14.11.2012

Zwischen Genie und Wahnsinn! Wie Bondscoach Louis van Gaal die Fußballwelt polarisiert

Louis gegen den Rest der Welt

Gute anderthalb Jahre nach seiner Demission beim FC Bayern München keilt Louis van Gaal gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Klar ist: Mit Louis van Gaal wird es nie langweilig. Was oft vergessen wird: Mit Louis van Gaal ist man meistens auch sehr erfolgreich. Eine Trainerexistenz zwischen den Extremen.

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»Auf meiner Position spielt ein Älterer«, trompetete ein junger Louis van Gaal Anfang der Siebziger Jahre durch die niederländische Presse. »Die Leute bei Ajax erkennen nicht, dass ich besser bin als der. Sie geben mir keine Chance.« Van Gaal war aus der Ajax-Jugend zu den Profis gekommen, blieb dort aber ohne einen einzigen Einsatz, wechselte in die Bedeutungslosigkeit der belgischen Liga zu Royal Antwerp, zurück nach Holland zu Telstar und schließlich zu Sparta Rotterdam, wo er eine bescheidene sportliche Heimat fand. Eine Weltkarriere sieht anders aus. Der »Ältere« übrigens, von dem Van Gaal meinte, er sei »besser als der«, war als Aktiver ungleich erfolgreicher: Es war kein geringerer als Johan Cruyff.

Dass Van Gaal schon als Nachwuchskicker ohne Profierfahrung die eigenen Fähigkeiten höher einschätze als die von Cruyff, einem der unbestreitbar besten Fußballer der Geschichte, passt zu dem Bild, dass man hierzulande vom ehemaligen Bayern-Trainer hat. Und welches Van Gaal selber kräftig mitgestaltet. Man kann ihn nicht einfach mögen oder nicht mögen, man liebt ihn oder hasst ihn. Bis in den Grenzbereich schierer Arroganz selbstbewusst, dabei aber doch auch immer wieder für einen charmanten Lacher gut und nicht zuletzt chronisch erfolgreich: Van Gaal macht es einem nicht einfach. Zumal das Spiel mit den Medien eine von Van Gaals Paradedisziplinen ist und man nie sicher weiß, welche Aussage tatsächlich so gemeint ist und welche nur dem eigenen Mythos vom strengen, kantigen General dient. Wenn Van Gaal gegenüber der »Bild« sagt, Joachim Löw sei erfolglos als Trainer, wird er das beizeiten bei einem Rotwein mit Löw relativieren. Ebenso liest sich eine Schlagzeile wie »Mourinho musste tun, was ich sage« ganz anders in dem Wissen, dass die beiden Erfolgstrainer seit der gemeinsamen Zeit beim FC Barcelona ein gutes Verhältnis pflegen. Was ist also Show und was nicht? Und warum hat ein Trainer wie Van Gaal diese Show überhaupt nötig?

Denn prinzipiell sprechen seine Erfolge für sich. Nach der unspektakulären Spielerkarriere wechselte Van Gaal nahtlos ins Trainerfach und gelangte dort recht bald an die Spitze seiner Zunft. UEFA-Cup-Sieger, dreifacher holländischer Meister und als Krönung der Triumph in der Champions League 1995 mit einer jungen, spektakulären Ajax-Mannschaft lesen sich auf dem Briefkopf der ersten Cheftrainerstation nicht schlecht. Auch beim FC Barcelona war Van Gaal erfolgreich und zweimal Meister, auch wenn das Publikum nie mit dem Holländer warm wurde, der als erste Amtshandlung die von Cruyff installierte Nachwuchsförderung kritisiert und Nachwuchsspieler im Kader durch holländische Topstars ersetzt hatte. Nach dem Verpassen der Qualifikation zur WM 2002 mit Holland folgte ein erneutes, halbjähriges Intermezzo beim FC Barcelona und anschließend 2005 der Trainerjob beim FC Alkmaar. Was klingt wie eine Karrieresackgasse, schien für Van Gaal eher Ansporn zu sein: 2009 führte er den Underdog überraschend zu holländischen Meisterschaft. So viel Erfolg rief schließlich den FC Bayern auf den Plan, wo Van Gaal das Double gewann und 2010 dorthin vorstieß, wo der Verein seinem Selbstverständnis nach hingehört: ins Champions-League-Finale. Warum also jetzt das böse Blut?

 
 
 
 
 
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