06.06.2013

Zur deutsch-niederländischen Rivalität bei der U21-EM

Caja-Caja in Tel Aviv

Seite 2/3: 400 Holländer im Stadion
Text:
Stephan Knieps
Bild:
Imago

Wer mit Kai Schoolmann reden möchte, muss sich vorher ein paar Fotos auf dessen Handy angucken: Kai mit Thomas Helmer bei dessen Abschiedsspiel, Kai in London beim Champions-League-Finale, Kai in Berlin beim DFB-Pokalfinale, Kai mit seiner Fahne, auf der sein Heimatort steht, Großheide. Eigentlich wollte er mit der A-Nationalmannschaft die USA-Reise machen, aber weil sein Verein, der FC Bayern, zwei Endspiele zu bestreiten hatte, hatte auch Kai zwei Endspiele zu bestreiten. Nun nimmt er die U21-EM mit, »zum Runterkommen«, wie er sagt.

Rivalen? Ein kleiner Kreis!

Kai Schoolmann ist 41 Jahre alt, wohnt in Ostfriesland. Zur Arbeit fährt er nach Emden, Endkontrolle beim Passat. Zu Heimspielen fährt er nach München. Einmal im Monat schaffe er das. Aber das bedeutet nicht, dass er nur alle vier Wochen im Stadion wäre. Im Winter macht er Überstunden bei VW, im Sommer gleicht er sein Zeitkonto aus, durch den Fußball.

Er sagt, er sei seit der EM 1996 zu jedem großen Turnier und zu zahllosen Qualifikationsspielen gereist: England, Japan, Südafrika, die Färöer Inseln stehen bevor. Aber als Groundhopper würde er sich nun wirklich nicht bezeichnen. »Ich will hier ein bisschen die Spiele genießen, Urlaub machen, natürlich auch meine Fahne präsentieren.« Und die Rivalität vor dem Duell mit den Niederlanden? Spürt er die? »Ja klar, ich wohne ja direkt an der Grenze!« Aber viele eingefleischte Fans erwartet er nicht im Stadion. »Es wird ein kleiner Kreis sein«, schätzt er, »wenn überhaupt kommen wir da in den dreistelligen Bereich.«

400 Holländer im Stadion

Das glaubt auch Matthew Reynders, 36, der in einem Verein von Niederländern in Israel aktiv ist. »Wir werden mit 400 Leuten ins Stadion gehen«, sagt er. »Wir kommen natürlich alle in orange, werden alle zusammen sitzen und versuchen, eine Menge Krach zu machen!« Reynders lebt seit zwölf Jahren in Israel, arbeitet als Manager für eine Tinten-Produktionsfirma in Yavne, nahe Tel Aviv. Er räumt ein, dass das Turnier im Straßenbild nicht so präsent sei, »aber die Israelis sind begeistert, überhaupt erstmals solch ein Turnier ausrichten zu dürfen«.

Ein Spiel gegen die Deutschen sei in seiner Heimat immer noch das größte Duell. Er klingt erstaunlich ähnlich wie Lewis Holtby wenn er sagt: »Egal ob Jugend, Nachwuchsspieler oder Erwachsene – die Deutschen wollen wir immer besiegen.« Sein Team sieht er in der Favoritenrolle, wegen der vielen A-Nationalspieler – »allerdings erhöht das auch den Druck.«

Fast wäre der Name Luijckx nun ebenfalls im niederländischen Kader aufgetaucht, aber der Mittelfeldspieler Kees Luijckx spielte »nur« bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking für die niederländische Auswahl. Ein Umstand, den sein Onkel Willem Luijckx nicht minder stolz macht. Willem, 55, arbeitet im israelischen Wingate-Institut in Netanya, »vergleichbar mit der Sporthochschule in Köln«, wie er sagt, »nur auf einem niedrigeren Niveau.«

 
 
 
 
 
123
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden