Zur Entlassung von Markus Babbel

Gelangweilt von der Langeweile

Nach nur sieben Siegen in neun Monaten wurde Markus Babbel am Montagnachmittag bei der TSG Hoffenheim entlassen. Es war die einzig richtige Entscheidung: Der Trainer war gelangweilt, die Spieler waren gelangweilt, die Fans waren gelangweilt. Ein Kommentar über ein großes Missverständnis.

Wenn Trainer einen neuen Klub übernehmen oder in eine neue Saison starten, sprechen sie gerne von Visionen und Umbrüchen. So war es auch bei Markus Babbel. Dabei wirkte sein Engagement schon zu Beginn eher wie eine Zweckbeziehung. Die Kraichgauer zahlten gutes Geld, Babbel brauchte einen Job. Das Angebot kam zur richtigen Zeit, ein bisschen Landluft hat schließlich noch niemandem geschadet – gerade nach der Schlammschlacht in Berlin.
 
Doch weil man anfangs eben Feuer entfachen muss, erzählte Markus Babbel von großen Vorhaben. Er gab Europa als Ziel aus. Einfach so, ohne Not, die vergangene Saison gab jedenfalls keinen Anlass dazu. »Mit diesem Verein in der Champions League zu spielen, bei den Großen dabei zu sein, das wäre ein Traum und ist eine Antriebsfeder für mich«, sagte Babbel dennoch.

Seit drei Jahren herrscht Stillstand
 
In Sinsheim hingen sie an seinen Lippen, denn dort, wo die Mannschaft vor vier Jahren noch wirkte wie aus einem geheimen Sportlabor gezüchtet, herrschte seit geraumer Zeit Stillstand. In den vergangenen drei Spielzeiten belegte der Klub die Plätze elf, elf und elf.
 
Auch die Spieler glaubten, dass diese Saison richtig was geht, und verkündeten die frohe Nachricht, als seien sie allesamt im Sommer bei einem Motivationsguru gewesen. Was gab Anlass dazu? Torhüter Tim Wiese war nach Sinsheim gezogen, nachdem er ein Angebot von Real Madrid abgelehnt haben soll. Mit ihm kamen Matthieu Delpierre, Chris und Eren Derdiyok, gestandene Profis, mit denen man sich in der oberen Tabellenhälfte etablieren kann. Doch Europa? Champions League? Mehr noch? Delpierre ließ wissen: »Alle sind hungrig auf Titel.« Danach verlor die Mannschaft 0:4 im Pokal gegen einen Viertligisten.
 
Und weil es auch in der Bundesliga nur drei Siege in 15 Spielen gab, wird die TSG Hoffenheim die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte spielen. 34 Gegentore hat die Mannschaft bis jetzt kassiert, Tim Wiese leistete sich Fehler, verletzte sich und wurde aussortiert. Vom Europapokal sprach bald niemand mehr. Es ging um Schadensbegrenzung – nur knapp vier Monate nach dem groß angekündigten Umbruch.

Spielen die Spieler gegen den Trainer?
 
Immerhin, so sehr Markus Babbel von Europa träumte, so hat er auch dieses Szenario vorhergesehen. Am Anfang der Saison sagte er, dass es wichtig sei, bei den Spielern einen »Teamspirit« zu erzeugen. Auf die Frage eines Journalisten, was denn passiere, wenn dieser nicht eintrete, antwortete Babbel: »Dann kämpfen wir gegen den Abstieg.« Und so herrscht in Sinsheim momentan nicht mal mehr Stillstand.
 
Oft heißt es, dass Mannschaften gegen den Trainer spielen. So etwa in Wolfsburg, wo Spieler wie Diego oder Bas Dost seit dem Weggang von Felix Magath zu Höchstform auflaufen. In Hoffenheim hat man eher das Gefühl, die Mannschaft spiele seit dem Winter 2008 gegen die eigene Langeweile: Gelangweilt vom eigenen Fußball, von der Einöde, von den paar Zuschauern, von dem Graue-Maus-Image, von Durchhalteparolen, von den immergleichen Saisons im Tabellen-Niemandsland, von Fantasie-Zielen, von einem steinreichen Mäzen, der sich, vielleicht auch gelangweilt von der Langeweile, aus Sinsheim nach Florida verabschiedet hat, und seinen Geldbeutel nicht weit genug öffnet, um echte Topstars zur TSG zu holen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!