Zwei iranische Teams feiern den Titel

»Plötzlich war das Bild weg«

Letzter Spieltag, drei Teams gleichauf, zwei davon im direkten Duell: Das Meisterschafts-Finale im Iran wurde zum Drama, weil falsche Ergebnisse übermitteltet wurden.

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Platzstürme sind etwas Schönes. In den Sekunden, in denen man als Fan den Rasen betritt, verschwindet die Anspannung einer ganzen Saison, das Zittern auf der Tribüne liegt da weit in der Vergangenheit, Endorphine tragen die Fanbeine in Richtung der Mannschaft. Fans werden plötzlich Teil der Mannschaft, umarmen Spieler, küssen sie. Es sind glückliche Sekunden im Leben eines Fußballanhängers. Wird dein Team auch noch zum ersten Mal Meister: umso schöner.

Die Fans des iranischen Erstligisten Tractor Sazi aus Täbris genossen diesen Moment letzten Freitag. Nach einigen Vizetiteln hatte der Ex-Klub von Ali Karimi soeben 3:3 gegen Naft Teheran gespielt, und alle im Stadion sahen sich am Ziel: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte waren sie Meister. Auf Bildern ist zu sehen, wie der portugiesische Trainer Toni Oliveira von lachenden Fans geküsst wird, alles schien perfekt.

Dumm nur, dass sich auf einem anderen Platz ebenfalls eine Mannschaft als Meister feiern ließ. Sepahan Isfahan gewann 2:0 gegen Saipa und überholte damit die Remis spielenden Teams aus Täbris und Teheran. Die Zuschauer am TV wurden Zeuge eines Spektakels: Auf zwei Plätzen jubelten zwei Mannschaften über den Meistertitel. 

Wie war die Ausgangslage?

Vor dem entscheidenden letzten Spieltag lag Tractor Sazi Täbris gleichauf mit Naft Teheran an der Spitze. Wie es die Dramaturgie wollte, trafen die beiden direkt aufeinander, der Sieger würde Meister werden. Dahinter lauerte mit einem Punkt Rückstand Isfahan als Dritter, nur im Falle eines Remis der beiden Topteams hätte dieser eine Chancen auf den Titel.

Zunächst lief alles wie gemalt für Täbris: 90.000 Zuschauer drängelten sich in das Stadion, das eigentlich nur 70.000 Fans Platz bietet. Zwar ging Teheran früh in Führung, doch noch vor der Halbzeit drehte Täbris das Spiel zum 2:1. In der 63. Minute fiel sogar das 3:1, Täbris war fast am Ziel. Innerhalb von fünf Minuten aber kam Teheran zurück, verkürzte, glich aus.

Ab jetzt wurde es kurios: In der 87. Minute machte in Täbris die falsche Nachricht die Runde, dass es auch in Isafahn Unentschieden stehen würde, Täbris also auch mit einem dem aktuellen 3:3 Meister werden würde. Angeblicher Urheber der Information: der Sohn des Trainers und Manager des Vereins.

Tractor Täbris spielte also auf Zeit, schließlich dachten die Spieler, auch das Remis reiche aus. Als die Partie endete, begannen die Jubelstürme, Fans und Team lagen sich in den Armen. Auch der gegnerische Trainer, Alireza Mansourian, gratulierte Täbris-Coach Oliveira zum Titel. Gleichzeitig verfolgte Naft-Teheran-Präsident Mansour Ghanbarzadeh die andere Partie in Isfahan in der Umkleidekabine des Täbriser Stadions, als plötzlich das Signal von TV, Radio und Smartphone wegbrach. »Es war bizarr«, sagte er anschließend, und plötzlich hieß es, dass es in Isfahan 2:2 stehen würde. Eine Falschmeldung.

Nur die TV-Kommentatoren und die Millionen Zuschauer an den Fernsehern sahen, dass das Spiel in Isafahn weiterhin bei 2:0 stand und fassten es nicht, was sie gerade live sahen. Das Setting ähnelte sehr der Vier-Minuten-Meisterschaft der Schalker 2001.

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