14.05.2013

Zum Karriereende von Mark van Bommel

Eier, er hatte Eier

Mark van Bommel hat seine Karriere beendet. In seinem letzten Spiel flog er wegen wiederholten Foulspiels vom Platz. Das hat Stil, findet Alex Raack.

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Als ich ein kleiner Junge war, gab mir meine Mutter einen Spitznamen: Bommel. Vermutlich, weil ich immer etwas größer, schwerer und bolliger wirkte als die gleichaltrigen Kinder in unserer Nachbarschaft. Ich wurde älter und die anderen größer. Ich verlor meinen Spitznamen. Erst in der Bunten Liga meiner Unistadt Marburg holte ich ihn mir zurück und ließ ihn auf mein Trikot flocken. Da war der Niederländer Mark van Bommel längst ein international bekannter Drecksack. Wir wurden ungewollte Namensvettern. Und auch unsere Spielstile ähnelten sich. Wir wollten gewinnen, ob nun gegen Turbine Torhagel oder Borussia Dortmund. Und dafür war uns jedes Mittel recht. Als vor einiger Zeit während einer Mitfahrgelegenheit zwischen Marburg und Berlin der Name »Bommel« fiel, erinnerte sich der Beifahrer mit folgenden Worten an mich: »Das war doch dieses Arschloch mit der komischen Frisur!« Ganz genau. Ich bin mir sicher, auch Mark van Bommel ist stolz darauf, wenn man sich in ein paar Jahren so an ihn erinnert.

Gelbe Karten. Für die Mannschaft

Meine Zeit in der Bunten Liga ist längst vorbei und tut auch nichts zur Sache. Nur kamen all die alten Erinnerungen an wüste Grätschen, Bodychecks und Wortgefechte auf den Marburger Knochenbrecher-Wiesen hoch, als Mark van Bommel am vergangenen Wochenende seine Karriere beendete. Mit einer Gelb-Roten Karte in der 70. Minute zwischen seiner Mannschaft PSV Eindhoven und Twente Enschede. Stilecht, beinahe formschön. »Manchmal musst du eben Gelbe Karten für deine Mannschaft holen«, hat van Bommel mal in einem Interview mit der »Sport Bild« gesagt. Ein schöner Satz wie ich finde.

Hier geht's lang: Mark van Bommels Karriere in Bildern >>>

Fußball-Ästheten ist diese Sicht der Dinge schwer zu vermitteln. Ein Fußballer wie Mark van Bommel, den Ottmar Hitzfeld einst treffend als »Aggressive Leader« beschrieb, ist im Jahr 2013 so unmodern wie die Schlaghose. Seine Nachfolger in der Defensivzentrale, die Schweinsteigers, Xabi Alonsos und Benders, verrichten ihre Arbeit offenbar ähnlich erfolgreich, ohne dabei Gift und Galle zu spucken. Sie müssen keine Gegenspieler mehr »über die Bande« treten, um »mal ein Zeichen« zu setzen. Doch als die deutsche Nationalmannschaft, neben den Spaniern die Vorzeigetruppe für alle Fußball-Ästheten, 2010 und 2012 vorzeitig aus den großen Turnieren ausschied, da schrie das Volk nach den Über-die-Bande-Tretern und Zeichensetzern. Nach Fußballern, die zwar Fußball spielen, aber im Zweifel eben auch mal Arschloch sein können. Nach den Mark van Bommels dieser Welt.

Obwohl: Gibt es sie noch, Spielertypen wie van Bommel? Oder ist, war, der 36-Jährige der Letzte seiner Art? Ist diese Form des Gewinnertyps, der zur Not eben den Bad Boy spielt, vielleicht mit dem Karriereende von Mark van Bommel ausgestorben? Es wäre schade drum.

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