Zur Rivalität zwischen Waldhof Mannheim und Kickers Offenbach

Für immer dein Feind?

Am Sonntag treffen Waldhof Mannheim und die Kickers Offenbach zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder aufeinander. In beiden Lager besteht Sorge vor Ausschreitungen. Doch woher rührt eigentlich die Rivalität? Wir haben einen Waldhof- und einen Offenbach-Fan um einen Gastbeitrag gebeten.

Von Steffie Wetzel, Herausgeberin des OFC-Fanzines »Erwin«

Meine erste Begegnung in Mannheim fand irgendwann um 1994 direkt vor der Heimstätte des SV Wadhof* statt. Eigentlich wollte ich zum Konkurrenten VfR Mannheim, doch dessen leicht angegrautes Stadion versteckte sich hinter dem Baukastensystem der Wadhöfer. Also fragte ich leichtsinnig einen recht betagten Einheimischen nach dem Weg. Bestimmt drei lange Minuten lauschte ich seinen Worten, kurbelte dann das Fenster hoch und musste meinem Mitfahrer gestehen: Ich habe kein Wort verstanden. Nichts. Rein gar nichts. Nicht mal »Ja«, »dort« oder ähnliche allgemein gebräuchliche Wörter. Das ist mir weder vorher noch nachher passiert, nicht mal auf Auslandsreisen. Damit wusste ich: In Mannheim wohnt das Böse.

Was soll man auch denken von einer Stadt, die ganze Viertel wie Felder auf einem Schachbrett benennt. Meine Abneigung ging sogar so weit, dass ich bis heute Xavier Naidoo als waschechten Mannheimer nie ganz vorurteilsfrei zuhören kann.

Auf der Fußballebene dauerte es dann doch noch drei Jahre, bis ich das erste Mal das Carl-Benz-Stadion von innen besichtigte. Es war irgendwie eine Mischung aus einer Tafel »Ritter Sport« und einer Legebatterie. Irgendwie unangenehm eng und mit einem scheinbar fast quadratischen Rasen. Nun gut, dieser Eindruck war sicherlich schon nicht mehr vorurteilsfrei.

Hier wohnt sogar noch das Böse

Spätestens mit Spielbeginn fand ich meine These von damals bestätigt. Hier wohnt das Böse, und momentan steht es im Block neben mir. Das war zwar nicht der Fanblock, aber die eher erlebnisorientierte Fraktion hält sich ja selten da auf, wo sie die Sicherheitskräfte gerne hätten. Ich wunderte mich während des Spiels nicht im geringsten, dass es bei dieser Paarung schon 1953 zum Spielabbruch gekommen war.

Nicht zum Spielabbruch, aber zu medienwirksamen Ausschreitungen kam es auch 46 Jahre später, als am 13. Mai 1999 (Vatertag) beide Mannschaften aufeinandertrafen und Mülltonnen auf der Bieberer Straße brannten. Eine dermaßen hausgemachte Auseinandersetzung hat meiner Meinung nach so wenig wie möglich öffentliche Beachtung verdient.

Mein persönliches Highlight in der Geschichte dieses Derbys entstammt aus dieser eher frustrationsreichen Zeit der Offenbacher Fußballgeschichte. Nach zehnjähriger Profiabstinenz war man 1999 wieder in die 2. Liga zurückgekehrt und dümpelte von Beginn an dem Abstieg entgegen. Auch die Verpflichtung von Peter Neuruer brachte eher neuen Schwung in die Pressekonferenzen als auf den Rasen. Der zur Winterpause geholte Holger Gaißmayer entpuppte sich überraschenderweise nicht als der versprochene »Mann mit der eingebauten Torgarantie« (Neururer). Doch dann kam das Spiel bei Wadhof Mannheim. Der 32. Spieltag. 18. Mai 2000. Dass der OFC die Klasse nicht halten würde, schien inzwischen klar. Die Frage war nur der Zeitpunkt des Abstiegs. Und dann ausgerechnet Mannheim, für die es um nichts mehr ging – außer einem Sieg gegen Offenbach.

Wie erkläre ich das später meinen Kindern?

Es sollte ein Spiel werden, das so gar nicht zum Rest der Saison passen wollte. Nervosität war in Mannheim ja aus vielen Gründen angesagt, an diesem Tag waren tausende Fingernägel dem Untergang geweiht. Wie auch immer das hatte passieren können, der OFC war durch Stefan Simon schon bald in Führung gegangen. Als die Wadhöfer nach knapp einer halben Stunde die gerechte Strafe für den mehr als unbrauchbaren Transparent-Wortwitz »Vatatag« erhielten – der Gehuldigte, Fatmir Vata, wurde mit Rot vom Platz gestellt –, wagte der OFC-Anhang zum ersten Mal leicht durchzuschnaufen.

Die Luft brauchte man auch für die zweite Halbzeit in dem den Wadhöfern innerhalb kurzer Zeit die Wende gelang. Stoßgebete entfleuchten in den Mannheimer Abendhimmel. Schuldbekenntnisse schossen durch den Kopf. Das falsche T-Shirt? Das Gummibärchen-Orakel ignoriert? Und war vorhin auf dem Parkplatz nicht der Außenspiegel zerbrochen? Noch zehn Minuten zu spielen und das denkbar schlechteste Saisonende stand kurz bevor. Abgestiegen in Mannheim. Wie erkläre ich das später meinen Kindern?

O – F – C! Ich kann mich an nichts anderes erinnern!

Durch die Dunkelheit bahnte sich ein weiterer Hoch-und-Weit-Ball die Bahn, doppte auf den Hinterkopf der eingebauten Torgarantie und fand tatsächlich das Tornetz. Und plötzlich waren alle wieder da. Die Verrückten, die Skeptiker, die Hoffnungslosen, die Sentimentalen. Und aus allen brachen sich drei Buchstaben Bahn. O – F – C! O – F – C! Ich kann mich an nichts anderes erinnern.

Noch immer jedoch waren die Kickers abgestiegen. Und doch glaubte keiner hinterm Tor noch an dieses Schicksal. Es folgte die 90. Minute. Durch eine emotionale Vernebelung hindurch erfasste ich irgendwie noch, dass ausgerechnet Holger Gaißmayer sein zweites Saisontor gemacht hatte. Rot-weiße Menschenknäuel purzelten über die Tribüne. 3:2! Nichtabstieg in Mannheim! Für eine Woche war das Offenbacher Seelenheil gerettet.

*Auf Wunsch der Autorin steht in diesem Text Wadhof statt Waldhof.

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