Zur deutsch-niederländischen Rivalität bei der U21-EM

Caja-Caja in Tel Aviv

Man muss sie ein bisschen suchen, sie ein bisschen provozieren, aber auch in der U21, auch in Israel gibt es sie: die Rivalität vor dem deutsch-niederländischen Duell.

Es dauert immerhin über einen Tag Recherche und Gespräche, bis die Spuckattacke Frank Rijkaards auf Rudi Völler erwähnt wird, aber die Geschichte kommt. So zuverlässig wie der Anpfiff heute Abend 20:30 Uhr im israelischen Petach Tikva, so zuverlässig wie sich Mythen ranken um das Duell Deutschland gegen die Niederlande. Auch wenn es nur um die U21 geht, auch wenn es in Israel stattfindet?

»Immer ein Derby mit Charakter«

Lewis Holtby hatte schon mal vorab geschickt: Es gibt nichts Schöneres, als Holland zu schlagen. Bei der gestrigen offiziellen warm-up-Fragerunde legte er dann nochmal nach: »Egal ob U9, U17 oder U21 – gegen Holland ist es immer ein Derby mit Charakter.« Und der niederländische Verteidiger Stefan De Vrij sprach auf der Website onsoranje.nl davon, »Revanche« nehmen zu wollen – für das verlorene Endspiel der U17-Europameisterschaft, die 2009 in Deutschland ausgetragen wurde.

Im Finale verlor das niederländische Team um De Vrij damals mit 1:2 gegen den Gastgeber, bei denen unter anderem Marc-André ter Stegen und Mario Götze mitwirkten. In den Niederlanden wird das U21-Turnier mit großer Aufmerksamkeit und mit großem Ernst verfolgt. Davon zeugt auch das niederländische Fernsehen, das die deutsche Pressekonferenz besucht. Und natürlich auch die U21-Aufstellung, in der viele Stammspieler aus der A-Mannschaft von Louis van Gaal gesetzt sein dürften.

Nur: Wo sind die Fans?

Die Spieler sind also offenbar gewillt, das Aufeinandertreffen heute Abend mit der gewohnten Brisanz eines Nachbarschaftsduells begehen zu wollen. Bleibt die Frage, ob die Fans das genauso sehen. Dazu muss man sie erst einmal finden. Das ist gar nicht so einfach.

Das Straßenbild von Tel Aviv wird dieser Tage geprägt von einer omnipräsenten Fahne. Sie hängt in allen Hauptstraßen und wirbt für ein Großereignis, für das die Menschen seit Tagen in die Stadt strömen: Es ist die regenbogenfarbene Fahne der Schwulen-Parade. Am Freitag werden tausende Homosexuelle in einem Partyzug durch die Stadt ziehen. Das Duell mit der Uefa um die Aufmerksamkeit der Israelis hat sie definitiv gewonnen.

Aber wo findet man Fußballfans am Mittag? Am Strand. Es sind 32 Grad, das Mittelmeer schwappt provokativ. Unter einem blauen Sonnenschirm stehen sogar fünf Jungs in orangenen T-Shirts – doch es sind bloß israelische Bademeister. Wo ist er denn, der Fußball? Im McDonald’s. Hier kann man den offiziellen Turnierball kaufen, für 80 Schekel. Nachgefragt bei der Bedienung: Wie verkauft der sich so? »Caja-caja« [kacha-kacha], wie der Israeli sagt: so lala.

Ab zur Touristen-Information. Wie wirkt sich die Europameisterschaft bislang auf den israelischen Tourismus aus? Die Frau am Schalter schaut sich kurz um, legt dann verschwörerisch die Hand vor den Mund und ruft im Flüsterton: nicht so gut! Aber es sind doch über 300 Journalisten akkreditiert, die Spiele, so hört man, seien ausverkauft. Das deutsch-niederländische Duell ohnehin.

»Beide Tore schießt Luuk de Jong«

Ein Anruf in der niederländischen Botschaft in Tel Aviv. Tjacco Timmerman von der politischen Abteilung hebt ab. Ist das Spiel Deutschland-Holland nicht auch irgendwie politisch? »Die Rivalität mit Deutschland ist nicht mehr so stark«, sagt Timmerman. Rijkaard bespuckt Völler – das war einmal. »Die Rivalität besteht jetzt eher mit Spanien, weil die uns im WM-Finale geschlagen haben.« Wie geht’s denn aus heute Abend? »Die Niederlande gewinnen 2:1«, orakelt er. »Beide Tore schießt Luuk de Jong, weil er in der Bundesliga spielt und die Deutschen kennt. Und… wer spielt eigentlich so bei den Deutschen?« Nun, Lewis Holtby ist der Kapitän und… »Ja, stimmt. Holtby schießt das Tor für Deutschland.«

Im englischen Pub Mike’s Place am Strand nippt immerhin ein England-Fan an seinem Ale. Das bringt die rettende Idee: Deutsche Fans gehen auch im Ausland in deutsche Bars! Ab in die Bavarian Brasserie, unter der Freistaat-Bayern-Fahne hindurch an den Tresen, wo Kai Schoolmann sitzt: an den Füßen Adiletten, auf dem T-Shirt »Final Wembley 2013«, in der Hand ein Weißbier, auf den Lippen ein freundliches »Moin!« Endlich, ein Fan.

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