08.08.2013

Zur neuen Saison: Regelschule mit Fifa-Schiri Felix Zwayer

Nicht alles ist schwarz oder weiß

Zur neuen Saison wurde so manche Regelauslegung nachjustiert. Im 11FREUNDE-Bundesliga-Sonderheft nahmen wir uns Zeit für eine kleine Schulung in Sachen Handspiel und Ellenbogenschläge mit FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer.

Text:
Protokoll: Christoph Biermann
Bild:
Imago

Was Handspiel ist und was nicht, versteht niemand mehr. Woran können wir uns orientieren, Herr Zwayer?

Eigentlich sind die Kriterien klar festgelegt, und im Mittelpunkt steht die Absicht. Zugleich muss man immer den Geist der Regel im Auge behalten. Nehmen wir mal eine Situation, in der ein Stürmer im Strafraum am Verteidiger vorbeischießen oder -flanken will. Streckt der Verteidiger die Arme aus, schränkt er die Möglichkeit des Angreifers zum Flanken und Schießen ein. Er nimmt damit in Kauf, dass der Ball an die Hand geht. Passiert das, wird das als strafbares Handspiel gewertet und mit direktem Freistoß oder Elfmeter bestraft. Dieser Fall ist gemeint, wenn man sagt: »Er vergrößert die Körperfläche.«

Im 11FREUNDE-Bundesliga-Sonderheft klärt Felix Zwayer über weitere Regeln auf!

Ich hatte in der letzten Saison einen Fall, der es erfordert hat, die Regel noch etwas klarer zu fassen und für uns Schiedsrichter zu präzisieren. Beim Spiel Nürnberg gegen Freiburg hatte ein Freiburger Verteidiger eine Flanke nicht erreicht. Sein Kollege dahinter hatte ihm den Ball an den Arm geköpft, den er weit über dem Kopf hatte. Das war kurz nach der Winterpause, in der wir Schiedsrichter das Thema besprochen und eine Art von Schablone erarbeitet hatten, wo die Arme sein dürfen und wo nicht. Nach dieser Schablone war das für mich eindeutig eine unnatürliche Handbewegung. Allerdings geht es vordergründig immer noch um die Absicht, und die war in dem Fall nicht gegeben. Der Freiburger hatte den Ball von hinten an den Arm bekommen. Also konnte es keine Absicht sein, deshalb war meine Entscheidung leider falsch.

Eine »Schutzhand« gibt es nicht

Anders wäre es jedoch, wenn beim Freistoß ein Spieler in der Abwehrmauer dem Schützen den Rücken zudrehen und die Arme hochstrecken würde. Dann hätten wir wieder den Fall der unnatürlichen Handhaltung und vergrößerten Körperfläche, bei der er das Handspiel in Kauf nimmt. Also würde gepfiffen. Es gibt auch häufig Szenen, bei denen Spieler in der Mauer hochspringen, sich wegdrehen und die Arme zum Schutz vor das Gesicht halten. Das bewerten wir als eine bewusste Bewegung des Arms – die sogenannte »Schutzhand« gibt es ja nicht – und pfeifen das als Handspiel.

Im 11FREUNDE-Bundesliga-Sonderheft klärt Felix Zwayer über weitere Regeln auf!

Bei der Frage, welche persönlichen Strafen daraus resultieren, gibt es eine Anpassung der Regelauslegung: Wenn ein Torschuss per Hand abgewehrt wird und das Handspiel vom Schiedsrichter als absichtlich bewertet, also entsprechend der Kriterien als strafbar geahndet wird, müssen wir den Spieler verwarnen. Das war vorher schon bei internationalen Spielen so und gilt jetzt auch in Deutschland verbindlich. Bei der Verhinderung eines sicheren Tors durch ein Handspiel gibt es natürlich weiterhin die Rote Karte.

Ellenbogenschläge und rohes Spiel

 
 
 
 
 
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