, und als es nach 89 Minuten noch immer 0:0 steht, wechselt der malawische Trainer. Und, tatsächlich: Kaum eine Minute später schießt der eingewechselte Chiukepo Msowoya das 1:0. Im Stadion gibt es kein Halten mehr. Menschen schreien auf, fallen sich in die Arme, jubelnd. Wenn schon die hiesige Wirklichkeit keine Träume zulässt, dann darf Malawi wenigstens für einen Abend von der WM 2010 in Südafrika träumen.


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