Zur Diskussion über das spektakuläre Interview

Klarheit jetzt!

Ob das Interview mit einem schwulen Fußballer echt ist oder nicht, kann nur die Redaktion des »fluter« klären. Sie ist jetzt gefordert. Philipp Köster zur Diskussion über das spektakuläre Interview.

Kurz zur Erinnerung:  Ich habe am Freitag in einem Artikel Zweifel an der Echtheit des Interviews geäußert, die ein homosexueller Bundesligaspieler dem Journalisten Adrian Bechtold gegeben hat und das der »fluter«, das Magazin der Bundeszentrale für Politische Bildung, veröffentlicht hat. Das Interview hat hohe Wellen geschlagen und dementsprechend kontrovers wurden auch meine Bedenken hinsichtlich der Authentizität diskutiert.

Manche fanden die Zweifel hanebüchen, manche fanden sie nachvollziehbar. Für einige war es nicht so wichtig, ob das Interview echt ist, Hauptsache, das Thema Homosexualität im Fußball wird diskutiert. Und manche wiederum fanden die Zweifel nachvollziehbar, kritisierten aber die Tatsache, dass ich nicht vor Veröffentlichung die »fluter«-Redaktion um Stellungnahme gebeten hatte. Letztere Kritik hat ihre Richtigkeit. Wer bei anderen journalistische Standards einfordert, muss sie auch selbst erfüllen.

Mittlerweile hat sich die »fluter«-Redaktion jedoch gegenüber der »Süddeutschen Zeitung« geäußert und dabei inhaltlich bestätigt, was die Fußnote unter dem Interview bereits erahnen ließ und was ich in meinem Artikel vorausgesetzt hatte. Dass nämlich nur der Autor die Identität des Spielers kennt, nicht aber die Redaktion.

Widersprüchliches

Eingedenk dieses Umstandes liegt mir daran, doch noch einmal die Zweifel aufzuzählen, die sich aus verschiedenen, recht auffälligen Widersprüchen speisten.

Aus dem Widerspruch zwischen der Veröffentlichung im »fluter«, das laut Autor Bechtold angeblich deswegen ausgesucht wurde, um das Thema aus den großen Schlagzeilen herauszuhalten – und der explizit auf Effekt und Schlagzeile getrimmten Machart des Interviews.

Aus dem Widerspruch zwischen der Geheimhaltung des Interviewpartners, die soweit geht, dass nicht einmal die »fluter«-Redaktion die Möglichkeit besitzt, die Echtheit des Interviewpartners zu überprüfen, und der Äußerungen des Spielers, dass die ganze Mannschaft über die Homosexualität des Spielers informiert ist (»Natürlich sind einige Situationen wie das Duschen am Anfang für beide Seiten unangenehm. Ich habe aber kein Interesse an den Mitspielern und irgendwann ist es für alle Seiten egal«). Mehr noch, die ganze Bundesliga weiß Bescheid (»Ich kenne keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem hat«)

Aus dem Widerspruch zwischen der Versicherung des Chefredakteurs gegenüber der »Süddeutschen Zeitung«, den Namen nicht zu kennen, und der Behauptung Bechtolds, bei der Bundeszentrale sei ein kleiner Kreis von Leuten eingeweiht gewesen.

Aus dem Widerspruch zwischen den Anstrengungen der Redaktion, aus dem 25-jährigen Autor eine Art Doyen der Journalismus-Ausbildung und vielbeschäftigten Journalisten zu machen (»langjähriger Dozent für Jugendjournalismus in Schulen« und »arbeitet seit Jahren als freier Journalist vor allem für das Fernsehen, Radio und für Online-Medien«) und der enormen Schwierigkeit, im Netz und in Pressedatenbanken eine nennenswerte Anzahl an Artikeln, Beiträgen etc. von Bechtold zu finden.

Aus dem Widerspruch zwischen der Versicherung der Redaktion schon länger und vertrauensvoll mit Bechtold zusammenzuarbeiten und der Tatsache, dass insgesamt nur fünf Artikel von Bechtold im Online-Archiv des »fluter« zu finden sind, deren Themen (u.a. Schreibblockaden) die Frage aufwerfen, wie sich so rasch so großes Vertrauen bilden konnte, dass die Redaktion ihm ein solch heikles Thema anvertrauen konnte, ohne sich Klarheit über die Echtheit des Artikels bilden zu können.

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