05.11.2013

Zum Fünfzigsten von Jean-Pierre Papin

Papinade

Jean-Pierre Papin war »Welt-Torjäger« und »Europas Fußballer des Jahres«. Heute wird er 50 Jahre alt. Wir schauen zurück auf eine Karriere, die trotz aller Erfolge unvollendet blieb.

Text:
Ilja Behnisch
Bild:
imago

»Meine Tore sind das Resultat meines Instinktes«, sagte Jean-Pierre Papin, den sie in Frankreich nur »JiPéPé« nennen, einst. Ein kleiner, kräftiger Stürmer, von dem die französischen Journalisten während eines Spiels oft sagten: »Papin n'est pas là« - Papin ist nicht da. Doch Papin konnte sich auf seinen Instinkt verlassen. Irgendwann bekam er das eine Anspiel, die eine Torchance, die ihn das Spiel entscheiden ließ. Dafür arbeitete er hart, oft noch stundenlang nach dem Training feilte er an seinem Abschluss. Mit Erfolg. Auch heute spricht man in Frankreich bei Treffern aus dem Nichts von »papinade«. Er selbst beschrieb seinen Spielstil so: »Von mir sieht man nie viel, aber ich arbeite das ganze Spiel. Und bin in jeder Situation gefährlich.«

Papin hatte zwar seinen Instinkt mit in die Wiege gelegt bekommen, aber nicht die Chance ihn beweisen zu können. Und so übersah man sein Talent in Frankreich zunächst. Er musste den Umweg über den FC Brügge (1985/86) nehmen, um die Aufmerksamkeit zu erlangen, die ihn zu Olympique Marseille (1986-1992) und dort zum fünffachen Torschützenkönig der Ligue 1 hieven würde. Vier französische Meisterschaften und einen französischen Pokalerfolg konnte Papin bei »OM« für sich verbuchen, bei der er der ideale Abnehmer für die wechselnden Kreativlinge des Marseiller Offensiv-Wirbels war. Ob Alain Giresse, oder Jean Tigana, ob Abedi Pelé oder Chris Waddle, sie alle konnten sich darauf verlassen in Papin ein verlässliches Ziel ihrer Anspiele zu finden. Der Höhepunkt seiner Vereinskarriere 1991 zeichnete jedoch zugleich auch den Makel seiner Laufbahn vor. Papin war ein Star, dem die ganz großen Titel fehlen würden. Im Jahr, in dem er »Welt-Torjäger« und »Europas Fußballer des Jahres« wurde, scheiterte Olympique im Finale des Europapokals der Landesmeister an Roter Stern Belgrad. Zudem bewies er bei seinen Wechseln kein sonderlich glückliches Händchen. Kaum hatte er Marseille in Richtung Mailand verlassen, gewann »OM« die Premiere der neu gegründeten Champions-League. Auch in der Nationalmannschaft blieb ihm der große Triumph verwehrt. Die WM 1990 verpasste die »Equipe Tricolore«, bei der EM 1992 schied man bereits in der Vorrunde aus.

Die Weltmeisterschaft 1994 schließlich hätte sein Turnier sein sollen. Jean-Pierre Papin, der »Fantomas« des Fußballs, wie ihn die »Süddeutsche Zeitung« in Anlehnung an seinen wenig auffälligen Spielstil einst nannte, hatte zwei durchwachsene Jahre beim AC Mailand hinter sich. Zwar gewann »Milan« 1994 die Champions-League, doch viel dazu beigetragen hatte Papin nicht. In den USA nun wollte er an seine alten Glanzzeiten anknüpfen. Doch erneut verpasste Frankreich die Qualifikation. Dabei hätte im letzten Spiel gegen Bulgarien ein Unentschieden genügt, um das WM-Ticket zu lösen. Doch es folgte, frei nach Albert Camus, ein Akt des Absurden. Bis in die 89. Spielminute hinein wähnten sich bis dahin klar überlegene Franzosen beim Stand von 1:1 als WM-Fahrer. Auf Höhe des bulgarischen Strafraums pfiff der Schiedsrichter einen Freistoß - für Frankreich. Die Fans jubelten bereits in die Pariser Nacht. Doch der für Papin eingewechselte David Ginola machte den Träumen Frankreichs, den Träumen Papins einen Strich durch die Rechnung. Völlig ohne Not flankte er in den nur von Bulgaren besetzten Strafraum. Die Strafe folgte auf dem Fuße Emil Kostadinovs, der den Ball Sekunden später zum Siegtreffer in die Maschen drosch. Wer weiß wie weit die deutsche Nationalmannschaft, die bei der WM 1994 bekanntlich an den Bulgaren scheiterte, es gebracht hätte, wenn David Ginola etwas von Zeitspiel verstanden hätte?

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