26.03.2014

Zum Todestag von Werner Kohlmeyer

Das Leben, ein Zweikampf

Werner Kohlmeyer war einer der Helden von Bern. Doch mit dem Leben nach dem Schlusspfiff kam »Kohli« nicht zurecht. Er soff, er spielte, er lebte auf der Straße, er verlor alles. Heute vor 40 Jahren brach endgültig sein Herz. Eine Erinnerung.

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»Der Regen prasselt. Keiner wankt im Wankdorf-Stadion zu Bern. Jetzt Gefahr! Schuss! Auf der Torlinie gerettet! Nachschuss müsste kommen. Noch mal auf der Torlinie gerettet. Das erste Mal Posipal. Das zweite Mal Kohlmeyer. Rettet. Rettet. Rettet!«

Das war am 4. Juli 1954. In der 53. Minute des WM-Endspiels zwischen Deutschland und Ungarn. Beim Stand von 2:2. 33 Minuten später war Werner Kohlmeyer Weltmeister.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Kohlmeyer damals nicht auf der Torlinie gerettet hätte. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: »Vielleicht war es der größte Fehler meines Lebens, dass ich Fußball gespielt habe.« Heute vor 40 Jahren starb Werner Kohlmeyer im Alter von 49 Jahren an Herzversagen.

Niemand kümmerte sich um seinen Grabstein

Kein anderer Weltmeister von 1954 stürzte nach dem großen Triumph so brutal ab wie der gebürtige Kaiserslauterer. Kaum, dass sich »Kohli« mit seinen Heldentaten unsterblich gemacht, arbeitete er auch schon an seiner persönlichen Katastrophe. Eigentlich müsste man sein Leben als Vorlage für ein Theaterstück verwenden. So viel Drama, so viel Absturz. Wer hat eigentlich den Satz »From hero to zero« erfunden? Vielleicht steht der auf seinem Grabstein. Aber wer weiß das schon. Selbst der Grabstein des Fußballers ist längst verschwunden. Es hatte sich niemand im seine letzte Ruhestätte kümmern wollen.

Aber der Reihe nach. An jenem 4. Juli 1954 war die Welt noch in Ordnung. Elf durchnässte und erschöpfte deutsche Nationalspieler reihten sich auf dem Rasen des Berner Wankdorf-Stadions auf, um die weltmeisterlichen Ehrungen entgegen zu nehmen. Kohlmeyer war einer von ihnen. Ein bulliger Athlet, früher mal Regionalmeister im Fünfkampf, jetzt Abwehrspieler. Schnell, zweikampfstark und talentiert. Mit 30 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Pechschwarzes Haar, dunkle Augen, auf der Nase eine kleine Narbe. Ewige Erinnerung an den Fronteinsatz zehn Jahre zuvor. Die Gewehrkugel eines sowjetischen Soldaten hatte ihm nur leicht gestriffen. Da meinte es das Leben noch gut mit ihm. Vom Nazi-Soldaten zum Weltmeister, vom Schlachtfeld auf den Rasen, der an jenem 4. Juli 1954 die Welt bedeutete. Ob Deutschland wieder wer war, weil die Nationalmannschaft Ungarn besiegt hatte? Bestimmt nicht. Aber der »Kohli« und seine Mitspieler, die waren nun wer.

 
 
 
 
 
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