Zum Tod von Ottmar Walter

Das Leben, ein Kampf

Im Krieg verwundet, im Finale übersehen, einen Selbstmordversuch überlebt – das Leben hatte für Ottmar Walter viele Falltüren aufgestellt. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Ottmar Walter war 20, als er das erste Mal überlebte. Mit 135 anderen Männer hockte der Fußballer und Soldat an jenem Tag im Sommer 1944 in einem Suchboot an der französischen Atlantikküste, als Geschosse von britischen Zerstörern das Wasserfahrzeug zerfetzten. Elf Mann überlebten, Ottmar Walter war einer von ihnen. Fünf Tage gab ihm der Lazarett-Arzt. Fünf Tage, um sein Bein wieder zu bewegen. Sonst sei es verloren. »Ich schaffte es in vier Tagen, mit zehn Kilo an jedem Fuß wippte ich stundenlang unter unbeschreiblichen Schmerzen.« Als der Krieg vorbei war, war ein Kniegelenk des jungen Mannes von Granatsplittern durchsetzt. Aber Ottmar Walter konnte wieder Fußball spielen.

Ein gescheiterter Selbstmordversuch

Ottmar Walter war 44, als er das zweite Mal überlebte. Mit aufgeschnittener Pulsader fanden ihn ein Freund und sein 18-jähriger Sohn und brachten ihn ins Krankenhaus. Gerade noch rechtzeitig. Die Ärzte retteten Walter das Leben, nach wenigen Tagen wurde er wieder entlassen. Ein gescheiterter Selbstmordversuch. Ottmar Walter versuchte es noch einmal mit dem Leben.

24 Jahre lagen zwischen diesen beiden Ereignissen. 24 Jahre, in denen Ottmar Walter seinen nationalen Ruhm als Vorzeige-Stürmer und Weltmeister begründete. In denen aus dem verwundeten Kriegsheimkehrer ein gefeierter Fußballer und aus dem Weltmeister ein tragischer Held wurde, der mit dem Leben danach nicht zurecht kam.

1947 machte er seine ersten Spiele nach dem Krieg. Natürlich für seinen Heimatklub, den 1. FC Kaiserslautern. Sein Bruder Fritz war da schon ein Star, schon 1940 hatte der sein ersten Länderspiel bestreiten dürfen. Jahre später, Ottmar hatte sich die ersten Sporen beim FCK verdient, stieg der große Bruder gemeinsam mit dem Vater, einem Gastwirt, in eine Wette ein: Ein Faß Bier für Ottmar, falls der es jemals zum Auswahlspieler bringen werde. »Im Leben wird er das nicht«, urteilte Fritz. Monate später schuldete er seinem Bruder eine Menge Pils: beim ersten Nachkriegsländerspiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 stand Ottmar Walter auf dem Platz. Als Ersatzmann für seinen verletzten Bruder.

Ein halbes Jahr später, beim Meisterschaftsendspiel gegen Preußen Münster 1951, lieferte der frisch gebackene Nationalspieler seine vielleicht beeindruckendste Leistung ab. Trotz eines eingeklemmten Rückennervs und dem von den Folgen der Kriegsverletzung schmerzenden Knie, schoss Walter beide Lauterer Tore zum 2:1-Sieg. Den Meisterring mit der Aufschrift »1. FCK«, ein Geschenk seines Klubs, trug er bis zuletzt am Ringfinger der linken Hand – das Metall war längst mit seinem Fingergelenk verwachsen.

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