Zur Gewalt bei den Aufstiegsfeierlichkeiten von Eintracht Frankfurt

Die Partycrasher

Eintracht Frankfurt feiert den Wiederaufstieg. Ganz Frankfurt? Nein, ein paar Zuschauer nutzten den Platzsturm beim Heimspiel gegen 1860 München, um sich mit Gästefans und der Polizei anzulegen. Das geht unserem Autor ziemlich gegen den Strich.

Eintracht Frankfurt ist wieder erstklassig. Und weil der Wiederaufstieg eine zünftige Party verdient hatte, schmiss sich das Waldstadion vor dem Heimspiel am Sonntag gegen 1860 München in Schale, eine der größten und lautesten Fanszenen Europas feierte die Mannschaft und sich selbst mit einer herrlichen Choreografie. Als dann von vier Tribünenrängen ein mächtig-trotziges »Nie mehr zweite Liga!« ertönte, war das nicht nur beeindruckend, sondern spektakulär. Spätestens in diesem Moment freute man sich als neutraler Beobachter, die Eintracht wieder in der deutschen Königsklasse zu haben.

Frankfurt verlor mit 0:2, aber was machte das schon? Wie verabredet öffneten die Ordner nach dem Spiel die Tore zum Innenraum, tausende Fans quetschten sich auf den Rasen und starteten Teil zwei der großen Aufstiegsfeier. Junge Männer mit freiem Oberkörper fielen sich glücksbesoffen in die Arme, der ein oder andere Bengalo-Besitzer zog schmale Rauchfahnen hinter sich her. »Die Tore sind auf«, rief der Stadionsprecher, »keiner muss drängeln.« Schöne Szenen waren das und jeder, der mal das Gefühl erleben durfte, nach Aufstiegen oder Meisterschaften den heiligen Rasen seines Klubs zu betreten, der wird sich in diesen Momenten mit den Frankfurtern gefreut haben.

»Nehmt doch einfach ein Stück Rasen mit!«

Dann passierte etwas. Ein paar Dutzend Anhänger, zum Teil vermummt und sichtlich aggressiv, stürmte mit geballten Fäusten auf die Gästekurve der Münchener zu. Die Polizei schritt ein, drängte den Haufen zurück auf den Rasen. Während 50 Meter weiter die ersten Congaschlangen ihre Bahnen zogen, prügelte sich dieser kleine wütende Mob mit Polizisten in Kampfmontur. »Die Mannschaft wird sich gleich zeigen«, rief der Stadionsprecher, hörbar verzweifelt, »bis dahin nehmt doch einfach ein Stück Rasen mit!« Keine Chance. Die Partycrasher wollten sich selbst mit Souvenirs nicht bestechen lassen.

Diese Szenen dauerten wenige Minuten. Bald darauf zeigte sich tatsächlich die Mannschaft – auf der Haupttribüne.  Die Aufstiegshelden zogen schließlich nach draußen auf die Waldbühne. Die Polizei meldete keine weiteren Vorkommnisse.

Warum wollen sich Fußballfans an so einem Tag prügeln?

Zurück bleiben viele Fragen: Warum wollen sich Fußballfans prügeln, wenn ihre Mannschaft soeben aufgestiegen ist? Warum bahnen sich Fußballfans einen Weg durch Jubeltrauben, um sich in John-Wayne-Manier vor dem Gegner aufzubauen, der einem an diesem Tag doch vollkommen egal sein kann? Warum köcheln Fußballfans am Tag der großen Party vor Aggressivität und nehmen es in Kauf, sich dafür von Polizeiknüppeln verhauen zu lassen?

Warum verderben diese Typen Eintracht Frankfurt den Wiederaufstieg?

Im Verein weiß man das wohl selbst nicht so genau. Auf Anfrage spricht man über die Szenen vom Sonntag, will sich dann aber doch nicht zitieren lassen. Der Tenor: Eine sehr kleine Minderheit, unschöne Aktionen, ja, aber vergleichsweise harmlos. Als die Dortmunder vor einem Jahr als frisch gebackener Meister ihr letztes Heimspiel gegen Frankfurt gewannen, habe es viel schlimmere Prügeleien gegeben. Von Dortmundern. Der Tenor: Wir lassen uns die gute Laune nicht verderben.

Unvergessen: »Deutscher Randalemeister 2011«

Es scheint, als seien die Verantwortlichen in Frankfurt inzwischen etwas abgestumpft, was den eigenen Anhang betrifft. Kein Wunder, schließlich hat es eine kleine, aber ziemlich präsente Minderheit offenbar darauf angelegt, sich im Rest des Landes unbeliebt zu machen. Unvergessen ist das Banner mit der Aufschrift »Deutscher Randalemeister 2011«, hochgehalten bei besagtem Auswärtsspiel gegen den BVB. Es ist nur verständlich, dass sich der Verein von diesem Teil seiner ansonsten über die Grenzen hinweg anerkannten Fanszene, die gute Stimmung nicht vermiesen lassen will. Wenn man die Idioten nicht loswerden kann, muss man sich eben irgendwie mit ihnen arrangieren.

Richtig ist auch, dass nicht nur Eintracht Frankfurt ein Problem mit seinen Fans hat. In jedem Verein der ersten bis dritten Bundesliga gibt es mal mehr, mal weniger Mitläufer, die die Plattform des Spieltags nutzen, um die offenbar grenzenlosen Aggressionen abzubauen. Die selbst dann den Konflikt suchen, wenn es eigentlich etwas zu feiern gibt.

Wenn bei 200 Leuten zwei die Fäuste schwingen, ist die Party vorbei

Man könnte die kurze Welle der Gewalt vom Sonntag jetzt einfach schnell vergessen. Als Eintracht-Fan sollte man sich sogar einfach über das schöne Gefühl des Triumphes freuen, niemand erwartet von einem Aufsteiger, dass er sich in den Tagen danach mit seinen schwarzen Schafen befasst. Man könnte also einfach weiter feiern. Doch das schale Gefühl, das dieser Party anhaftet, lässt sich schwer ignorieren. Egal, wie gering der Anteil derer war, die Ärger gemacht haben. Wenn auf einer Hochzeit mit 200 Menschen nur zwei Gäste die Fäuste schwingen, dann ist die Party für die Katz.

Jetzt kann man natürlich behaupten, dass dieser Vergleich Quatsch ist, weil es hier ja schließlich immer noch im Fußball geht. Aber kann das denn immer die einzige Ausrede sein?

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