Zum Tod von Wolf-Dieter Ahlenfelder

Der Dicke aus dem Westen

Er war einer der besten Schiedsrichter der achtziger Jahre. In Erinnerung blieb er viele Jahre, weil er mal betrunken ein Spiel pfiff. Schade eigentlich.

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Wenn der Fußball Images gefunden hat, lässt er sie so schnell nicht mehr los. Frank Mill ist bis heute der Chancentod, Norbert Siegmann der Sensenmann und Friedel Rausch der Spieler, der mal von einem Hund gebissen wurde.
 
Gelegentlich, wenn sich die Ereignisse jähren oder einem aktuellen Spieler ähnliches passiert, werden die alten Herren angerufen oder vor Kameras gezerrt. Dort müssen sie dann erzählen, wie das damals war, mit dem Pfostenschuss in München, dem Foul an Ewald Lienen oder der Flucht über den Rasen der Roten Erde. Als hätten sie nie etwas anderes vollbracht in ihrer Karriere.

»Wir sind Männer und trinken doch keine Fanta«
 
Wolf-Dieter Ahlenfelder musste auch immer erzählen. Von diesem einen Spiel am 8. November 1975 zwischen Werder Bremen und Hannover 96. Es war seine dritte Bundesligapartie überhaupt, und Ahlenfelder erschien betrunken am Stadion. Weil Horst-Dieter Höttges die missliche Lage des Schiedsrichters erkannte, duschte er ihn kurzerhand ab und rieb ihn mit Wick ein. Es nützte nichts, der torkelnde Schiedsrichter pfiff nach 32 Minuten zur Halbzeit. Als er sich später zu seiner Trunkenheit äußern sollte, sagte er: »Wir sind Männer und trinken doch keine Fanta.« Noch heute bekommt man in Bremen ein Herrengedeck, wenn man einen Ahlenfelder bestellt.
 
Diese Geschichte ist tausende Male erzählt, zelebriert und ausgeschmückt worden. Wolf-Dieter Ahlenfelder, der Mann, der keine Fanta trinkt. Wolf-Dieter Ahlenfelder, der Scherzbold, der zu früh abpfiff. Wolf-Dieter Ahlenfelder, die Frohnatur aus dem Pott.
 
Gab es einfach nicht mehr zu berichten? In einem Interview antwortete er mal auf die Frage, was er den ganzen Tage mache: »Das hat keinen zu interessieren. Ich bin Privatmann und danke dem lieben Gott jeden Tag.« Also wurde wieder über das Spiel in Bremen gesprochen oder über seinen Dialog mit Paul Breitner, der einst zu ihm sagte: »Ahli, Du pfeifst wie ein Arsch.« Woraufhin der Beleidigte antwortete: »Paul, Du spielst wie ein Arsch.« Ahlenfelder machte das Spiel gerne mit. Und die Fans hingen an seinen Anekdoten, als sei er nie Schiedsrichter, sondern Stand-Up-Comedian gewesen. 

Der »autoritäre Kumpel«
 
Dabei war Wolf-Dieter Ahlenfelder nicht der Hampelmann, zu dem er später gerne gemacht wurde. Er war einer, bei dem die Zuschauer nickten, wenn er seine Entscheidungen traf und von dem die Spieler sagten, er sei streng, aber nicht arrogant. Er war einer, der den Sport liebte. Noch mit 58 Jahren leitete er Spiele in der Kreisliga. Als »autoritärer Kumpel«, wie er sich selbst mal nannte.
 
Ahlenfelder, Jahrgang 1944, begann seine Schiedsrichterlaufbahn bei Sterkrade 08 in Oberhausen, seiner Heimatstadt. Dabei war er am Anfang Spieler gewesen, doch er hatte X-Beine und war vor allem Realist. »Nicht jeder wird Superstar. Bei den Schiedsrichtern herrschte Mangel, da habe ich mich zur Verfügung gestellt.« Er merkte bald, dass seine kollegiale Art bei den Zuschauern und bei den Spielern gut ankam. Er sagte später mal: »Zum Schiedsrichter muss man geboren sein, sonst sollte man lieber auf dem Weihnachtsmarkt Currywurst verkaufen.«

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