Zum Karriereende von David Beckham

Flanken, glänzen, kotzen

Mal wieder hat David Beckham seine Karriere beendet. Doch diesmal offenbar endgültig. Doch was bleibt in Erinnerung vom wohl größten Popstar der Fußballgeschichte?

Endlich. Endlich. Endlich. Man muss es drei Mal sagen, um diese Nachricht wirklich zu glauben: David Robert Joseph Beckham beendet seine Karriere. Endlich! Denn obwohl er bereits zwei Mal seinen Rückzug aus dem Profizirkus verkündet hatte, tauchte der Engländer dann wieder im Kader des AC Mailand, von L.A. Galaxy oder Paris Saint Germain auf. Aber jetzt ist Schluss. »Ich bin dankbar, dass PSG mir die Chance gegeben hat. Aber nun fühle ich, dass die Zeit gekommen ist, meine Karriere zu beenden«, ließ der mittlerweile 38-Jährige über einen Berater verlauten. Es ist ein leiser Abgang, der so gar nicht zu dem Getöse passt, von dem Beckhams Laufbahn in den vergangenen Jahren begleitet wurde.

»Endlich!«, könnte man es auch freudig in die Welt schreien, denn eigentlich ist der Fußballer Beckham schon lange in Rente. Geblieben war nur das Marketingobjekt. Über die Jahre mutierte David Beckham zu einer Art Madonna des Fußballs – zum »role model« einer ganzen Fußballergeneration. Er war in Sachen Mode die stilprägende Figur im ansonsten arg biederen Fußballgeschäft. Er machte den Irokesenschnitt salonfähig, eine Frisur von der selbst Kreisligafußballer bis heute glauben, sie verleihe magische Kräfte. Er setzte die quadratmetergroßen Sonnenbrillen auf die Profinasen, und natürlich schenkte er dem Fußball das allseits beliebte Ganzkörpertattoo. Er zeigte, dass Profis auch als Unterhosenmodell arbeiten können, dass sie pubertierende Mädchen in ihre erste Ohnmacht treiben können, dass Fußball mehr ist, als ein Spiel: Es ist ein Geschäft. Kurzum: Er machte Fußball zu Pop – und verdiente damit viel Geld. Dafür könnte man ihn hassen.

Auf dem Rasen eine Sau

Doch was man dabei oft vergisst: Auf dem Feld war David Beckham selten der Glamour-Boy – in ihm kochte das herrlich dreckige Blut des englischen Proletariats. Er grätschte, schwitzte und wenn es sein musste, dann kotzte er sogar auf den Platz. So sehr er als Gentleman auf dem roten Teppich glänzte, so sehr neigte er auf dem Rasen zur Sau. Er schubste, trat, spuckte, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte. Und er war entgegen aller Klischees ein echter Mannschaftsspieler, der sich für den Erfolg zerriss. Als langjähriger Kapitän der Three Lions reizte er die Liebe der Fans regelmäßig bis auf das Äußerste aus. Für seine Rote Karte im WM-Achtelfinale 1998 gegen Argentinien wollten ihn die Engländer lynchen, als er sie vier Jahre später mit einem Wunderfreistoß in letzter Minute überhaupt erst zur WM schoss, hätten sie ihn vom Fleck weg zum König ernannt.

Und dann war da noch sein begnadeter rechter Fuß. Seine Waffe. Er machte ihn zum Meister des diagonalen Flugballs, zum Kaiser der rechten Außenbahn. Kaum ein anderer Spieler der vergangenen zwei Jahrzehnte war für seine Flanken dermaßen gefürchtet wie der Junge aus Leytonstone, London. Er bereitete beide Last-Minute-Treffer im Champions-League-Finale 1999 per Ecke vor. Das Video seiner nahezu surrealen Halbfeld-Bananenflanke auf den Real-Kollegen Ronaldo hat allein bei Youtube 15 Millionen Klicks. Er flankte präziser als eine Maschine, mit der immer gleichen Haltung: den linken Arm im 45 Grad Winkel von sich gestreckt, den Luxuskörper geneigt, den Fuß beinahe im rechten Winkel – so, als stehe er Modell für eine biomechanische Studie. David Beckham rotzte seine Flanken nicht in den Strafraum, er verstand sie als Kunst. Dafür muss man ihn lieben.



Es gab wohl wenige Spieler im Weltfußball über die man sich so vortrefflich streiten konnte wie David Robert Joseph Beckham. Doch jetzt ist er weg. Zumindest vom Rasen. Und Millionen Fußballer vom Ascheplatz bis in die Profiligen müssen sich nun ein neues Vorbild suchen. Sowohl sportlich als auch optisch. Auch dazu kann man nur sagen: endlich!

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