Zur Entlassung von Bruno Labbadia

Wenn die Müllabfuhr zweimal klingelt

Vor einigen Wochen sprach man in Stuttgart noch von gemeinsamen Zukunftsplänen und dem Wunsch nach Konstanz. Nun hat der VfB Bruno Labbadia entlassen. Nach drei Spieltagen.

Ein bisschen Untergangsstimmung war immer. Im Dezember 2012 zum Beispiel, als der VfB Stuttgart gegen Molde FK zu Hause mit 0:1 verlor und in die nächste Runde der Europa League stolperte. Wieso hatte Bruno Labbadia es nicht geschafft, seine Profis in den vergangenen zwei Jahren besser zu machen? Warum setzte er so selten Nachwuchsspieler ein? Was war passiert mit einem Klub, der wenige Jahre zuvor noch eine Mannschaft aufs Feld schickte, die unter dem Label »Die jungen Wilden« firmierte?
 
Weil er sich in Stuttgart in drei Jahren ständig rechtfertigen musste, war dem Trainervon Zeit zu Zeit die Hutschnur geplatzt. Schon im September 2011 hatte er in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« gefragt: »Sind wir Trainer denn blöd?« Und ein paar Wochen vor dem Molde-Spiel tobte er vor laufenden Kameras: »Die Grenze ist erreicht, auch hier in Stuttgart. Das Fass ist absolut voll. Ich kann nicht länger akzeptieren, dass man hier als Trainer wie der letzte Depp behandelt wird. Wir Trainer sind nicht die Mülleimer für alle.«

Labbadias Imageproblem
 
Labbadia war dauerhaft in der Defensive, und manchmal wurde man den Eindruck nicht los, dass er sich selbst dorthin manövriert hatte. Vielleicht ist er deswegen nie so richtig in Stuttgart angekommen. Schließlich war Bruno Labbadia Stürmer, ein Torjäger, der sich über zehn Jahre für Vereine wie den Hamburger SV, Werder Bremen und den FC Bayern durch die Strafräume der Bundesliga gewühlt hatte, und der nach Toren wie ein Pistolero jubelte. Labbadia stand als Spieler für die totale Offensive.
 
Daraus ergab sich für den Trainer Labbadia ein Dilemma, das man nicht nur in Stuttgart kennt: Die legitime Anspruchshaltung bei ehemals großen Klubs verträgt sich nicht mit einem biederen und rationalen Spiel, das ihre Trainer ausgeben. Thorsten Fink in Hamburg und Jens Keller auf Schalke befinden sich in ähnlichen Situationen. Und das obwohl sich gerade diese Klubs zwei Dinge wünschen: Seriosität und Kontinuität.
 
Bruno Labbadia ist seit über 30 Jahren im Bundesligageschäft, und doch ist er nicht nur seinem letzten Verein, sondern auch der Liga ein Stück weit fremd geblieben. Wer ist der Mann eigentlich? »Ich bin sehr emotional«, hat er einmal in der »Stuttgarter Zeitung« gesagt und damit erklären wollen, dass er für Kritik sehr empfänglich sei. Und: »Ich bin gut, wenn ich Leidenschaft und Liebe gebe.« Doch gehört zu Leidenschaft und Liebe nicht auch ein Stück Irrationalität? Wie passen solche Sätze dazu: »Wir müssen nach Fakten eingeschätzt werden«? In einer Zeit, die er selbst als »Umbruch« betitelte?

»Nicht jeder ist ein Mario Götze!«
 
In diesem Stil trat Labbadia beinahe wöchentlich auf die Euphoriebremse. Wenn andere von »Aufbruch« sprachen, sagte er »Umbruch«, wenn man ihn fragte, warum er nicht jeden Spieltag einen neuen frischen Jugendspieler einsetze, antwortete er: »Es ist nicht normal, dass ein Holzhauser mit 19 regelmäßig spielt.« Und wenn man ihn fragte, wieso er keine Jungstars in der Mannschaft habe, sagte er: »Nicht jeder ist ein Mario Götze.« In Stuttgart verstand das niemand, denn man glaubte, es sei auch die Aufgabe des Trainers aus jedem Spieler einen Mario Götze zu machen. Nur: War Labbadias Perspektive nicht auch leigitim?

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