29.05.2014

Zum Vatertag: Fußballer im Papa-Konflikt

»Ich konnte ihn nicht mehr sehen!«

Auch Fußballer haben es nicht leicht. Mit ihren Vätern. Und ihren Söhnen. Ein paar Geschichten zum Vatertag!

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Imago

1.
Franz Beckenbauer
Hatte Uwe Seeler die Bürde des prominenten Vaters noch locker auf sich nehmen können, erdrückte der Nachname »Beckenbauer« die Karriere des begabten Stefan wie die Klatsche eine Fliege. Nur richtig, dass Franzls Sohnemann nach zwei harten Jahren beim FC Bayern (kein Spiel) 1988 zum Lokalrivalen 1860 München (31 Spiele, 1 Tor) wechselte. Begründung: »Ich konnte meinen Vater nicht mehr sehen.«

>>> Fußballer und ihre Väter – hier geht es zur Bildergalerie!

2.
Otto Rehhagel
»König Otto«, das wissen ja viele gar nicht mehr, hatte als aktiver Spieler den Ruf einer Bestie. Wo Rehhagel hintrat, so die einhellige Meinung, wollte nie wieder Gras wachsen – aus Angst vor den Stollen des resoluten Abwehrmannes. Als dann Jahre später Sohn Jens bei einem Amateurspiel wegen einer Grätsche des Feldes verwiesen wurde, verabschiedete ihn der Schiedsrichter mit den Worten: »Und richten Sie Ihrem Vater einen schönen Gruß von mir aus!«

3.
Sepp Maier
Süße 18 Jahre jung war Sepp Maier, als er im Überschwang der Gefühle wütend aus dem elterlichen Haus stapfte und sich gemeinsam mit seiner zukünftigen Gattin Agnes in das Zimmer einer Tante einnistete. Dem spontanen Auszug war ein wortreicher Streit mit Vater Josef Maier vorausgegangen, der hatte im Zorn gerufen: »Nimm dir doch irgendwo ein Zimmer!« Jung-Torwart Sepp tat, wie ihm geheißen, nur um am nächsten Morgen unsanft geweckt zu werden. »Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen, als die Tür aufflog, der Vater, der Onkel, mein Bruder Horst hereinstürzten. `Wo ist er, der Undankbare, der Flüchtling, der verdammte Ausreißer?´ Sie packten mich am Genick und schleppten mich im Catchergriff zum wartenden Wagen«, schreibt Maier in seiner Biografie »Ich bin doch kein Tor«. Erst Monate später zog Maier dann doch noch aus. Diesmal ohne Streit, dafür frisch verlobt.

4.
Jens Lehmann
»Gesundheit, Schule, Sport«, verrät Jens Lehmann in seiner Biografie »Der Wahnsinn liegt auf dem Platz«, seien die Grundpfeiler der väterlichen Erziehung im Hause Lehmann gewesen. Als sich dann allerdings herausstellte, dass der um Sohnemann Jens buhlende Schalke-Präsident Günter Siebert wie Vater Dieter Lehmann aus Kassel stammte, war es vorbei mit den knallharten Prinzipien. Gemeinsam mit Siebert tütete Lehmann Senior den Deal mit S04 ein. Den mahnenden Worten seiner Schwiegermama zum Trotz. Die hatte noch vor dem endgültigen Wechsel ihres Enkels Richtung Schalke geklagt: »Der Dieter wird doch den Jens nicht an so einen Proletenverein verkaufen!«

5.
Giovanni Trapattoni
Viel zu früh starb Trapattonis Vater Francesco. Im Sommer 1958, Sohn Giovanni hat Tage zuvor sein erstes Spiel für die Profis vom AC Mailand bestritten, erlag der Erzeuger einem plötzlichen Herzinfarkt. Was blieb, war ein ganz besonderes Erbe: Der berühmte Trapattoni-Pfiff auf den kleinen Fingern. Damit, so rechnen seine Biografen Elisabeth Schlammerl und Egon Theiner nach, erreicht der »Mister« eine Frequenz von sagenhaften 10.000 Hertz. »Und mit jedem Pfiff scheint auch Vater Francesco ein klein wenig präsent.«

 
 
 
 
 
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