Zur Stadiondiskussion in Saarbrücken

Bühne ohne Show

Der 1. FC Saarbrücken ist wieder da, wo er nach Meinung der Anhänger wieder hingehört: Im Profifußball. Um sich dauerhaft zu etablieren fehlt nur noch ein neues Stadion. Doch der Klub steckt in einer echten Zwickmühle. Zur Stadiondiskussion in Saarbrücken Sie haben tief durchgeatmet an der Saar. Seitdem man beim 1. FC Saarbrücken die Regionalliga nach oben hin verlassen hat, ist die Sehnsucht nach großem Fußball ein kleines bisschen gestillt worden. Es waren zwei harte Jahre, die der Verein in den Unweiten einer Wüste verbracht hatte, die sich da Amateurfußball nennt. Und der Durst, der die ohnehin leidgeprüfte Anhängerschaft des FCS befallen hatte, war immens gewesen. Er war von solchem Ausmaß, dass die Mannschaft im Jahr 2009 von tausenden Anhängern zum Saarderby in Homburg begleitet wurde. Die Gästekurve im Waldstadion des ortsansässigen FC 08 glich an diesem sonnigen Nachmittag einem sehnsuchtsdurchtränkten Liebesbrief an den blau-schwarzen Club aus der Landeshauptstadt. Eingerahmt von zahlreichen bengalischen Fackeln schmückte beim Einlauf der Mannschaften ein Banner die Kurve, auf dem nur das Wort »Saarbrücken« zu lesen war. Dieses Stück Stoff schien die Hoffnung einer ganzen Stadt auf Erlösung zu tragen. Als die Gäste den Ausgleich schossen, stand nicht nur die Kurve erneut im Rauch, sondern es brannten auch viele Herzen unter den Trikots der Spieler, die zu den Fans gelaufen kamen, um mit ihnen das Tor zu feiern.

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Vor Rund 240 Jahren muss eine ähnlich leidenschaftliche Beziehung Anlass für die Erschließung jenes Geländes gewesen sein, auf dem die Blau-Schwarzen heute ihre Heimspiele austragen. Fußball an der Saar war, wie im Rest der Welt, ein noch weitgehend unbekannter Sport, sodass auch für den Fürsten Ludwig die Beziehung zu einem entsprechenden Verein nicht möglich war. Die Liebe zu Frauen aber hegte er umso intensiver. Neben der Ehe unterhielt er eine weitere Liebschaft zu einer bürgerlichen Frau, dem sogenannten »Gänsegretel von Fechingen«. Dieser Angebeteten ließ er 1769 ein von groß angelegten Parks umgebenes Lustschloss errichten. Nach der Zerstörung der weitläufigen Anlage samt Gebäude im Zuge der französischen Revolution wurde das Gelände des Ludwigsparks lange danach, bei der Suche nach Bauland für ein neues Fußballstadion, als besonders geeignet erachtet.

Auf der Suche nach dem Fußball-Tempel

Seit 1953 spielt der FCS im Ludwigsparkstadion und nun sind Verein und Politik erneut mit der Frage nach einem neuen Fußballtempel für die Stadt beschäftigt. Zu den Protagonisten des Themas Stadion gehört mitunter auch die Wirtschaft. Dass die öffentlichen Mittel äußerst begrenzt sind, ist hinlänglich bekannt; so werden für entsprechende Projekte nicht nur im restlichen Deutschland Kontaktanzeigen an privatwirtschaftliche Investoren aufgegeben, sondern auch an Saar.

Hauptadressat von Stadt und Verein ist dabei der Geschäftsmann und Hauptsponsor des FCS, Hartmut Ostermann. Mit seinem Unternehmen scheint er seit Jahren der einzige zu sein, der bereit ist, die Blau-Schwarzen in einer finanziellen Größenordnung zu unterstützen, die es dem Verein ermöglicht, unter professionellen Bedingungen Fußball zu spielen. Auch andere Sponsoren halten dem Club schon länger die Treue, allerdings mit deutlich geringeren Zuwendungen. Weitere Geldgeber zu gewinnen, gestaltet sich als schwierig. Vereinspräsident Hinschberger »Grundvoraussetzung für eine höhere Attraktivität des 1. FC Saarbrücken ist natürlich ein modernes Stadion.« Seiner Einschätzung nach »kann ein Sponsor ohne neues Stadion das Sponsoring in der Höhe und der Form nicht dauerhaft weiterführen.«

Hat der Hauptsponsor 60 Millionen Euro Schulden?

In diesem Fall scheint nicht nur das Stadion ein Faktor zu sein, der für eine Fortsetzung des Engagements des Hauptsponsors ausschlaggebend sein könnte. Vielmehr vermelden die Medien dieser Tage, dass der Unternehmer mit seiner Hotelgruppe im letzten Jahr eine Steuerschuld von 60 Millionen Euro aufwies. Aufgekommen war diese Zahl durch ein Mitglied des Untersuchungsausschusses, der im Zusammenhang mit Ostermanns ungeklärter Rolle bei der letzten Landtagswahl und der damit einhergehenden Koalitionsbildung ins Leben gerufen wurde. Von Parteispenden und angeblichen Steuererleichterungen für das FDP-Mitglied war die Rede.


Vor einigen Monaten wurde im Magazin »Der Spiegel« dann unter dem Titel »Der Pate von der Saar« auch auf diesen Aspekt der Ostermann’schen Tätigkeiten eingegangen. Der zwielichtige Beigeschmack, der in diesem Zusammenhang aufkommen kann, macht es schwierig, das Interesse Ostermanns an einem Stadionneubau und überhaupt an einer Fortsetzung des Sponsorings in Saarbrücken einzuschätzen.

Insbesondere, da die Stadt für ein Stadionprojekt zu einem Zuschuss von 30% der Kosten bereit ist, ist der Verein mehr denn je auf private Geldgeber angewiesen. Gerade darin besteht nun das Problem. Um neue Sponsoren zu gewinnen, erfordert es zunächst ein neues Stadion, da dadurch die Attraktivität des FCS vergrößert würde. Ein Neubau wiederum wäre finanziell nur mit Hilfe von solchen Großsponsoren machbar. Eine Zwickmühle der fußballerischen Gegenwart.

25 Millionen für Stahlrohr

Ein entscheidender Anfang zur Lösung dieses Problems war der Aufstieg in die Dritte Liga und damit die Rückkehr in den bundesweiten Fußball. Inzwischen hat man sich auf Seiten der Stadt, ihreszeichens Eigentümerin der Spielstätte, allem Anschein nach von dem Gedanken eines Neubaus verabschiedet. Hinschberger, der zunächst für eine Stahlrohrkonstruktion für etwa 25 Millionen Euro votiert hatte, sagt: »Die Stadt Saarbrücken hat erklärt, den Ludwigspark sanieren zu wollen. Zurzeit ist man dabei, Pläne auszuarbeiten.«

Mit der Umsetzung dieses Vorhabens würde man darüberhinaus auch der Meinung einiger Anhänger des Traditionsclubs nachkommen. So hängt bei den Ultras in der Kurve regelmäßig bei Heimspielen ein großes Banner mit der Aufschrift »Ludwigsparkstadion seit 1953 – für immer und ewig« Es ist ein Schriftzug, der in einem Atemzug mit der Parole »Gegen den modernen Fußball« verstanden werden kann. Nicht nur die betriebswirtschaftlichen Interessen, die hier von Belang sind, stehen grundsätzlich im Gegensatz zu den Idealen der Ultras, sondern auch das andere Verhältnis zum Spiel und zum Verein der Mehrzahl allderer, die beispielsweise durch die neuen Business-Logen ins Stadion gelockt würden. Ebensolche VIP- und Geschäftsbereiche sind es aber, die für die Sponsorengewinnung notwendig sind. Vor allem machen sie heute nachweislich den größten Anteil der Eintrittsgeldern aus. Zwickmühle again.

»Dieses Stadion macht zwölf Punkte pro Saison aus«

Im sportlichen Bereich wird eine neue Arena allerdings nicht nur zur Erweiterung des finanziellen Budgets angestrebt. So war jüngst aus dem Munde des Sportdirektors Dieter Ferner über die neue Spielstätte in Dresden zu vernehmen: »Dieses Stadion macht in einer Saison zehn bis zwölf Punkte aus.«

Sollte ein Neubau in nächster Zeit tatsächlich nicht finanzierbar sein, muss im Rahmen einer Sanierung mehr geschehen, als die Stehplätze von Unkraut zu befreien und die Tartanbahn zu säubern. Die Stadt als Eigentümerin des Ludwigsparks muss erkennen, dass sie durch eine Unterstützung des FCS nicht nur dem Verein hilft, sondern der Klub auch Werbeträger der Stadt ist. Wenn es um die Positionierung gegenüber anderen Städten in Angelegenheiten der Regionalwirtschaft geht, hat der Fußball die größte Kraft. In der Sportökonomie geht man davon aus, dass durch eine hohe Anzahl von Veranstaltungen – und dazu zählt insbesondere der Fußball – die Attraktivität der Kommune gesteigert wird. Die Besucher erhöhen gleichzeitig den Umsatz in der Kommune, der öffentliche Haushalt kann höhere Steuereinnahmen verbuchen.

Vorbilder für den Stadionbau für schmales Geld gibt es in Berlin. Dort schufteten Fans von Union Berlin nach Feierabend und stampften eine stimmungsvolle Heimstätte aus dem Boden. Ein solcher Spielort, in der beides, Fanleidenschaft und Geld, vereint sind, braucht auch der 1. FC Saarbrücken. Denn Sponsoren und Kurvenfans können nur zusammen dafür sorgen, dass sich im Fußball etwas bewegt. Ohne Finanzen gibt es keinen sportlichen Erfolg und ohne Kurven verkommt der Sport zu einer Bühnenshow. Und das will auch in Saarbrücken wirklich niemand.


Wenn unser Autor nicht gerade Herzblut im Stadion vergießt, schreibt er für die Homepage www.liga3-online.de

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