Zum Rücktritt von Alex Ferguson

Du kannst nicht einfach so geh'n!

Nach 26 Jahren im Amt ist Alex Ferguson als Trainer von Manchester United zurückgetreten. Das Ende einer Ära auszurufen wäre wahrscheinlich noch untertrieben.

Es gibt Meldungen, die will man nicht glauben. Dass Alex Ferguson seinen Rücktritt als Trainer von Manchester United verkündet hat, gehört definitiv dazu. Ferguson war United, und United war Ferguson. Nach 26 Jahren an der Seitenlinie gibt der Schotte nun sein Amt ab, die offizielle Homepage seines Klubs gab das am Mittwochvormittag bekannt. »Sir Alex retires« heißt es da kurz und knapp in der Überschrift. Kein Zweifel: Auch in Manchester befinden sie sich im Schockzustand.

Dass der 71-Jährige sein Amt abgeben würde, wurde schon seit Wochen gemutmaßt, dass er überhaupt irgendwann nicht mehr Trainer von Manchester United sein würde, war auch klar. Aber seien wir doch ehrlich: Eigentlich hatte man gedacht, dass Sir Alex in vielen Jahren einfach von der Trainerbank kippen würde.

Damit genau das nicht passiert, legt er sein Amt jetzt nieder. Profifußball ist ein Berufsfeld der Extreme, Trainer von Manchester United zu sein und den Job so zu definieren wie Alex Ferguson kostet viele Lebensjahre extra. Dass der Mann mit dem ewigen Kaugummi zwischen den Backenzähnen überhaupt noch so agil wirkt, ist eigentlich ein Wunder.

Was Ferguson geschaffen hat, ist nicht nur selten. Das wird es nie wieder geben

Unzählige Nachrufe, Lobeshymnen und sicherlich auch der eine oder andere kritische Kommentar werden jetzt folgen. Alex Ferguson hat sie sich alle verdient. Er ist der erfolgreichste und damit beste Trainer der Neuzeit, hat allein zweimal die Champions League und 13 Mal die englische Meisterschaft gewonnen. Er hat Gegner bekämpft und bezwungen, Bewunderer und Feinde angehäuft wie andere das Laub im Vorgarten. Vor allem aber stand er für eine geradezu unheimliche Konstanz. 26 Jahre am Stück bei ein und demselben Verein zu arbeiten, einen Traditionsklub wie Manchester United aus dem grauen Niemandsland der späten achtziger Jahre in die Glitzerwelt der Gegenwart zu führen und damit zu einem der berühmtesten Fußballvereine der Welt zu machen, ist nicht nur sehr selten. Das wird es im modernen Fußball nie wieder geben.

Warum tritt er gerade jetzt zurück? Auch darauf hat Ferguson eine Antwort gegeben. Seine Mannschaft sei inzwischen so stark und so gefestigt, dass er seinem Nachfolger ein ordentlich bestelltes Feld überlassen könne. Und in der Tat hat seine Mannschaft in dieser Saison eine erneute Metamorphose vollzogen. Zwar steht mit Ryan Giggs noch ein allerletztes Überbleibsel aus jenen legendären United-Nachwuchsjahrgängen der neunziger Jahre im aktuellen Kader, doch die Säulen heißen inzwischen Wayne Rooney, Nemanja Vidic und Robin van Persie. Spieler, auf deren Führungsqualität sich auch Fergusons Nachfolger verlassen kann.

Für uns Zuschauer bleibt eine Mischung aus Überraschung, Dankbarkeit – aber auch Wehmut. Wieder verabschiedet sich ein Teil jener Fußballwelt, mit der wir in den vergangenen 25 Jahren aufgewachsen oder älter geworden sind. In einem Umfeld, in dem manche Trainer bereits zehn verschiedene Arbeitgeber vorweisen können, noch ehe sie das 50. Lebensjahr erreichen, war Alex Ferguson ein Felsen, der immer stand und nie wankte. Alex Ferguson – das war Manchester United. Darauf konnte man sich verlassen.

Bis zum 8. Mai 2013.

>>> Die Karriere von Trainerlegende Alex Ferguson in der Bildergalerie!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!