Zum Fall Kevin Pezzoni

Was hat sie bloß so ruiniert?

Weil er sich von Fans massiv bedroht fühlte, ließ der Kölner Kevin Pezzoni am Wochenende seinen Vertrag auflösen. Laut DFL-Chef Reinhard Rauball ist »eine neue Stufe der Eskalation« erreicht. Ist das tatsächlich so?

»Kevin, wir kriegen Dich!«

Kevin Pezzoni hat genug. In den vergangenen Monaten wurde der Verteidiger des 1. FC Köln im Stadion ausgepfiffen und im Internet bepöbelt. Bei Facebook hatten sich User zu Anti-Gruppen zusammengeschlossen, eine heißt »Pezzoni? Dann lieber mit 10 Mann spielen«, eine andere » Pezzoni in die Wüste«. Als am vergangenen Dienstag in einer Gruppe der Aufruf »Pezzoni und Co. aufmischen« gestartet wurde, fuhr die Polizei vermehrt Streife vor Pezzonis Wohnung und der Verein erstattete Strafanzeige gegen den Gründer der Gruppe. Es nützte nichts. Kurze Zeit später fand der Spieler einen Zettel auf der Windschutzscheibe seines Autos. Darauf stand: »Kevin, wir kriegen Dich!« Später tauchten Fans vor der Wohnung des 23-Jährigen auf und bedrohten ihn. Kevin Pezzoni löste daraufhin seinen Vertrag beim 1. FC Köln auf. In den Facebook-Gruppen wurde gejubelt. Am Freitag um 14:08 Uhr schrieb ein User: »Wir haben ihn erledigt... Jetzt muss der nächste dran glauben.« Am Samstag um 15:37 Uhr folgte das Posting: »Endlich. Raus aus unserer Stadt du wixer scheiss fotzenoni.« Pezzoni war Opfer einer unsäglichen Hetzjagd geworden, gegen die er chancenlos war.

Mitspieler Christian Eichner, der in der jüngeren Vergangenheit selbst oftmals von den eigenen Fans angegriffen wurde, sprach von einem »Schock in der Mannschaft«. Pezzoni selbst hat sich bislang nur auf seiner Facebook-Seite geäußert: »Es freut mich, hier zu lesen, wie viel Verständnis für unsere Entscheidung entgegengebracht wird. Und wie viel Unverständnis wir gemeinsam gegenüber Mobbing, Beleidigungen, Gewalt & Co. haben.«

Zunehmende Fangewalt beim FC?
 
Eines ist sicher: Man wird wieder diskutieren. Über Fangewalt. Über Ultras im Allgemeinen. Und FC-Fans im Speziellen. Schließlich gab es im Umfeld der Kölner Fan- und/oder Ultraszene zuletzt Vorfälle, die nun wie Katalysatoren für die Hetze gegen Pezzoni erscheinen. Vergangene Saison überfielen FC-Anhänger, angeblich Mitglieder der Ultra-Gruppe »Wilde Horde«, einen Bus mit Fans von Borussia Mönchengladbach. Im April dieses Jahres wurde Leverkusens Michal Kadlec verprügelt. Angeblich ebenfalls von einem Köln-Anhänger. Wenige Wochen sollen Fans, so berichteten verschiedene Medien, vor dem Haus des damaligen Mannschaftskapitäns Pedro Geromel gepöbelt haben.
 
Es wäre ein Leichtes, den Fall Pezzoni hier einzugliedern und das Ende der Fahnenstange oder zumindest eine »neue Stufe der Eskalation« (Reinhard Rauball) heraufzubeschwören. Am Pranger: der 1. FC Köln. Doch ist das so? Hat der FC Schuld, weil er sich nicht massiv genug vor den Spieler gestellt hat? Oder sind die Kölner Medien schuldig, weil sie den Spieler in den vergangenen Wochen ausschließlich mit den Noten 5 und 6 belegten? Oder doch die Kölner Fans, weil sie immer wieder den Sinn für Maß und Distanz verlieren?

Das Beispiel Magdeburg

FC-Präsident Werner Spinner warnt davor, mit dem Finger auf Klub und Fans zu zeigen. Er glaubt weiterhin an einen Prozess. »Wir werden strafrechtliche Schritte gegen diese Chaoten einleiten«, sagte er zu 11FREUNDE. »Dennoch darf man nicht den Fehler machen, den Dialog mit den Fans abzubrechen.« Der Fanbeauftrage des Klubs, Rainer Mendel, sieht das ähnlich. »Fangewalt ist ein bundesweites Phänomen«, sagt er. Er führt als Beispiel den Spieler Daniel Bauer an, der den 1. FC Magdeburg Ende 2011 verließ, weil er von Anhängern bedroht worden war. Mehrere Vermummte sollen sich zuvor an seiner Haustür als Pizzaboten ausgegeben und dann Warnungen ausgesprochen haben.

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