Zum Karriereende von Paul Scholes

Tore machen, arbeiten

Paul Scholes hört auf – nach 676 Spielen für Manchester United. Alex Raack erinnert an den rothaarigen Regisseur, der sogar Barcelonas Xavi in einem Interview bekennen ließ: »Er ist der beste Mittefeldspieler der letzten 20 Jahre.« Zum Karriereende von Paul Scholes

Der moderne Profi-Fußball lässt eigentlich keinen Platz mehr zu für so sentimentalen Kram, wie Legenden und Vorbilder. Während sich frühere Generationen noch ganz verliebt den »Kicker-Starschnitt« von Kevin Keagan an die heimische Wohnzimmerwand kleben durften, gehört es in der Gegenwart zum guten Ton auf die Frage »Wer ist ihr großes Idol?« mit einem souveränen »Ich selbst« zu antworten. Immerhin, ein paar Vorbilder sind uns noch geblieben. Eines davon hat mehr als 100 Tore in seiner Karriere geschossen, spielte für Manchester United in der Premier League – und beendet jetzt seine Karriere. Das Vorbild heißt Paul Scholes.


»Für mich ist Paul Scholes der Beste«, hat Cesc Fabregas, der junge Mittelfeldstar von Arsenal London einmal gesagt, »der kann alles: Pässe spielen, Tore machen, arbeiten.« Um dann noch ganz bescheiden anzufügen, gerne selbst so gut zu werden, wie der kantige Rotschopf. Nun gibt es nicht wenige, die trauen dem Spanier genau das zu. Und wissen gar nicht, welche Aufgabe sich Fabregas – ohne Zweifel ein Ausnahmetalent – da gestellt hat. Seit der Saison 1995/96 hat Scholes in jeder Saison mehr als 20 Ligaspiele bestritten, hat Minuten, Stunden, Tage, Monate im Trikot von Manchester United abgerissen, als sei er kein Lebewesen aus Fleisch, Blut und verletzungsanfälligen Gelenken, sondern ein Roboter in weißen Hosen.

Ein Roboter in weißen Hosen

Seine Erfolgsbilanz für die »Reds«, deren Ausbildung er gemeinsam mit der goldenen Generation um Beckham, Giggs und Neville genossen hat, ist gigantisch und sprengt jeden Briefkopf. In einem der besten Fußball-Vereine der vergangenen 15 Jahre war der Engländer stets treibende Kraft im Mittelfeld, dort, wo der Konkurrenzkampf am größten ist. Sein Trainer in all den Jahren: der ewige Alex Ferguson. Für den Schotten mit den roten Bauspäckchen ist das Erfolgsrezept seines Schützlings ziemlich einfach: »Paul hat sich schon immer durch zwei Dinge ausgezeichnet, die man selten vereint findet: Hirn und Klasse.«

Im Februar 2011 hatte Paul Scholes gegen den abstiegsbedrohten Neuling Wolverhampton Wanderers noch ein ganz besonderes Jubiläum feiern können: Sein 1:0 in der 73. Minute (gleichzeitig der Endstand) war das 100. Premier-League-Tor für Manchesters Nummer 18. Eine sensationelle Quote, bedenkt man, dass Scholes seit jeher einen eher defensiveren Part in der Zentrale von United bekleidete. Entsprechend euphorisch urteilte denn auch sein Trainer: »100 Tore aus dem Mittelfeld heraus machen deutlich, welch ein herausragender Spieler Paul Scholes ist.«

»Er vereint zwei Dinge: Hirn und Klasse«

Die 100 war voll, doch vermutlich wird das Englands einziges Vorbild nicht mal gejuckt haben. Kein anderer Fußballer von der Insel hat sich in den vergangenen Jahren so vehement gegen individuelle Vermarktung und mediale Ausschlachtung verwehrt, wie er. Keine Berater, keine Werbeverträge, keine Geschichten für die Zeitungen mit den großen Buchstaben. Wenn er nicht ein so guter Fußballer wäre, könnte man fast meinen, dass Paul Scholes ein ziemlich langweiliger Mensch sei.

Dass man ihm zu Beginn seiner Karriere noch ein sehr schnelles Ende prophezeite, ist heute lediglich eine kurze Randnotiz wert. »Das Starlet von Manchester leidet an einer schrecklichen Form von Asthma«, diagnostizierten einschlägige Boulevardblätter im Sommer 1996, »er wird vermutlich nur noch wenige Spiele überleben.«

Paul Scholes aber blieb. Bis heute. Bis er, 36-jährig, auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz sein Karriereende bekannt gab. Er verabschiedet sich als Rekordmeister, Manchester United distanzierte mit dem 19. Titel die Konkurrenz aus Liverpool. Gibt es eigentlich den »Starschnitt« noch?

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