Zum Polizeieinsatz beim Spiel Schalke gegen PAOK

Alarm gemacht

Am Mittwochabend stürmte eine vollausgerüstete Polizeihundertschaft beim Champions-League-Qualifikationsspiel gegen POAK Saloniki den Schalker Fanblock. Der Verein verurteilt den Einsatz, die Anhänger fragen sich: Was sollte das? 

Als die Hundertschaft um die 70. Minute herum den Schalker Fanblock stürmte, lag eine gespenstische Atmosphäre über der Arena. Niemand wusste so recht, was los war. Die Männer trugen Schlagstöcke, Helme und sprühten Pfefferspray in die Menge. Irgendwas musste also los gewesen sein. Nur was?
 
Das Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Schalke 04 und PAOK Saloniki hatte pünktlich um 20:45 Uhr begonnen. Eine Partie, die nur zustande gekommen war, weil die Uefa Schalkes eigentlichen Gegner Metalist Charkiw wegen Spielmanipulation disqualifiziert hatte.  PAOK war die große Unbekannte, von der man eigentlich nur eines wusste: Der Trainer heißt Huub Stevens.
 
Im Vorfeld kursierte in einigen Medien noch die Geschichte, dass die griechischen Fans es in der Vergangenheit gerne mal krachen ließen. Weil sie etwa im vergangenen Jahr beim Europapokalspiel gegen Rapid Wien den Platz und die Gästekurve stürmten, muss die Mannschaft ihr Rückspiel gegen Schalke vor leeren Rängen austragen.
 
Doch vor der gestrigen Partie und vor dem Stadion blieb e ruhig, und auch nach dem Anpfiff passierte nichts Ungewöhnliches. Hier und da ein Blinker und ein bisschen Pyro. Wohlgemerkt alles in der Gästekurve. Und als ein Böller auf dem Spielfeld explodierte, ertönte eine Ermahnung über die Stadionsprecher. Auf Griechisch. In der Nordkurve blieb es währenddessen ruhig.
 
Polizei im Hoheitsgebiet

Bis zu jener 70. Minute, als die Polizisten in den Schalker Fanblock in der Nordkurve marschierten. »Das ist aus Sicht der Fans ihr Hoheitsgebiet«, sagt Markus Mau vom Schalker Fanprojekt. »Das hat es vorher noch nie gegeben.«
 
Dieses Mal gab es das – und zwar in Form einer Hundertschaft. Es musste Schlimmes vorgefallen sein. Doch zunächst fand keine Kommunikation zwischen Fans und Polizisten statt. Erst nach einigen Minuten sickerte der Grund für die plötzliche Anwesenheit der Polizei durch. Die Gäste aus Thessaloniki hatten sich an einem Banner mit der Aufschrift »Komiti Skopje« gestört, einer Ultragruppe des Klubs Varda Skopje. Die Aufregung war so groß, weil Skopje die Hauptstadt von Mazedonien ist. Ein Land, das für die Griechen eigentlich gar nicht existiert.
 
»Nach Aussage eines der griechischen Polizeibeamten handelte es sich bei dem Inhalt des Banners um volksverhetzende Tatbestände«, schreibt die Polizei Gelsenkirchen in ihrer Pressemitteilung zum Spiel. Die Polizei befürchtete einen Platzsturm der Gästefans und die Gefährdung von »Leib und Leben zahlreicher, auch unbeteiligter Zuschauer«, denn ein solches Banner soll auch die Ausschreitungen beim Spiel gegen Rapid Wien ausgelöst haben. Eine Provokation also, aber Volksverhetzung? »Das ist der aktuelle Stand. Wir hatten gestern Abend keinen Grund gehabt, dem griechischen Beamten keinen Glauben zu schenken«, sagt Guido Hesse, Sprecher der Polizei Gelsenkirchen.

Ist ein Skopje-Banner Volksverhetzung?
 
Anwalt René Lau, unter anderem Mitglied in der »Arbeitsgemeinschaft Fananwälte«, sieht das anders. »Sicherlich kann man dieses Banner als Provokation werten, aber eine Volksverhetzung ist das mitnichten«, sagt er.
 
Fakt ist: Das Banner hing bereits bei einer früheren Partie gegen einen griechische Mannschaft. Beim Spiel gegen Olympiakos Piräus im Herbst 2012 störten sich die Klubvertreter und Fans der Griechen ebenfalls an dem Banner, die Sicherheitsbeamten, Vereinsverantwortliche und Polizei kamen damals überein, nicht einzuschreiten und fuhren damit gut, es blieb nämlich ruhig. »Das Banner hing auch bei etlichen anderen Bundesligaspielen«, sagt Markus Mau. »Es ist das Zeichen einer alten Fanfreundschaft mit Komiti.«

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