Zum Karriereende von Roberto Carlos

Dann machte es Bumm

Roberto Carlos, der kleine Mann mit den dicken Oberschenkeln und dem härtesten Schuss der Fußball-Geschichte, hat seine Karriere beendet. Ein rührseliger Abschiedsbrief für einen Fußballer, der irgendwie schon immer da war.

Bei den Olympischen Spielen kriegen sie sich gar nicht mehr ein. Immer, wenn es die Sendezeit erlaubt (also dann, wenn die Worte »Muskeln«, »Radsport« oder »Twitter« fallen), blenden die übertragenen Sender ein Foto ein, dass die Oberschenkel der beiden deutschen Radsportler André Greipel und Robert Förstemann zeigt. Aufgenommen übrigens von einem neuseeländischen Radsportler, der das Foto dann wiederum bei Twitter »zwitscherte«. Dieses Bild ist tatsächlich erstaunlich. Die Oberschenkel von Förstemann wirken wie die eines Bodybuilders, der sich eine Jahresration Steroide aus Versehen ins Müsli gekippt hat. Sie sind gigantisch. 73 Zentimeter Umfang, so schwärmen sie bei den Olympischen Spielen. Was für dicke Dinger!

Pfft.

Wer nicht gerade ein leidenschaftlicher Radsportfan ist (Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!), sondern es wie jeder anständige Besucher dieser Homepage mit Fußball hält, für den gibt es nur einen wahren König der dicken Dinger.

Roberto Carlos, Brasilianer. 1,68 Meter groß. Oberschenkelumfang: 70 Zentimeter.

Jetzt hat Roberto Carlos (Wadenumfang: 58 Zentimeter) im gesegneten Fußball-Alter von 39 Jahren seine einzigartige Karriere beendet. Nach 22 Jahren als Profifußballer. Nach 125 Länderspielen für Brasilien. Nach einem Sieg bei der WM 2002. Nach 17 Titeln auf Vereinsebene, darunter drei Champions-League-Erfolgen mit Real Madrid.

Nach seinem Tor gegen Frankreich am 3. Juni 1997.

Einem Freistoß, der Roberto Carlos, damals bereits seit einem Jahr für Real Madrid aktiv, weltberühmt machte. Generationen von Fußballern haben versucht, jene Bewegungen nachzuahmen. Wie sich Roberto Carlos den Ball zurechtlegt wie ein rohes Ei. Wie Roberto Carlos viele Meter Anlauf nimmt. Wie Roberto Carlos mit Trippelschritten anläuft. Wie Roberto Carlos den Ball mit dem linken Außenrist trifft. Wie Roberto Carlos die Flugkurve des Balls verfolgt. Wie Roberto Carlos sein Tor bejubelt.

Ein Hoch auf die moderne Kameratechnik. Auch durch die zahlreichen Perspektiven ist dieser Freistoß zu einer Legende geworden, so wichtig für die Geschichte des Fußballs wie Rahns Linksschuss, Pelés Finalkopfball, van Bastens Volleytor oder Cantonas Lupfer. Der Ball, von den dicken Dingern zu einer ungeheuerlichen Flugkurve beschleunigt, wand sich damals wie eine halbe Elipse um die französische Mauer, prallte gegen den Innenpfosten und von dort ins Tor. Wäre der Ball zurück ins Feld gesprungen, man hätte den Pfosten wegen Verbrechen gegen das menschliche Auge verklagen müssen.



Die Karriere von Roberto Carlos stand an diesem 3. Juni 1997 erst am Anfang. Er hat danach noch viele unglaubliche Tore geschossen. Einmal hat er einen Ball auf 202 km/h beschleunigt und damit offiziell einen Weltrekord aufgestellt. (Dieser wurde zwar 2007 von einem Brasilianer namens Ronny Heberson Furtado de Araujo eingestellt, aber wer zum Teufel ist schon Ronny Heberson Furtado de Araujo?) Er ist die linke Seite so beständig rauf und runter gerannt, dass er eigentlich nach seinen Spielen Furchen wie Dagobert in seinem Geldspeicher hätte hinterlassen müssen (anscheinend sind moderne Rasenflächen beständiger als der sicherlich äußerst preisgünstige Bodenbelag in Dagoberts Speicher). Er ist, seit er 1990 (1990!) sein Profidebüt gegeben hat, zu einem der besten Linksverteidiger aller Zeiten herangewachsen, dessen Karriere Ende der Neunziger, Anfang der Nuller auf dem Höhepunkt war und jetzt erst langsam bei Anschi Machatschkala verglüht ist.

>>> Die Karriere von Roberto Carlos in Bildern!






Er ist Roberto Carlos, der Mann mit den dicken Dingern. Der, der irgendwie immer schon da war. Wir werden ihn vermissen.

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