22.11.2012

Zur Entlassung von Roberto Di Matteo

Ohne Argumente

Einen Tag nach der 0:3-Pleite gegen Juventus Turin wurde Roberto Di Matteo als Trainer beim FC Chelsea entlassen. Nur sechs Monate nach dem er den Klub zum Champions-League-Titel geführt hatte. Unser England-Experte Titus Chalk geht der Frage nach, ob Di Matteo überhaupt eine Chance hatte.

Text:
Titus Chalk
Bild:
Imago

Als Roberto Di Matteo dem FC Bayern das »Finale Dahoam« verdorben und den FC Chelsea zum ersten Champions League Sieg seiner Geschichte geführt hatte, schien das eine hervorragende Bewerbung für ein längerfristiges Engagement zu sein. Nachdem Di Matteo im März 2012 nach dem Rauswurf von Andre Villas Boas als Trainer eingesetzt worden war, hatte er beweisen müssen, dass er mehr war als der Trainer, der 13 Monate zuvor bei West Bromwich Albion gefeuert worden war. Mehr auch als der Trainer, der im Juni 2011 von Birmingham City einen Korb bekommen hatte. Und nicht zuletzt mehr, als »nur« einer jener großen Chelsea-Spieler aus der Vergangenheit. Er musste beweisen, dass er in der Lage ist, als Trainer die großen Titel zu gewinnen und eine alternde Mannschaft erfolgreich umzubauen.

Den bedeutsamsten Titel im europäischen Vereinsfußball zu gewinnen, war ein nachdrücklicher Fingerzeig in Richtung der Chelsea-Oberen, die bis dahin keinerlei Anerkennung für Di Matteo und seine Erfolge gezeigt hatten. Nur 14 Tage zuvor hatte Di Matteo den FA-Cup gewonnen, mit seiner Mannschaft furiose Auftritte gegen Napoli und den FC Barcelona hingelegt und die Stimmung in der Kabine gekittet. Für Klubeigner Abramowitsch und seine Entourage an Beratern war Di Matteo aber schlicht kein klangvoller Name, mit dem sich ein Verein wie Chelsea seinem Selbstverständnis nach zu schmücken hat. Di Matteo war kein Pep Guardiola, kein Fabio Capello oder Guus Hiddink, deren Namen in den Drei-Sterne-Restaurants und edlen Superyachten der Upper Class nach Weltfußball klingen. Auch war er nicht José Mourinho, dieser ewige Chelsea-Übertrainer, an dem jeder seiner Nachfolger irgendwann scheitern muss.

War Di Matteo an den Transfers überhaupt beteiligt?

Für einen Mann wie Abramowitsch, der einst die Energieindustrie der kollabierenden Sowjetunion plünderte und nun seine Tage damit füllt, horrende Geldbeträge gegen so etwas wie Prestige einzutauschen, war der Trainer Di Matteo einfach nicht extravagant genug. Allerdings hatte er Abramowitsch jenen Titel beschert, der den russischen Eigner am meisten gereizt hatte. Belohnt wurde dies mit einigen halbherzigen Komplimenten seitens Chelseas Geschäftsführer Ron Gourlay und einem wilden Mix an teuren Neuverpflichtungen, bei dem man nicht das Gefühl hatte, dass der Trainer überhaupt daran beteiligt gewesen war.


In Wahrheit lief Di Matteos Zeit als Trainer des FC Chelsea vom Moment seines Antrittes an gegen ihn, was umso bemerkenswerter macht, wie viel er in einer so kurzen Zeitspanne erreicht hat. Wo Andre Villas Boas für Verwirrung und Konflikte sorgte, erreichte Roberto Di Matteo diplomatische und clevere Lösungen. Als die drei Offensivkräfte Eden Hazard, Oscar und Juan Mata zu Beginn der Saison blendend harmonierten und Chelsea bereits am zweiten Spieltag an die Tabellenspitze schossen, erlebte die Stamford Bridge den aufregendsten Fußball seit der Mourinho-Ära – unter der Leitung von Roberto Di Matteo. Seit langem schon war es Abramowitschs Wunsch, dass sein FC Chelsea offensiven Spitzenfußball spielt. Nun, als Champions League Sieger, schien die Mannschaft endlich damit anzufangen.

 
 
 
 
 
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